Ufuk Boydak, Fondsmanager vom Loys Global System und neuerdings vom Loys Europa System

Ufuk Boydak, Fondsmanager vom Loys Global System und neuerdings vom Loys Europa System

Interview mit Ufuk Boydak

„In der Fondsindustrie dominiert mancherorts das Bauchgefühl“

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DAS INVESTMENT.com: Mächtig was los bei der Fondsboutique Loys: Neuer Fonds, neues Büro in Frankfurt und Sie rücken in den Partnerkreis auf. Schaltet Ihre Gesellschaft einen Gang höher?

Ufuk Boydak:
Auf jeden Fall ist zeitgleich relativ viel passiert. Gerade beim Ende November aufgelegten Loys Europa System waren die ersten Tage sehr erfreulich. Die Performance seit Auflegung liegt bei circa 11 Prozent und wir sind durchaus stolz, fast 20 Millionen Euro in der kurzen Zeit eingesammelt zu haben.

Was war überhaupt die Motivation für die Auflegung? Immerhin managen Sie mit dem Loys Global System bereits einen Fonds mit der gleichen Systematik, nur größerem Anlageuniversum.

Auch der Loys Global System hatte in letzter Zeit ein Übergewicht europäischer Titel. Deren Anteil im Portfolio lag bei rund 50 Prozent. Aus Gesprächen mit vielen unserer Investoren wussten wir, dass auch ein Bedarf für einen reinen Europa-Fonds besteht. Vor allem institutionelle Anleger wollen ihre Länder-Allokation sowie die Cash-Quote über ihre gesamte Asset Allocation steuern. Insofern verzichten wir im Portfoliomanagement auf die Kasse, sind nahezu immer vollinvestiert, und liefern ihnen mit dem neuen Fonds einen klar umrissenen Baustein für ein europäisches Aktieninvestment. Da die europäischen Aktienmärkte in den vergangenen Jahren zurückgeblieben sind, war jetzt sicherlich ein guter Augenblick, um einen Fonds aufzulegen.

Sonst gibt es keine Unterschiede zum Loys Global System?

Nein, gibt es nicht. Letztendlich brechen wir die Europa-Komponente aus dem bisherigen Loys Global System heraus. Wir suchen Aktientitel also nicht anders als vorher.

Kommen wir zu den personellen Veränderungen bei Loys. Wir gratulieren zur Partnerschaft. Wie kam‘s dazu?


Hoffentlich durch meine erbrachte Leistung der vergangenen Jahre (lacht). Ein Aspekt ist aber sicherlich auch, dass wir uns bei Loys Gedanken gemacht haben, wie wir uns langfristig gut aufstellen können. Die bisherige Führungsmannschaft um Christoph Bruns, Heiko de Vries und Frank Trzewik steht sicherlich nicht kurz vor der Pensionierung – alle drei sind noch nicht einmal 50 Jahre alt –, aber dennoch wollte man Weitsicht beweisen und gar nicht erst in die Bredouille kommen wie manch andere Boutique derzeit. Ursprünglich hat mich nach dem Studium nichts nach Oldenburg, wo die Heimat von Loys liegt, gezogen. Es war vielmehr das Gespräch mit Christoph Bruns, das mich überzeugte.

Welche Argumente zündeten?


Natürlich einerseits die Gelegenheit unmittelbar mit ihm zusammenzuarbeiten. Hätte meine Karriere in den neunziger Jahren begonnen, hätte es nur schwer die Möglichkeit gegeben so eng mit jemandem wie Christoph Bruns zusammenzuarbeiten. Damals war er noch Leiter Aktien bei der Union Investment und hatte eine Vielzahl von Portfoliomanagern unter sich. Im Austausch skizzierte er mir in unserem ersten Gespräch aber auch, wie mein Weg bei Loys aussehen könnte. Auch damals fiel bereits die Möglichkeit einer perspektivischen Partnerschaft. Zudem passte die Investmentphilosophie von Loys, wertorientiertes Aktieninvestments in Reinform, zu meiner eigenen Überzeugung und ich hatte den Eindruck hier einiges bewegen zu können.

Letzteres müssen Sie genauer erklären.


Mein Eindruck war damals schon, dass Loys gut aufgestellt ist und eigentlich alles hatte um erfolgreich zu sein. Das Fondsmanagement wurde auf hohem Niveau betrieben. Zudem haben wir in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, den Investmentprozess noch stärker zu strukturieren und zu standardisieren. Durch die geschickte Nutzung der IT haben wir einen sehr hohen Output und sind in der Lage die für uns wirklich relevanten Unternehmen zu identifizieren, das Konzentrat der besten Ideen, wenn Sie so wollen. In der deutschen Fondsindustrie indes habe ich den Eindruck, dass mancherorts das Bauchgefühl eine große Rolle spielt. Das ist nicht unser Ansatz. Wir verfolgen stringent unseren holistischen Analyseprozess und legen die Schwerpunkte auf Geschäftsmodelle, Bewertungen und die Qualität der Rechnungslegung.

Jetzt gibt es den neuen Fonds. Folgt nun auch neues Personal?


Da haben wir uns in der jüngeren Vergangenheit bereits gut aufgestellt. Zurzeit sind wir zu sechst im Portfoliomanagement. Fälschlicherweise wird stets unterstellt, dass mit steigenden Assets under Management ein Team mitwachsen muss. Das stimmt aber nicht – zumindest nicht zwangsläufig. Wir sind überzeugt, dass die Unterscheidung in Analysten und Portfoliomanager nicht der richtige Ansatz ist. In diesem System generieren die Analysten jeder für sich Investmentideen und stellen diese dem Portfoliomanager vor. Doch der muss ohnehin sein eigenes Research machen, um die Ideen überhaupt einschätzen zu können und letztlich zu entscheiden. Nicht gerade eine effiziente Nutzung der Ressourcen. Wir wollen kein Analysten- oder Research-Haus sein, sondern ein Fondsmanagement-Gesellschaft.

Sie arbeiten mittlerweile vor allem aus dem neuen Büro in Frankfurt heraus. Konnte Sie nichts mehr im beschaulichen Oldenburg halten?

Die Musik in der deutschen Finanzbranche spielt in Frankfurt. Oldenburg war zudem stets logistisch etwas schlecht angebunden. Mit dem Frankfurter Büro haben meine dort ansässigen Kollegen und ich nun Zugang zu vielen Unternehmen vor Ort und das Verkehrs-Drehkreuz direkt vor der Tür. Auch ist es für die Zukunft von Vorteil, um Talente für Loys anzuwerben. Die Attraktivität des Arbeitsortes Frankfurt ist sicherlich um einiges höher als im beschaulichen Oldenburg. Eine komplette Verlagerung ist übrigens kein Thema. Die Wurzeln von Loys werden weiterhin in Norddeutschland liegen.

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