Hannah Ritzmann

Luba Schönig und Tonia Zimmermann im Interview Von der Credit Suisse zum eigenen Fintech: „Oft mussten wir uns anhören – die zwei sind Träumer!“

Luba Schönig (links) und Tonia Zimmermann von Umushroom gehen ihren Weg
Luba Schönig (links) und Tonia Zimmermann von Umushroom gehen ihren Weg: Welche Herausforderungen die Gründerinnen meistern mussten, erfährst du im Interview.
© UMushroom / Hannah Ritzmann mit Canva
ARTIKEL-INHALT
Seite 1 - Aus der Bank zur Selbstständigkeit – der Sprung ins kalte Wasser
Seite 2 - Umushroom: Wie die Plattform Anlegern und Asset Managern helfen soll Seite 3 - Die drei wichtigsten Investmenttipps für Einsteiger

DAS INVESTMENT Academy: Frau Zimmermann, Frau Schöning, sie haben vor drei Jahren die Plattform für finanzielle Bildung Umushroom gegründet. Davor waren Sie seit vielen Jahren in der Finanzbranche tätig. Was hat Sie dazu inspiriert, Ihre Karriere im Bankwesen aufzugeben und sich selbständig zu machen?

Tonia Zimmermann: Wir haben alle Seiten einer Bank kennengelernt. Und vor allem in der Beratung ist uns aufgefallen, dass das ein oder andere kundenorientierter ablaufen könnte. Das war der Punkt, an dem wir uns gefragt haben: Wie müsste ein Tool aussehen, damit Menschen sich selbst helfen können?

Und dann?

Zimmermann: Zuerst haben wir versucht, unsere Idee neben dem Job aufzubauen. Dann haben wir gemerkt, dass es kaum möglich ist, neben einer 150-Prozent-Stelle noch ein Startup zu gründen. Das war ein Grund, weshalb wir uns dazu entschlossen haben, uns komplett Umushroom zu widmen.

Gab es einen konkreten Aha-Moment, der dazu geführt hat?

Luba Schönig: Ja, den gab es: Wir haben regelmäßig in unserem Freundeskreis herumgefragt: „Investiert ihr?“ – und waren verwundert, wie wenig Leute ihr Geld anlegen. Und bei denen, die es tun, war es erstaunlich, wie selbstverständlich sie die Verantwortung über ihr Vermögen in fremde Hände legen, ohne zu verstehen, was damit passiert. Die meisten denken es wäre zu kompliziert oder zu zeitaufwändig sich mit dem Vermögensaufbau zu beschäftigen.

Der Satz, der uns schlussendlich stutzig machte, war: „Ich bin ausgeliefert, es gibt ja nur die Banken und sonst nichts – was soll ich also machen?“

Daraus hat sich unsere Vision entwickelt: Menschen dabei zu helfen, ein Vermögen aufzubauen. Ende 2019 haben wir dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt und Umushroom gegründet.

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Und nach dem Sprung – was waren die größten Herausforderungen?

Schönig: Die erste Herausforderung war es, sich von der Festanstellung zu lösen. Wir hatten viele Gespräche mit Freunden, die uns fragten: „Echt jetzt? Diese Sicherheit wollt ihr aufgeben?“

Aber wenn man ehrlich ist, handelt es sich nur um eine Pseudo-Sicherheit. Denn auch Banken unterliegen vielen Veränderungen und vor allem bei der Credit Suisse hat man gesehen, wie schnell Arbeitsplätze auf der Kippe stehen können. Man sollte sich also bewusst sein, dass ein Arbeitgeber nicht immer Sicherheit bedeutet.

Die zweite Herausforderung war es dann, Investoren zu finden: In der Schweiz sind besonders B2B-Businessmodelle beliebt, deshalb haben wir lange damit geliebäugelt, uns ausschließlich auf den B2B-Bereich zu stützen. Aber dann dachten wir: Nein, wir sollten unserer Vision treu bleiben – und das Thema Finanzen jedem näherbringen. Häufig mussten wir uns dann anhören: „Die zwei sind Träumer!“

Was uns zu der dritten Herausforderung geführt hat: Sich treu zu bleiben und die Disziplin zu finden, jeden Tag aufzustehen und dafür zu kämpfen. Wir waren glücklicherweise sehr dickköpfig und haben schlussendlich einen passenden Investor gefunden.

 

Gab es denn auch etwas, was einfacher lief als Sie dachten?

Zimmermann: Was einfach war – was mich wirklich überrascht hat – das Team zusammenzusetzen. Wir sind derzeit 16 Leute, die Hälfte davon sitzt in Bulgarien und die andere Hälfte ist in Zürich.

Und was waren Ihre größten Ängste?

Schönig: Was lange ungewiss war: Ob wir eine Finanzierung bekommen. Und auch wenn es dem Klischee entspricht: Als Frau hat man es schwieriger, Investoren an Land zu ziehen – und das haben wir zu spüren bekommen. Die ersten zwei Jahre haben wir uns selbst finanziert, als wir dann einen Investor gefunden hatten, ist uns ein Stein vom Herzen gefallen.

Und was uns bis heute noch ein wenig Kopfzerbrechen bereitet: Wie kommen wir an Nutzer ran? Heutzutage kämpft man mit so vielen Anbietern um ein bisschen Aufmerksamkeit.

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