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Joyce Gordon, Aktienfondsmanagerin bei Capital Group: „Je länger die wirtschaftliche Expansion anhält, desto mehr Aufmerksamkeit widme ich der Kontinuität von Dividenden.“ | © Capital Group

Interview mit Joyce Gordon

„Ich halte die Barquote hoch“

Frau Gordon, die USA sind im Konjunkturzyklus schon in der Spätphase. Was bedeutet das für das Management von Aktienfonds?

Joyce Gordon: Da die US-Notenbank Federal Reserve ihre Zinserhöhungen gestoppt hat, wird sich die wirtschaftliche Expansion in den USA voraussichtlich fortsetzen. Die Börsenkurse könnten zwar weiter steigen, sind aber volatil. Das liegt zum Teil daran, dass die Ordervolumina zurückgehen – oder zumindest auf einem gleichbleibenden Niveau verharren. Im verfolge deshalb eine defensive Investitionsstrategie mit Fokus auf etablierte Unternehmen, die stabile Erträge generieren – unabhängig davon, was in der Wirtschaft geschieht.

Da der Kapitalgrundstock für langfristige Renditen sehr wichtig ist, sollte man ein Auge darauf haben. Ich lege im Moment viel Wert auf eine hohe Bargeldquote.

Dann schwindet aber das Renditepotenzial.

Gordon: Stimmt, aber so kann ich Kursschwankungen auffangen. Wenn eine Marktkorrektur erfolgt habe ich die erforderlichen Mittel, um in gut bewertete Unternehmen zu investieren.

Welche Unternehmen ziehen Sie für Investitionen in Betracht?

Gordon: Versorger mit langfristigen Verträgen und einer stabilen Zinsbasis halten sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten tendenziell gut. Ich ziehe auch Vertragspartner des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums sowie Unternehmen in der Gesundheits- und Lebensmittelbranche für Investitionen in Erwägung. Diese Unternehmen weisen tendenziell eine niedrige Verschuldung auf. Oft verfügen sie über eine hohe Nettoliquidität und schütten Dividenden aus.

Je länger die wirtschaftliche Expansion anhält, desto mehr Aufmerksamkeit widme ich der Nachhaltigkeit von Dividenden. Unternehmen sollten über den gesamten Wirtschaftszyklus Dividenden zahlen. Werden Ausschüttungen an Anleger gekürzt, bricht oft auch der Aktienkurs zusammen.

Welche Lehren haben Sie aus der Rezession von 2008 gezogen?

Gordon: Ich meide Unternehmen mit hohen Schulden. Solche Häuser können theoretisch von Rating-Agenturen unter Druck gesetzt werden, Dividenden zu kürzen, um ein Investmentgrade-Rating beizubehalten. Außerdem beobachte ich Vorstände und Führungskräfte in Unternehmen genau. Nehmen wir das US-Finanzunternehmen Washington Mutual als Beispiel: Es ist in der Finanzkrise 2008 zusammengebrochen. Als die Krise ihren Lauf nahm, erstellte die Bank eine Beschlussvorlage, die die Prämienstruktur für die Führungsebene ändern und die Auswirkungen von Kreditausfällen beseitigen sollte. Mit anderen Worten: Die Führungsebene wurde durch Volumen und nicht durch Qualität motiviert. Rückblickend war das ein verräterisches Zeichen.

Management-Fehler wie bei Washington Mutual gibt es heute zum Glück eher selten. Einige Unternehmen geben jedoch Anleihen aus, um Aktien zurückzukaufen und Dividenden auszuschütten, anstatt den freien Cashflow zu nutzen. Diese Strategie ist verlockend, weil die Zinssätze so niedrig sind.

Manche Unternehmen haben Dividenden auch jahrelang erhöht, diese Praxis jedoch inzwischen aufgegeben. Das ist auch ein Warnzeichen. Oft handelt es sich um Häuser mit hohem Fremdkapitalanteil, die sich Sorgen um ihre Schuldentilgung machen. In der Lebensmittelbranche ist das oft der Fall.

Joyce Gordon managt bei Capital Group Aktienportfolios. Gordon verfügt über 38 Jahre Investment-Erfahrung und ist seit 43 Jahren bei der Capital Group tätig. Zu Beginn ihrer Karriere berichtete sie als Aktienanalystin über Unternehmen aus den Bereichen Bankwesen sowie Papier- und Forstprodukte. Gordon hat einen MBA und einen Bachelor-Abschluss in Business Finance von der University of Southern California. 

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