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Matthias Schellenberg ist seit dem 1. November 2013 Mitglied des Vorstands von UBS Deutschland und vertritt dort den Unternehmensbereich Global Asset Management.

Matthias Schellenberg ist seit dem 1. November 2013 Mitglied des Vorstands von UBS Deutschland und vertritt dort den Unternehmensbereich Global Asset Management.

Interview

„Wir müssen als Lösungsmanager bereitstehen“

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DAS INVESTMENT: Besonders an den Aktienmärkten gab es einen exzellenten Jahresauftakt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Matthias Schellenberg: Sehr erfreulich. Unser Auftakt war ebenfalls stark. Wir konnten über eine Milliarde Euro an Zuflüssen verbuchen, und das über alle Vertriebswege hinweg. Das freut mich besonders. Unsere Distributionspartner, der Whole-Sale-Bereich, aber auch das institutionelle Geschäft und der ETF-Bereich sind maßgeblich und gleichmäßig an diesem Erfolg beteiligt.

Gleichwohl ist das Marktumfeld fast zu gut, um wahr zu sein: niedrige Zinsen und der Liquiditätsschub der Zentralbanken.

Das ist richtig. Aber das Umfeld, gerade das niedrige Zinsniveau baut auch einen gehörigen Druck auf die Asset Manager auf. Sie müssen viel stärker als noch vor Jahren durch aktives Fondsmanagement punkten und einen positiven Ergebnisbeitrag liefern. Gegenüber der Benchmark und gegenüber den passiven Produkten. Dabei müssen die Renditen jetzt einzig und allein aus dem Risiko erwirtschaftet werden. Einen risiko-losen Zins von zum Beispiel 3 Prozent, wie es ihn noch vor ein paar Jahren gab, gibt es heute nicht mehr. Trotzdem verlangen unsere Kunden zu Recht einen deutlichen Mehrwert. Dem müssen wir als globaler Asset Manager gerecht werden.

Sie sind aber ein Komplettanbieter.

Natürlich. Aber es wäre vermessen zu glauben, dass man jede Disziplin zu jeder Zeit besonders gut beherrscht. Wie andere Häuser auch, konzentrieren wir uns verstärkt auf Kernthemen. Neben unseren Aktivitäten im passiven Bereich und regelbasierten Investments, auch Smart Beta genannt, denke ich bei unseren aktiven Managern zum Beispiel an European Unconstrained, unsere European Small Caps oder unsere US-Strategien; im Anleihebereich beispielsweise an Wandelanleihen.

Also eher Manufaktur als ein Bauchladen?

Sie werden immer stärker gefordert, sich als Asset Manager ein bestimmtes Gesicht zu geben und sich im Markt zu positionieren. Auch oder gerade als großer Asset Manager mit 600 Milliarden Euro müssen wir in verschiedenen Produktkategorien und Leistungsspektren überzeugen können. Das gilt natürlich für den aktiven und passiven Bereich.

Welche Herausforderungen gibt es Ihrer Ansicht nach aktuell auf der institutionellen Seite?

Das Niedrigzinsumfeld ist in diesem Segment ein sehr kritischer Faktor, weil es um die Leistungsfähigkeit unserer Kunden, der Versicherungen, Versorgungswerke und Pensionskassen geht. Standardisierte Fixed-Income-Produkte können da kaum noch die notwendigen Erträge liefern. Das ist jetzt nicht wirklich neu, stellt jedoch diese Kunden vor sehr große Probleme. Wir müssen als Lösungsmanager bereitstehen und den Radius der Kunden erweitern.

Exotischere Menüs statt deutscher Hausmannskost?

Richtig, und wir mussten für die Akzeptanz von Themen oder – wenn Sie so wollen – den Appetit auf Themen sorgen. Solche, die früher eher als exotisch oder als Nischenprodukte galten, haben sich dabei zu einer festen Größe in der Asset Allocation institutioneller Kunden entwickelt. Dazu zählen Schwellenländer-Renten, High Yields oder Corporate Bonds. In dem Bereich ist die Allokation stetig über die vergangenen Jahre gestiegen und wird ausgebaut werden müssen. Zugleich steigt die Nachfrage nach alternativen Assetklassen, vorzugsweise mit einem stetigen Zahlungsstrom und VAG- beziehungsweise Solvency-II-optimiert. Wir müssen Bausteine liefern, die den Kunden und ihren industriespezifischen Herausforderungen gerecht werden.

