Interview mit Christoph Bergweiler „Megatrends eignen sich als Türöffner“

Christoph Bergweiler verantwortet seit April 2012 das Deutschlandgeschäft von J.P. Morgan Asset Management. 2017 kamen noch die Regionen Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland hinzu  | © J.P. Morgan AM

Christoph Bergweiler verantwortet seit April 2012 das Deutschlandgeschäft von J.P. Morgan Asset Management. 2017 kamen noch die Regionen Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland hinzu Foto: J.P. Morgan AM

DAS INVESTMENT.com: Produkttrends kommen und gehen. Die Themen Ihres Hauses wie Global Macro und Income scheinen eine andere Halbwertszeit zu kennen. Fehlt Ihnen die Produkttiefe?

Christoph Bergweiler: Im Gegenteil – als globaler Asset Manager mit Expertise in allen relevanten Anlageklassen haben wir über 60 Investmentansätze im Angebot. Aber unserer Überzeugung nach ist es im Vertrieb von Vorteil, sich zu fokussieren und für eine ausgewählte Zahl an Themen wahrnehmbar einzustehen. Daher setzen wir seit einigen Jahren auf die zwei sich ergänzenden Multi-Asset-Lösungen JPM Global Income und JPM Global Macro Opportunities – eine Art Best-of unseres Hauses. Mit dem Income-Fonds wollen wir eine Alternative im Niedrigzinsumfeld aufzeigen, während sich der wenig korrelierende Macro-Fonds für die Risikostreuung gerade im späten Marktzyklus eignet.

J.P. Morgan Asset Management blickt mittlerweile auf 30 Jahre am deutschen Markt zurück. Hat sich in all den Jahren der Fondsvertrieb verändert?

Bergweiler: Zwei große Trends fallen auf. Ein Trend ist die sich verändernde Regulierung. Sie ist für alle Marktteilnehmer insgesamt sinnvoll, auch wenn es sicherlich an mehreren Stellen Anpassungsbedarf gibt. Hierzu findet ein Dialog zwischen Industrie, Interessensverbänden und dem Regulator statt. Als Fondsbranche ist es hierbei essenziell, die Probleme unserer Vertriebspartner sehr genau zu verstehen und an einem Strang zu ziehen. Am Ende wollen wir gemeinsam für Investoren strategische Probleme lösen, die eine langfristig ausgerichtete Portfolioberatung erfordern. Der zweite Trend ist eine starke Professionalisierung der Beratungsprozesse, die dank technischer Skalierbarkeit und toller Beratungsinitiativen professioneller Vertriebe einer breiteren Investorenbasis angeboten werden können.

Gewinnen Sie dem aktuellen Trend zu Themenfonds, meist abgeleitet aus den Megatrends unserer Zeit, etwas ab?

Bergweiler: Der Trend ist grundsätzlich nicht verkehrt – auch wir haben Themenfonds, beispielsweise für Technologie- oder Gesundheitsthemen. In der richtigen Dosierung sind diese eher emotionalen Themen ein gutes Vehikel, um Beratern die Gelegenheit zu bieten, bei Anlegern den Zugang zum Thema Investments zu finden. Die große Chance ist, hierauf aufbauende Strategien für das Kernportfolio aufzuzeigen und eine robuste Gesamtstrategie zu entwickeln.

Und aus Branchensicht?

Bergweiler: Für die Anbieterseite ist es wichtig, darauf zu achten, bei der thematischen Fokussierung die Markttiefe und Liquidität eines Sektors nicht außer Acht zu lassen, sodass auch in negativen Marktphasen potenzielle Anteilsverkäufe ohne ausgeprägte Markteffekte bedient werden können. Teilweise erschließt die Industrie aktuell sehr kleinteilige Investment-Themen, die eventuell effizienter über strukturierte Produkte oder ETFs umzusetzen wären.