DAS INVESTMENT: Herr Weber, bei Infrastruktur denken die meisten an marode Brücken oder erneuerbare Energien. Greift diese Sichtweise zu kurz?

Klaus Weber: Infrastruktur – das Wort kommt ja aus dem Lateinischen, „infra“ und heißt „unter“. Es ist also die Struktur, die unter allem liegt, die alles trägt. Wir haben dafür ein Akronym entwickelt, das sich an Megatrends orientiert: DUEL. Das steht für Digitalisierung, Urbaner Wandel, Energiewende und Lebensgewohnheiten. Ein gutes Beispiel, in dem alle vier zusammenfließen, ist das Thema smarte und nachhaltige Städte. In diesen vier Bereichen steckt viel mehr drin als Wind und Sonne. Die sind selbstverständlich auch Teil unserer Strategie, gerade beim Thema Energiewende. Aber das ist eben das Segment, in dem sich alle tummeln.

Aber ist der Bedarf nicht auch groß?

Weber: Aus Investorenperspektive bedeutet das: Die Einstiegspreise sind nicht mehr günstig und die Renditechancen dadurch begrenzt. Der Investitionsbedarf ist in anderen Bereichen mindestens genauso groß – und dort ist der Wettbewerb noch nicht so intensiv.

Intelligente Straßenbeleuchtung klingt unspektakulär, hat aber enormes Potenzial.

Haben Sie ein Beispiel?

Weber: Ein schönes Beispiel ist die intelligente Straßenbeleuchtung. Das klingt unspektakulär, hat aber enormes Potenzial. Wir sind in Projekte in Italien investiert, wo die Kommune als Partner fungiert – letztendlich der Staat als Vertragspartner mit einer langfristigen Betriebskonzession. Die Kommune spart 60 bis 80 Prozent der Betriebskosten, hauptsächlich Energiekosten durch die Installation von LEDs. Für die Stadt ist das sehr lukrativ, bei geringen Investitionen.

Ein weiteres Beispiel: Es gibt Kommunen, die mittlerweile smarte Mülleimer haben. Der Bauhof fährt dann nur raus, wenn der Mülleimer meldet, dass er voll ist. Das Thema Smart Cities hat viele Facetten. Wir haben dafür einen eigenen Fonds aufgelegt.

Investiert Ihr Infrastruktur-Eltif auch in diesen Bereich?

Weber: Unser Infrastruktur-Eltif ist ja noch jung, wir haben gerade das erste Investment getätigt. Das geht aber auch in diese Richtung. Der Fonds investiert zusammen mit einem unserer institutionellen Fonds in ein Unternehmen in Norditalien, das auf Abfallverwertung spezialisiert ist. Abfallwirtschaft wird häufig auf den Begriff „Müllverbrennung“ reduziert. Aber die Wertschöpfungskette unseres Unternehmens geht viel weiter und umfasst die Abfallsortierung und -behandlung sowie die Energie- und Biogas-Gewinnung aus Abfällen. Auch dieses Beispiel zeigt, wie zwei Megatrends – in diesem Fall Urbaner Wandel und Energiewende - in einem Investment zusammenwirken.

Gibt es weitere Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Investoren – Stichwort public-private partnerships – denkbar ist?

Weber: Da gibt es viele Bereiche – auch Schulen, Kindergärten, Turnhallen. Kommunale Infrastruktur betrifft alles, was eine Stadt finanzieren muss. Aus Investorensicht kann man das aus der Immobilienbrille betrachten, aber eben auch als soziale Infrastruktur. Wir sprechen intern oft von „Re-Infra“, also Real Estate und Infrastruktur in einem. Immobilien können auch Träger von Infrastruktur sein. Wir haben auf unser komplettes Logistik-Portfolio Solaranlagen draufgebaut. Auch die Ausstattung von Wohngebäuden mit Ladestationen kann so ein Thema sein, bei dem beide Bereiche ineinanderfließen.

Sie haben Italien mehrfach als Standort genannt. Warum funktionieren öffentlich-private Partnerschaften dort besser als in Deutschland?

Weber: In Italien ist die Bereitschaft, private Gelder in öffentliche Investitionen einzubeziehen, größer als in anderen europäischen Ländern. Norditalien bietet sehr gute Investitionsrahmenbedingungen. In Deutschland gibt es zwar Beispiele – etwa ein Autobahnstück zwischen Augsburg und München, das von einem privaten Konsortium ausgebaut wurde und wo das Konsortium die Lkw-Maut zugeschrieben bekam. Aber viele Partnerschaften sind in der Vergangenheit nicht zustande gekommen, weil die öffentliche Hand skeptisch war.

Woher kommt diese Skepsis?

Weber: Der private Investor muss Geld damit verdienen – ganz egal, ob er ein Privatinvestor oder institutioneller Investor ist. Das wird manchmal kritisch gesehen. Aber in Deutschland wächst das Bewusstsein, weil die Finanzierungsnot immer deutlicher wird. Wenn Sie schauen, wie die Schulen selbst in finanzstarken Bundesländern wie Bayern oder Hamburg aussehen, dann wird klar: Ohne privates Kapital geht es nicht.

Dabei will die Bundesregierung nun Milliarden in Infrastruktur investieren.

