DAS INVESTMENT: Die Kosten für Pflege im Heim sind auch im vergangenen Jahr wieder weiter angestiegen: Bewohner müssen aktuellen Daten des Verbands der Ersatzkassen zufolge bis zu 348 Euro pro Monat mehr zuzahlen. Ist dieses Problem aber dem Durchschnittsdeutschen Ihrer Erfahrung nach überhaupt bewusst? 

Nina Klingspor: Nein. Die Pflegeversicherung läuft noch stärker unter dem Radar der Öffentlichkeit als die Krankenversicherung. Dabei dürfte sie für die Mehrheit der Menschen noch einmal in ihrem Leben eine entscheidende Rolle spielen: Die Hälfte aller Männer und zwei Drittel der Frauen hierzulande werden im Durchschnitt für fünf bis sechs Jahre lang pflegebedürftig und müssen dann jeweils mehr als 2.000 Euro pro Monat zuzahlen. Diese Kosten fallen in der Regel genau dann an, wenn man bereits in Rente gegangen ist und kein Arbeitseinkommen mehr verdient. Die Pflegeversicherung ist recht häufig sozusagen eine Verlängerung der Altersvorsorge. Unser Werbepartner Dieter Hallervorden schafft es gut, dieses schwere Thema glaubwürdig auf leichte Art zu kommunizieren. Dennoch ist der deutsche Markt der privaten Pflegezusatzversicherungen, an dem wir einen Neugeschäftsanteil von über 40 Prozent haben, noch immer sehr klein. Das Geschäft wächst jetzt aber immerhin wieder etwas stärker, nachdem es während der Corona-Pandemie stagnierte. 

Noch immer hängt die Soziale Pflegeversicherung aber am Tropf des Bundeshaushalts: Seit 2022 erhält sie einen jährlichen Steuerzuschuss von zunächst einer Milliarde Euro. Denn allein zwischen 2017 und 2023 haben sich ihre Ausgaben fast verdoppelt. Wie könnte sie Ihrer Meinung nach zukunftssicherer gestaltet werden? 

Klingspor: Um die Pflege insgesamt zukunftsfest zu gestalten, sollte man sie noch viel stärker kapitalgedeckt finanzieren. Um die Beitragssätze der umlagefinanzierten Sozialsysteme bis 2030 zu stabilisieren, wäre ein zusätzlicher Finanzbedarf von 144 Milliarden Euro notwendig. Das haben die Ökonomen Thiess Büttner von der Universität Erlangen-Nürnberg und Martin Werding von der Universität Bochum aktuell hochgerechnet. Die Pflegeversicherung sollte daher ebenso wie die Altersvorsorge auf den drei Säulen der gesetzlichen, privaten und eben auch betrieblichen Versicherungen stehen. Um Letzteres für die Unternehmen attraktiver zu machen, müsste die betriebliche Pflegezusatz-Police als Betriebsausgabe des Arbeitgebers steuerlich gefördert werden. Das sollte aber nicht wie bei der betrieblichen Krankenversicherung, kurz bKV, über den steuerfreien Sachlohn von pauschal bis zu 50 Euro im Monat abgerechnet werden. Dann stünde die Pflegeversicherung ja wieder in Konkurrenz zum Tankgutschein des Arbeitgebers. Es muss stattdessen einen eigenen Topf geben, der wie die betriebliche Altersversorgung, kurz bAV, steuerlich gefördert wird. 

Stichwort bKV: Ihr Unternehmen vermeldete, dass mehr als jeder dritte Vertrag 2022 bei Ihnen abgeschlossen wurde. Wie kommt es zu Ihrer starken Stellung in diesem noch relativ jungen Markt? 

Klingspor: Uns helfen sicherlich unsere Markenbekanntheit und der gute Marktzugang zu Firmenkunden: Einerseits ist die Allianz in Deutschland mit ihrem großen Angebot in der Sachsparte bereits nah an den Firmenkunden. Andererseits ist Allianz Leben der langjährige Marktführer im bAV-Geschäft. Dadurch sind wir bereits mit vielen Arbeitgebern hierzulande im Gespräch. Unter dem Titel betriebliche Vorsorge bündeln wir den gemeinsamen Vertrieb an Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. Ab dieser Größe kann die betriebliche Krankenversicherung für einen Arbeitgeber viel Sinn machen. Denn sie ist ein sehr emotionales Tool, um Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden. Der praktische Nutzen für den Arbeitnehmer ist sofort erlebbar – immer, wenn er eine Rechnung bei dem Krankenversicherer einreicht, die sein Arbeitgeber bezahlt. Das gilt übrigens auch für laufende Behandlungen, die vor dem Vertragsabschluss begonnen wurden.

Das klingt zunächst einmal zwar gut für den Arbeitnehmer. Aber welche Arbeitgeber zahlen ihnen gerne und freiwillig neben dem Lohn auch noch Beiträge zu einer privaten Krankenzusatzversicherung?

Klingspor: Aktuell stark nachgefragt ist die bKV derzeit überall dort, wo besonders viele qualifizierte Bewerber fehlen, insbesondere in der Pflege- und Gesundheitsbranche, im IT-Sektor sowie bei Transport- und Gastronomiebetrieben. Und auch da, wo die Tarifabschlüsse gering ausgefallen sind. Dort verspüren wir ein großes Interesse aufgrund des Fachkräftemangels. Die Arbeitgeber profitieren ganz konkret von einer gestiegenen Motivation ihrer Mitarbeiter und auch von niedrigeren Fehlzeiten: Unser bKV-Angebot beinhaltet zum Beispiel eine medizinische Hotline sowie ärztliche Video-Sprechstunden zu jeder Zeit, auch am Wochenende. Und unser Service zur Vermittlung von Terminen bei Fachärzten spart den Patienten Wartezeiten, sodass sie schneller wieder arbeiten können. Außerdem bieten wir eine Pflege-Assistance für Mitarbeiter, deren Angehörige zum Pflegefall werden. Diese unterstützt zum Beispiel bei der Suche nach einem Platz im Pflegeheim oder bei der Organisation der Pflege zu Hause.

 

Und wie könnten es Vermittler schaffen, interessierte Firmenkunden mit Ihren Produkten zu erreichen?

Klingspor: Über alle Branchen hinweg haben laut unserer Marktforschung zwar 54 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern Interesse an einer bKV – aber erst 4,5 Prozent von ihnen haben aktuell auch eine für ihre Belegschaft abgeschlossen. Damit sich unsere Vermittler dieses Wachstumsfeld mit großem Potenzial erschließen können, schulen wir sie und begleiten sie im Vertriebsalltag mit knapp 30 bKV-Experten. Und das erfolgreich: Über alle Absatzkanäle verzeichneten wir bis Ende Juni 2023 rund 70 Prozent mehr bKV-Verträge als im Vorjahreszeitraum.
Auf der Produktseite stellen wir unseren Vertriebspartnern sowohl Budgetpakete als auch einzelne bKV-Bausteine für medizinische Spezialgebiete zur Auswahl, wie die besonders beliebten Zahntarife. Am besten angenommen wird aber unser Kombiprodukt aus beiden Elementen. In der bKV wächst sowohl unser Vertrieb über die hauseigene Ausschließlichkeitsorganisation als auch über unabhängige Makler. Zum Erfolg der bKV trägt auch bei, dass sie längst nicht so komplex ist wie eine private Krankenvollversicherung. So gibt es keine Gesundheitsfragen vor der Antragsannahme und alle Versicherten zahlen den selben Beitrag unabhängig vom Alter, Vorerkrankungen, laufenden Behandlungen und so weiter.