Interview mit Testkunde Malte Krüger „So müsste Finanzberatung aussehen“

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Viele Verbraucher stecken in derselben Klemme. Sie haben eine Altersvorsorgelücke und bräuchten Beratung. Wenn sich Berater für jeden Privatkunden aber sehr viel mehr Zeit nehmen würden, als es jetzt der Fall ist, würden die Beratungskosten explodieren.

Krüger: Diesen Zwiespalt sehe ich auch. Aber wie wäre es, wenn sich die Branche mit weniger zufriedengibt? Zudem appelliert die Politik an die Eigenverantwortung der Verbraucher. Ich habe es versucht, und meine Initiative wurde nicht belohnt. Insofern ist dieser Appell eine verlogene Forderung.  Natürlich kostet Beratung Geld. Aber ich muss als Verbraucher auch die Möglichkeit haben, einen Leistungscheck durchzuführen.

Wie meinen Sie das?

Krüger: Ich bin während der Recherche mal mit einem Honorarberater aneinandergeraten. Er fing an zu feilschen, wie lange ich seine Leistung denn testen dürfte. Er sagte: Das können Sie bei einem Arzt auch nicht machen. Ich sollte mich innerhalb einer halben Stunde entscheiden, ob ich seine Leistung in Anspruch nehmen wollte. Er war sehr arrogant. Nach dem Vorgespräch war die Beratung zu Ende.

Auch wenn Sie sich mit diesem Honorarberater offenbar nicht grün waren – Honorarberatung gilt als der Königsweg, auf den auch die Regulierung die Branche langfristig lenkt. Berater schauen dann nicht auf Provisionen und handeln mehr im Kundeninteresse, heißt es.

Krüger: Mich interessiert zu allererst: Hat der Berater, der mir gegenübersitzt, etwas drauf? Die Vergütung trifft darüber noch keine Aussage. Die Honorarberaterszene hat aber erst einmal den Vorteil, dass sie nicht so eine schmutzige Vorgeschichte hat wie die klassische Beratung.

Haben Sie noch weitere Stationen abgeklappert?

Krüger: Ich habe mich auch an Fintechs gewandt. Ich frage mich nur: Wenn ich als Verbraucher eine Marktanalyse vornehmen kann und eine Aktie oder einen Fonds lesen kann, brauche ich dann noch einen Mittler wie einen Robo-Berater. Außerdem habe ich mit einem Vermögensverwalter diskutiert, wie ich als Privatanleger dem Massenmarkt entfliehen könne. Er hat mir direkt gesagt, dass meine Chancen schlecht seien. Er könne zwar Hölzer und seltene Metalle anbieten, aber nur ab einer Anlagesumme von 50.000 Euro.

Sie stellen in Ihrem Buch auch ein Beispiel vor, das Sie überzeugt hat.

Krüger: Ich bin an einen Honorarberater geraten, Alexander Schmidt, der auch Co-Autor des Buches ist. Er hat mir alle möglichen Finanz- und Versicherungsprodukte zu allen möglichen Lebensereignissen vorgestellt. Er ist als Berater bei mir nicht durchgefallen. Es tickte keine Uhr. Das Ideal der Beratung stelle ich mir so vor wie das Verhältnis zwischen Karate Kid und seinem Mentor, dem Hausmeister Mister Miyagi. Keine Massenware von Produktverkäufern, sondern eine ganzheitliche Unterweisung.

Wie lange dauerte die Beratung?

Krüger: Herr Schmidt hat sich mehrere Wochen Zeit genommen. Es ging auch um den Erwerb von Finanzmündigkeit. Allerdings können 95 Prozent der Verbraucher diesen Aufwand nicht bewältigen. Daher wäre es ideal für Verbraucher, die nicht so viel Zeit mitbringen, einen solchen Berater zu finden. Mir ist klar: Das ist in der Masse nur schwer realisierbar, das ist erstmal nur ein Ideal. Aber so müsste Beratung aussehen.

Der Autor
Malte Krüger ist Rhetorik-Coach und Journalist. Zusammen mit zwei Partnern leitet er eine Privatschule für Erwachsenenbildung in Neumünster. Der studierte Politologe und Sprachwissenschaftler lebt in Kiel und schreibt momentan an seinem dritten Buch.

Das Buch
Titel Undercover in der Finanzindustrie

Autoren Malte Krüger, Alexander Schmidt
Verlag Finanzbuchverlag
Preis 19,99 Euro (270 Seiten)
ISBN 978-3-95972-117-2

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