DAS INVESTMENT: Frau Brunkhorst, warum wollten Sie unbedingt ein duales Studium machen?
Antonia Caroline Brunkhorst: Ich habe 2022 mein Abitur an einem Gymnasium in Niedersachsen gemacht. Für mich war immer klar, dass ich in Richtung Wirtschaft gehen möchte. In der Oberstufe hatte ich Politik-Wirtschaft und Mathematik als Leistungskurse. Bereits parallel zu meinem Abitur habe ich mich für ein duales Studium beworben. Es bietet die perfekte Möglichkeit, Theorie und Praxis direkt zu verbinden. Ich studiere Business Administration an der HSBA, der Hamburg School of Business Administration. Das Modell sieht so aus, dass man immer abwechselnd drei Monate in der Firma und an der Uni ist. Das ist auch sehr klar voneinander getrennt, man kann sich in der jeweiligen Zeit ganz auf eine Sache konzentrieren. Momentan befinde ich mich im zweiten Lehrjahr und habe noch ein Jahr vor mir. Im nächsten Jahr werde ich meine Bachelorarbeit schreiben.
Warum fiel Ihre Wahl auf die Hansemerkur?
Brunkhorst: Ich bin durch Zufall über die Studienplatzbörse der HSBA-Website auf eine Stellenanzeige der Hansemerkur gestoßen, die sehr spannend klang. Es ist ein Unternehmen, das Sicherheit verspricht und das hat bei meiner Arbeitgeberwahl auch mit hineingespielt. Ich kannte die Hansemerkur als traditionell hanseatisches Unternehmen mit dem schönen Gebäude an der Alster. Sie ist vor allem für ihre Kranken- und Reiseversicherung bekannt, die quasi ein Aushängeschild ist. Ich habe mich trotz eines anderen Angebots aufgrund des Standorts und der Benefits am Ende für die Hansemerkur entschieden.
Worin sehen Sie die Vorteile eines dualen Studiums?
Brunkhorst: Die individuellen Erfahrungen aus den vielen verschiedenen Unternehmen bereichern das Lernen an der Uni enorm. Dadurch bekommen wir im Unterricht vielfältige Beispiele aus der Praxis, die helfen, verschiedene Perspektiven zu verstehen. Es wird ausgiebig diskutiert und viel in Teamarbeiten gemacht. Dabei sind nur circa 20 Personen in einer Klasse. Besonders hervorzuheben ist, dass sich im Laufe des dualen Studiums jeder Studierende auf einen Schwerpunkt spezialisiert. In meinem Fall ist das Marketing. Andere Studierende sind in den Bereichen Finance, Personalmanagement oder Sustainability. Diese Schwerpunktsetzung lässt sich gut mit den Anforderungen der jeweiligen Branchen und Firmen kombinieren. Das duale Studium bietet mir insofern die Möglichkeit, schon frühzeitig in die Arbeitswelt einzutauchen. Ein Arbeitsplatz nach dem Studium ist nahezu garantiert. Ich muss mich nicht erst orientieren und stehe nicht in Konkurrenz im Bewerbungsverfahren mit vielen BWL-Absolventen staatlicher Universitäten.
Worauf liegt der Fokus im praktischen Teil der Ausbildung?
Florian Krehl: Vor fünf Jahren haben wir unser Konzept umgestellt. Früher haben die Studierenden nacheinander zentrale Abteilungen wie Finanzbuchhaltung, Rechnungswesen, Marketing oder Personalwesen durchlaufen. Wir haben jedoch festgestellt, dass die dreimonatigen Phasen nicht ausreichen, um richtig in die Themen einzutauchen. Die Studierenden hatten nie die Möglichkeit, sich richtig einzuarbeiten und blieben immer in der Rolle des Azubis. Für die Fachbereiche ist es aufgrund der begrenzten Zusammenarbeit ebenso schwierig. Die Hansemerkur hat daraus gelernt und ein Konzept entwickelt, bei dem die Studierenden fest einem Bereich zugeordnet werden und dadurch nach drei Jahren wirklich fertig ausgebildet und einsatzfähig sind.
Und warum brauchen Auszubildende nicht mehr den altbekannten betrieblichen Rundumschlag?
Krehl: Man darf nicht vergessen, dass es sich um ein duales Bachelor-Studium handelt, bei dem die akademischen Inhalte oft nur bedingt mit der Praxis übereinstimmen. Wenn die Schnittmenge bei 25 Prozent liegt, ist das schon viel. Das theoretische Wissen aus Bereichen wie VWL oder BWL hat oft nur wenig mit der realen Wirtschaft zu tun. Es ist natürlich gut, dass es das gibt, auch um persönliche Kompetenzen zu stärken und um wissenschaftliches Arbeiten zu lernen. Aber für das Unternehmen ist wichtig, nicht diesen Rundumschlag mit abzubilden, sondern quasi den Deep Dive zu machen und bedarfsorientierte Wünsche zu berücksichtigen. Unsere Studierenden haben immer die Möglichkeit, Themen ihrer Wahl zu vertiefen, entweder ergänzend zu den Uni-Inhalten oder auch als Substitut. Dadurch gehen wir viel mehr in die Tiefe. Wenn ich den Mentor von Frau Brunkhorst frage, wird er mir sagen, dass sie nach zwei Jahren ein vollwertiges Teammitglied ist. Wir erreichen damit einen außergewöhnlich hohen Grad der Mitarbeit und Selbstwirksamkeit. Die heutige Generation möchte vor allem aktiv mitgestalten. Und das ermöglichen wir ihr.
