Interview mit Michael Bastian, Allianz „85 Prozent der Vermittler wählen die teilweise Verteilung der Abschlusscourtage“

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Wie sehen Sie das Thema Fintech? Chance oder Bedrohung?

Bastian: Ich sehe Fintechs nicht als Bedrohung. Die ganze Branche muss mit dem veränderten Kundenverhalten und der zunehmenden Digitalisierung unserer Welt umgehen und die Zukunft mitgestalten. Fintechs sind hier eine Ausprägung. Wir beobachten das sehr genau.

Wie nutzen Sie die Digitalisierung, um Makler in ihrem täglichen Geschäft zu unterstützen?

Bastian: Unsere Digitalisierungsstrategie gegenüber Maklern steht auf zwei großen Säulen. Die erste Säule beruht auf der Frage, wie wir den Makler in seinem digitalen Kontakt zum Kunden unterstützen können. Da bieten wir Tools an, die er etwa auf seine Homepage einbinden kann – seien es Schnellrechner, Informationen oder Newsletter. Hier wollen wir noch stärker werden.

Die zweite Säule betrifft die Schnittstelle zwischen uns und dem Vermittler. Da geht es vor allem um Effizienz und die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Hier arbeiten wir zum Beispiel sehr intensiv an Bipro-Schnittstellen. Das versetzt den Vermittler in die Lage, ohne Medienbrüche in seinem Maklerverwaltungsprogramm zu arbeiten. Außerdem entwickeln wir unser Maklerportal kontinuierlich weiter. Neueste Entwicklung ist zum Beispiel ein elektronisches Postfach, das den Papierversand von Vermittlerpost ersetzen kann.



Wie läuft es bei Ihnen eigentlich in der Krankenversicherung?

Bastian: Wir sind sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung und lagen zur Jahresmitte bei rund 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Steigerung kommt primär aus der Vollversicherung. Der Krankenversicherungsmarkt steht vor einer Zeitenwende. Die Themen Qualität und Finanzstärke des Anbieters werden immer wichtiger.  Ein Kunde eines Vollversicherungsvertrags spart im Schnitt über die Laufzeit etwa 150.000 Euro an Altersrückstellungen an. Neben der Immobilie und seiner Altersvorsorge handelt es sich hier um die drittgrößte Investitionsentscheidung, die er im Laufe seines Lebens in der Regel trifft. Und dieses Geld muss ebenfalls gut angelegt werden.

Als großer institutioneller Anleger haben wir in der Allianz Gruppe ganz andere Möglichkeiten zu investieren als beispielsweise eine Privatperson oder kleine Anbieter. Die Kunden profitieren von Skaleneffekten sowohl auf der Kostenseite als auch auf der Investitionsseite. So haben wir unter anderem unsere Infrastrukturinvestments verstärkt, wie beispielsweise in die Parkuhren in Chicago oder die U-Bahn in Barcelona und Madrid.

Haben Sie bei der Krankenversicherung immer auch Respekt vor der nächsten Bundestagswahl? Weil so ganz ist das Thema Bürgerversicherung ja nicht vom Tisch.

Bastian: Ich glaube, dass wir hier gute Argumente haben. Die private Krankenversicherung bietet auf der Leistungsseite ein attraktives Angebot und ist eine tragende Säule des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland. Wir werden in diese Diskussion also gelassen reingehen.

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