Wie Infrastructure Debt?

Richtig. Ein großes Thema, das aber bisher größtenteils über die Aktienseite oder als Equity Investment angegangen wurde. Wir haben uns dieses Themas auf der Debt-Seite angenommen. Hier sind wir jetzt mit einer fertigen investierbaren Lösung auf dem Markt unterwegs. Wir liefern Zugang zu einem Luxemburger Sif-Konstrukt mit völliger Transparenz auf einzelne Finanzierungs-Exposures. Das macht ein Team in London, mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Infrastruktur-Finanzierung. Das kauft im Infrastrukturbereich Finanzierungslösungen in ein Portfolio ein. Ein erster Deal ist etwa die Finanzierung eines Fährbetriebs zwischen Dänemark und Schweden. Diesen Betrieb gibt es seit mehr als 100 Jahren, und wir haben in einer Art Club Deal diese Finanzierung zur Verfügung gestellt. Hoch spannend, und es bietet eine Verzinsung von mittlerer Swap-Rate plus 400 Basispunkten und AAA-Rating.

Hier erweitern Sie den Radius der Senior Loans, die seit einigen Jahren schon stärker nachgefragt werden?


Dieser Baustein hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil bei vielen institutionellen Investoren entwickelt. Das sehe ich für das Thema Infrastructure Debt auch. Gerade angesichts des Zinsumfeldes sind solche Themen und der Zugang über ein gepooltes Vehikel auch für kleinere Versorgungs-werke und Pensionskassen interessant.

Nun sind Senior Loans oder Beteiligungen an einem Fährbetrieb recht speziell. Wie können Sie die Hausmannskost – die deutsche Staatanleihe – denn nun dezent verfeinern?

Indem wir passive und aktive Strategien zusammenführen. Passive Bausteine aus der iBoxx-Familie kombiniert mit Optionsstrategien auf unterschiedliche Parameter können ein interessantes Chance-Risiko-Profil ergeben, das auch unter Solvency-II-Gesichtspunkten optimiert werden kann.

Werden diese alternativen Strategien zeitversetzt auch beim Privatanleger, dem klassischen Retail-Kunden, ankommen?

Es sind weniger die hoch spezialisierten Einzellösungen, sondern mehr sogenannte Outcome-Lösungsansätze, also am Ergebnis orientierte Strategien wie vermögensverwaltende oder Multi-Strategie-Fonds, die für den Privatanleger interessant sind. Privatanleger haben statistisch gesehen einen hohen Kapitalstock auf Sparguthaben. Im Rahmen des bestehenden Zinsniveaus betreibt der Sparer hier über die Zeit eine Geldvernichtung. Fondslösungen sind da sehr wichtig – oder wie die Politik mitunter sagt – alternativlos.

Und die Liquid Alternatives werden künftig vom Sparbuchkunden nachgefragt?

Ich denke, dass der Privatkunde häufig mit diesen Begriffen nicht unbedingt etwas anfangen kann, aber an der hohen Akzeptanz etwa gegenüber Multi-Asset- oder Multi-Strategie-Fonds sehen Sie, dass die Richtung stimmt. Wenn die Strategien einiger Hedgefonds im Ucits-Mantel erst mal drei bis fünf Jahre erfolgreich gelaufen sind und zeigen können, dass sie ein gegenüber traditionellen Ansätzen besseres Chance-Risiko-Profil haben, wird die Nachfrage weiter steigen. Wie wichtig ist dabei ein niedrigeres wahrgenommenes Risiko?

Sehr wichtig, vor allem wenn sich eine Strategie in schwachen Marktphasen bewährt. In diesem Bereich werden die guten Liquid Alternatives Überzeugungsarbeit leisten können.

Interessiert es Anleger, wie Ergebnisse auf der technischen Seite zustande kommen, solange eine belastbare Historie ein valides Risiko-Rendite-Profil zeigt?

Ja und nein. Im Sinn von Klarheit müssen wir vermitteln, was wir in solch einem Fonds tun. Dem Kunden ist aber nicht damit gedient, technische Beschreibungen auf die Spitze zu treiben. Kunden haben Risikovorstellungen und Ertragserwartungen und wollen eine Lösung. Als vermögensverwaltende Bank fühlen wir uns für diese Rolle prädestiniert.

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