H&A-Geschäftsführer Claus Weber

H&A-Geschäftsführer Claus Weber

Interview: Sind Wandelanleihen noch attraktiv?

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DAS INVESTMENT.com: Herr Weber, 2008 brachen die Kurse der Wandelanleihen teilweise stärker ein als die der zugrundeliegenden Aktien. Haben die Wandler ihren Super-Sorglos-Charakter verloren? Claus Weber: 2008 wollten auf einmal alle durch dieselbe Tür. Wegen der Finanzmarktkrise waren die Hauptakteure auf diesem recht kleinen Markt, die Hedge-Fonds und Eigenhandelsabteilungen der Banken, gezwungen massiv zu verkaufen. Sie überschwemmten den Markt und drückten die Kurse. Dies führte zu gravierenden Spread-Ausweitungen, wie man sie bis dahin noch nicht gesehen hatte. Inzwischen hat sich der Markt aber wieder etwas normalisiert. DAS INVESTMENT.com: Auch die Kurse sind wieder deutlich gestiegen. Sind die massiven Unterbewertungen damit aufgeholt?
Weber: Zum Großteil ja. Das einfache Geld ist verdient. Allerdings ist die Stabilisierung noch nicht abgeschlossen und es gibt nach wie vor viele attraktiv bewertete Wandler.
DAS INVESTMENT.com: Warum sollte ich derzeit einen Wandelanleihen-Fonds kaufen?
Weber: Weil Sie damit einen Puffer nach unten haben, aber auch dabei sind, wenn die Aktienkurse wieder steigen. Zudem kann man sich immer noch günstige Rendite-Niveaus einkaufen.
DAS INVESTMENT.com: Rechnen Sie in diesem Jahr mit weiter steigenden Aktienkursen?
Weber: Langfristig erwarten wir eine positive Entwicklung für den Aktienmarkt. Auf Sicht der nächsten Monate sehen wir allerdings nicht, dass die Konjunkturkrise überstanden ist und somit ist von weiteren Tiefschlägen an den Aktienmärkten auszugehen. Möglicherweise bieten sich hier gute Einstiegsmöglichkeiten.
DAS INVESTMENT.com: Gibt es nach den Verwerfungen des vergangenen Jahres denn überhaupt noch aktienorientierte Papiere auf dem Markt, mit denen ich den Aufschwung auch wirklich mitnehme?  
Weber: Das Universum ist in der Tat eher rentenorientiert. Viele Papiere sind aus dem Geld, das heißt, der Kurs der zugrundeliegenden Aktie liegt unter dem Wandelpreis. Die aktuellen Prämien liegen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.
DAS INVESTMENT.com: Woran liegt das?
Weber: Die meisten Wandelanleihen auf dem Markt wurden vor dem großen Börsencrash aufgelegt, in den Jahren 2005 bis 2007. Sie haben dadurch aus heutiger Sicht relativ hohe Wandelpreise. Und da die Aktienkurse im vergangenen Jahr massiv abgestürzt sind, ist die Wandlung in den meisten Fällen nicht attraktiv.
DAS INVESTMENT.com: Als ein Hinweis auf die Ausrichtung des jeweiligen Papiers dient die Kennzahl Delta. Sie gibt an, wie stark eine Wandelanleihe auf Kursveränderungen des Basiswerts reagiert. Wo liegt das Delta derzeit?
Weber: Es ist aktuell niedrig und liegt im Schnitt bei 30 Prozent. Das heißt, der Kurs der Wandelanleihe steigt um 3 Prozent, wenn der Basiswert um 10 Prozent zulegt.
DAS INVESTMENT.com: Was ist mit der Faustregel, die besagt, dass Wandelanleihen steigende Aktienkurse zu zwei Drittel mitnehmen?
Weber: Ausnahmen bestätigen die Regel. Derzeit gilt sie nicht generell. Steigende Aktienkurse werden aktuell zu rund einem Drittel mitgenommen. Dafür sind die Papiere aber nicht so stark betroffen, wenn die Aktienkurse fallen. Nicht zu vergessen sind die bereits angedeuteten Rendite-Spreads, die Einengungs- und somit weiteres Kurspotenzial bieten. Es ist schwer, in der aktuellen Lage eine allgemein gültige Regel zu definieren.
DAS INVESTMENT.com: Passt sich das Delta dem steigenden Optimismus an den Märkten an?
Weber: Der Markt für Neuemissionen kommt erst langsam wieder in Schwung. Das bedeutet je nach Marktentwicklung, dass sich auch das Delta langsamer oder schneller anpasst.

Die wunderbare Welt der Wandelanleihen: Wandelanleihen (englisch Convertibles) verbinden den Kapitalschutz von Anleihen mit den Kurschancen von Aktien. Sie sind festverzinsliche Wertpapiere, die am Ende der Laufzeit zum Nennwert zurückgezahlt werden. Zusätzlich können sie während einer festgelegten Wandlungsfrist zu einem vereinbarten Verhältnis in Aktien getauscht werden. Ihr Kurs setzt sich zusammen aus dem Preis für die Anleihe und dem Preis für das Wandelrecht in Aktien. Abhängig von den Kursen der Anleihe, der zugrundeliegenden Aktie und des vereinbarten Verhältnis, zu dem die Anleihe in Aktien getauscht werden kann, entwickeln sich die Papiere wie Unternehmensanleihen oder ihre Kursbewegungen gleichen denen der Aktie. Verluste sind darum nicht ausgeschlossen und der Aufschwung wird nicht voll mitgenommen. Als Faustregel gilt: Steigende Aktienkurse werden zu zwei Drittel mitgenommen, Verluste zu einem Drittel.

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