Weber: Ich habe mir das unlängst durchgerechnet, weil wir gerade mit einer Stadt über kommunale Infrastruktur sprechen. Das sind 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre, davon 20 Prozent für Länder und Kommunen – also 100 Milliarden über zwölf Jahre, das sind etwa 8 Milliarden pro Jahr. Wenn man das auf Bayern herunterbricht, entfallen dort 15 bis 20 Prozent drauf, also gut eine Milliarde. Bei einer Stadt mit 100.000 Einwohnern kommt da nicht mehr viel an. Markus Söder hat es unlängst sehr treffend formuliert: Man kann es nur als Anschubfinanzierung sehen. Wir brauchen privates Kapital – und damit meine ich nicht die Unterscheidung zwischen institutionellen und privaten Investoren, sondern einfach Geld, das nicht vom Staat kommt. Der Bedarf ist riesig.

Was macht diese Investments für Investoren attraktiv?

Weber: Man hat es oft mit öffentlichen Auftraggebern zu tun, das Kontrahentenrisiko ist also überschaubar. In aller Regel sind die Verträge inflationsgekoppelt, sodass man einen entsprechend guten Inflationsschutz hat. Ob wir jetzt über Müllverwertung, Straßenbeleuchtung oder Datencenter sprechen – wie die Wirtschaft läuft, ist in diesen Bereichen nicht das ausschlaggebende Kriterium. Die Einnahmen sind meist relativ stabil.

Gibt es auch Infrastruktur-Nischen, die Sie bewusst meiden?

Weber: Alles, was nicht in unsere Megatrends passt, wird kritisch geprüft. Auch bei CO2-lastigen Investments sind wir vorsichtig – ein Flughafen wäre so ein Beispiel. Solche Investments gehen für uns nur mit Fokus auf Dekarbonisierung, also mit konkreten Plänen, Emissionen zu senken.

Welche Infrastrukturbereiche halten Sie für besonders unterschätzt?

Weber: Das ganze Thema Datencenter ist trotz des bereits stark gewachsenen Bereichs weiterhin interessant, wenn man allein sieht, welche Kapazitäten gebraucht werden. Auch die soziale Infrastruktur – Kindergärten, Schulen – ist ein riesiger Markt. Hätten Sie das Thema Müllverwertung auf dem Schirm gehabt? Oder intelligente Straßenbeleuchtung? In vielen dieser Themenfelder sind wir noch sehr am Anfang.

Man kann nicht pauschal sagen, dass Eltifs zu hohe Gebühren haben.

Wir haben schon über Ihren Eltif gesprochen. Aktuell stehen die Produkte wegen ihrer Kosten in der Kritik. Wie beurteilen Sie das?

Weber: Der Gesetzgeber hat mit der Eltif-Novelle mehr Freiheit geschaffen, weil er Investorenkapital mobilisieren wollte – auch mit Blick auf den Investitionsnotstand im Infrastruktursegment. Es wurden einige Regularien weggenommen in der Annahme, dass sich dann das beste Modell durchsetzt. Dadurch haben die Initiatoren mehr Freiheit in der Produktgestaltung.

Daher muss man mit allgemeingültigen Aussagen aufpassen. So kann man auch nicht pauschal sagen, dass Eltifs zu hohe Gebühren haben. Es gibt unterschiedliche Kostenstrukturen, unterschiedliche Rücknahmemechanismen. Man kann immer nur das Einzelprodukt beleuchten und sich dann ein Urteil erlauben.

Wie sieht es bei Ihrem Eltif aus?

Weber: Unser Eltif bildet sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalinvestitionen ab. Er kann in Fonds investieren, hauptsächlich in die institutionellen Fonds von Patrizia im Infrastruktursegment. Er kann aber auch, wie beim ersten Investment, als Co-Investor auftreten. Wenn wir in unsere eigenen Fonds investieren, werden die Gebühren verrechnet, so dass keine doppelte Gebührenbelastung für den Anleger entsteht. Das ist für Anleger attraktiv und eröffnet ihnen Zugang zu Produkten, die sonst erst ab 5 oder 10 Millionen Euro geeignet sind.

Für welche Anleger eignet sich so ein Produkt?

Weber: Für langfristig orientierte Privatinvestoren ist der Patrizia Infrastructure Invest eine sehr gute Möglichkeit, in nicht börsengelistete Märkte zu investieren. Die Vorteile haben wir besprochen: guter Inflationsschutz durch gekoppelte Verträge, geringe Nachfrageelastizität, weitgehende Unabhängigkeit von Börsen oder Zinsen. Die Beimischung von Infrastruktur kann einen messbaren Beitrag zur Risikoreduzierung in einem bereits diversifizierten Portfolio leisten. Auch kleinere Stiftungen, Versorgungswerke oder Pensionskassen, die mit sechsstelligen oder niedrigen siebenstelligen Beträgen unterwegs sind, finden da gute Möglichkeiten. Das entscheidende Kriterium steckt im Namen: Der Investor muss langfristig orientiert sein.

Über den Interviewten

Klaus Weber arbeitet seit 35 Jahren in der Anlageberatung. Der gelernte Bankkaufmann und Sparkassenbetriebswirt war zunächst bei der Sparkasse Augsburg tätig und wechselte anschließend zum Fondsanbieter Real I.S. Seit 2015 ist er für den Anbieter von Sachwerte-Fonds, Patrizia Grundinvest, tätig, wo er im März 2024 zum Geschäftsführer aufstieg.