Wie wird die Schwerpunktwahl des Auszubildenden im Unternehmen berücksichtigt?
Krehl: Wir gestalten diesen Prozess, indem die Studierenden uns ihre Interessenschwerpunkte mitteilen und der jeweilige Fachbereich bewertet, was sinnvoll ist. Ich kann niemandem einfach vorschreiben, in einem bestimmten Bereich zu arbeiten, nur weil wir dort neue Projekte haben. Nehmen wir zum Beispiel an, wir entwickeln eine neue Versicherung im Bereich Schifffahrt. Wenn eine Studentin daran kein Interesse hat, macht es keinen Sinn, sie in diese Richtung zu drängen. Wir müssen einen Dreiklang aus den Wünschen des Studierenden, den Anforderungen des Fachbereichs und den Bedürfnissen des Unternehmens schaffen. Jedenfalls betrachten wir jeden Fall individuell und treffen unsere Entscheidungen stets aufs Neue. Es gibt keinen festen Plan, sondern nur die Empfehlung, sich den Versicherungsbereich anzusehen. Aber wenn etwas anderes mehr Sinn macht, gehen wir darauf ein. Zwischen der Einstellung einer Person und der Schwerpunktwahl liegen zwei Jahre. Im Fall von Frau Brunkhorst ist auch die Schnittmenge des Schwerpunkts zum Fachbereich gegeben.
In welchem Heimatbereich werden Sie eingesetzt Frau Brunkhorst und wie funktioniert das genau?
Brunkhorst: Ich arbeite in der Reisebetriebswirtschaft, also in der Produktentwicklung der Reiseversicherung. Die an der Uni vermittelten, betriebswirtschaftlichen Inhalte finden hier Anwendung. So können beispielsweise auch die Marketingaspekte meines Schwerpunkts integriert werden. Ich kehre in jedem Praxisblock immer wieder in meinen festen Heimatbereich zurück. Für mich ist das äußerst wertvoll, da ich in meinem Team sehr wertgeschätzt werde und als vollwertiges Mitglied anerkannt bin. Schon nach kurzer Zeit habe ich verantwortungsvolle Aufgaben erhalten, was für meine Kommilitonen, die in anderen Unternehmen tätig sind, oft noch unvorstellbar ist. Diese werden in verschiedenen Abteilungen eingesetzt und sind jedes Mal wieder Neulinge, die sich zunächst vorstellen und die Systeme kennenlernen müssen. Das ist bei uns ein echter Vorteil.
Und wie können Sie die von Herrn Krehl genannten eigenen Wünsche dann umsetzen?
Brunkhorst: Das Konstrukt der Hansemerkur ist nicht in Stein gemeißelt. Ich habe trotz meines Heimatbereichs, die ganze Zeit die Möglichkeit zu hospitieren. Ich kann in Absprache mit meinen Vorgesetzten in verschiedene Abteilungen reinschnuppern - je nachdem, wo meine Interessen liegen und wo es organisatorisch passt. So habe ich zum Beispiel bereits Einblick in das Bestandsteam, die Schadenregulierung oder den Reisevertrieb bekommen. Dass man ja als junger Mensch recht flexibel ist und mitbestimmen kann, macht es gerade so besonders. Aber man muss auch selbst die Initiative ergreifen. Nur wenn man die eigenen Wünsche und Interessen aktiv äußert, wird es halt auch umgesetzt.
Und mit diesem Konzept können Sie exakt für den bestehenden Personalbedarf im Unternehmen ausbilden?
Krehl: Frau Brunkhorst hat den Fachbereich bereits im Auswahlverfahren kennengelernt. Die Kollegen sind involviert, stellen sich vor und wir klären, welche Aufgaben der Bereich übernimmt. Wir haben uns im Vorfeld gut überlegt, ob wir diesen Platz anbieten oder nicht. Die Abteilung teilt uns mit, ob sie diese Person, in diesem Fall Frau Brunkhorst, zukünftig benötigt. Es handelt sich hierbei um eine aktuarielle Tätigkeit, für die es schwer ist, geeignete Bewerber am Markt zu finden. Daher bilden wir selbst aus und investieren viel. Ich glaube, das ist auch ein Teil unserer Stärke, dass wir uns den Menschen zugehörig fühlen. Das ist ein bewusster Prozess, den wir da eingehen. Gerade das ist es, was die jungen Bewerberinnen und Bewerber fordern – sinnstiftende Arbeit und Identifikation. Sie wollen sagen können: Hier fühle ich mich auch zu Hause.