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Interview mit Matthias Hoppe, Franklin Templeton „Wir rechnen nicht mit einer wirklichen Zinswende“

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Welche Anleihesegmente sind aus Ihrer Sicht denn noch interessant?

Hoppe: Generell sind Schwellenländer interessant, bei denen strukturelle Veränderungen zu erwarten sind oder bei denen noch Raum für eine lockere Geldpolitik besteht. Brasilien zum Beispiel bietet beides. Hier bieten zehnjährige Staatsanleihen eine Rendite von  11,0 Prozent. Ohne Währungsabsicherung steigt aber der Risikobeitrag einer solchen Position im Portfolio stark an. Deshalb muss man auch eine Meinung zur Währung haben und sich über Absicherung Gedanken machen.

Generell sind Schwellenländer interessant, bei denen strukturelle Veränderungen zu erwarten sind oder bei denen noch Raum für eine lockere Geldpolitik besteht.“

Wie geht es bei den Zinsen weiter?

Hoppe: In den USA hat die Notenbank zwar mehrere Zinserhöhungen bis 2019 angekündigt. Die Notenbanken in Europa und Japan hingegen werden die Zinsen wohl weiter niedrig halten, sie scheinen eine Toleranz für höhere Inflation zu haben. Unserer Meinung nach erscheint es aber fraglich, ob die Anleihenmärkte deshalb einen breiten und nachhaltigen Renditeanstieg in diesem Jahr verzeichnen werden, das Ende des Bullenmarktes am Anleihenmarkt sozusagen.

Wieso glauben Sie das?

Hoppe: Zum einen die expansive Geldpolitik in der Eurozone und Japan, sie hält die Renditen allgemein niedrig. Außerdem gehen wir davon aus, dass wir eine konjunkturelle Abschwächung weltweit im zweiten Halbjahr bekommen, mit niedriger gesamtwirtschaftlicher Nachfrage.  Und schließlich bleibt die Nachfrage nach Anleihen in den entwickelten Ländern hoch.

Was bedeutet das für andere Anlageklassen in den kommenden Monaten?

Hoppe: Die globale Wirtschaftsaktivität hat, wie bereits erwähnt, in den vergangenen Monaten wieder angezogen. Kurzfristig rechnen wir mit einer leichten Erholung. Das kommt natürlich Aktien zugute. Wir gehen aber davon aus, dass sich das Wachstum wieder verlangsamt. In den USA ist die Konjunktur aber schon weit fortgeschritten. Ein Konjunkturprogramm in den USA könnte die Situation etwas verändern.

Es muss aber abgewartet werden, wie die wirtschaftspolitische Agenda der neuen Regierung aussieht. Am Ende des Tages müssten die Unternehmen ihre Kapitalgüterinvestitionen erhöhen. In einem Umfeld steigender Kosten und fallenden Unternehmensgewinnen erscheint es fraglich, ob es geschehen wird. Für den US-Dollar erwarten wir, dass er sich weiter aufwertet. Zum einen aufgrund der Zinsdifferenz zwischen USA und anderen Ländern. Zum anderen weil die Maßnahmen der neuen Regierung, so sie denn umgesetzt werden, tendenziell positiv für den Dollar sind.

Das bedeutet?

Hoppe: Das bedeutet, dass wir mit einer möglichen Abschwächung rechnen. Aber vor allem mit einer höheren Volatilität, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen. Die Märkte haben nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sehr schnell ein höheres Wachstum eingepreist. Noch ist aber nicht ganz klar, welche Kräfte zukünftig dominieren werden. Protektionismus würde das Wachstum strukturell verringern, massive Staatsausgaben in Form von Infrastrukturprojekten würden tendenziell zu höherer Inflation führen. Die steilere US-Zinskurve spricht für höhere Volatilität. Daher setzen wir vermehrt auf Volatilität als Anlage und auf Alternativen, wie etwa Risikoprämien im Aktienbereich, also Strategien, die weniger vom Auf und Ab der Märkte abhängig sind.

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