Thomas Straubhaar

Thomas Straubhaar

Interview: Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar über die Folgen der Krise für Finanzberater

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DAS INVESTMENT: Leidtragende des Desasters auf den Finanzmärkten sind auch die Finanzberater, deren Ruf Schaden genommen hat. Welche Perspektive sehen Sie für die Berufsgruppe? Thomas Straubhaar: Das Vertrauen in Finanzberater ist sicherlich erschüttert – im Einzelfall aber meist wohl zu Unrecht. Der Kapitalismus basiert auf der Trilogie individueller Risiken, Verantwortung und Haftung. Auf- und Abschwünge gehören in einer Marktwirtschaft dazu: Ich kann nicht erwarten, dass ein Berater eine solche Krise wie die jetzige verhindern kann. Darauf ist in Kundengesprächen auch immer wieder hinzuweisen, genauso wie darauf, dass es keine Rendite ohne Risiken gibt. Und auch der beste Berater ist nur so gut, wie er in der Lage ist, Informationen zu verarbeiten. Es müssen vielmehr die zur Rechenschaft gezogen werden, die Informationen zurückgehalten haben und Risiken eingegangen sind, die sie nicht mehr selbst managen konnten. Das heißt: Vorstände und Aufsichtsräte, die Fehler gemacht haben, müssen mit ihrem privaten  Vermögen geradestehen. DAS INVESTMENT: Welche Finanzprodukte werden in Zukunft nachgefragt? Straubhaar: Die Anleger werden Produkte bevorzugen, die verständlich, transparent, nachvollziehbar und wohl auch risikoärmer sind. Risikoreiche Derivate etwa dürften lange keinen großen Zulauf mehr haben. Themen der Old Economy wie Infrastruktur oder Sachwerte werden stark profitieren. Börsenwerte bereinigen sich, aber ein Haus oder ein Schiff sind auch nach einer Finanzkrise noch da. DAS INVESTMENT: Viele Bürger sind angesichts der Finanzmarktturbulenzen verunsichert, die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge sinkt. Reichen Riester- und Rürup-Förderung als öffentliche Anreize? Straubhaar: Der Staat hat seine Pflicht getan. Er kann nur eine gesetzliche Rente garantieren, die das Nötigste abdeckt. Mit Riester- und Rürup-Produkten hilft er zusätzlich. Das ist nicht wenig, wird indes nicht reichen, im Alter den Lebensstandard des Berufslebens zu halten. Hierbei ist eine umsichtige Planung gefragt, die Sicherheits- und Renditechancen individuell  berücksichtigt. Der Sparstrumpf unter der Matratze ist aber bestimmt keine Alternative zur Kapitalanlage. Über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass eine vernünftige Aktien-Anlagestrategie mit Old-Economy-Werten nach historischer rfahrung eine bessere Rendite als das noch weit verbreitete Sparbuch bietet. Wir reden dabei nicht über 25 Prozent Wertzuwachs pro Jahr, aber eben über eine Rendite von 5 oder 6 statt 3 Prozent. DAS INVESTMENT: Doch wird gerade die Aktienanlage von der Abgeltungssteuer ab Januar 2009 viel schlechter gestellt. Straubhaar: Da müssen wir differenzieren. Die Aktie war zuvor privilegiert: Sie zieht ab 2009 bei der Besteuerung mit anderen Kapitalanlageformen gleich. Für das Massengeschäft ist es sicher förderlich, dass die Abgeltungssteuer vieles vereinheitlicht hat. Klar ist aber auch: Man hat mit ihr politisch einen Schritt in die richtige Richtung getan, ist aber auf halbem Weg stehen geblieben. Einige Anlageformen kommen doch wieder besser davon als andere. Wer einen Aktienfonds über 30 Jahre für seine Altersvorsorge bespart, sollte steuerlich nicht gegenüber etwa einem Fondspolicen-Anleger benachteiligt werden. Das ist praxisfern, zumal die Grenzen zwischen den Produkten ohnehin verschwimmen. DAS INVESTMENT: Welche Chancen sehen Sie für nachhaltige Investments? Straubhaar: Der Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, dass grüne Technologien zu grünen Investments mit durchaus attraktiven Renditen führen. So weisen gerade viele grüne Fonds eine bessere Performance als die regulären Varianten auf. Und auch wenn der Ölpreis jetzt wieder fällt, werden die Themen erneuerbare Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sehr stark an Bedeutung gewinnen und in den nächsten 20 bis 50 Jahren nicht als Rand-, sondern als Hauptthema behandelt werden. DAS INVESTMENT: Ist hier auch der Staat noch mehr in die Pflicht zu nehmen? Straubhaar: Auf keinen Fall. Die Zeiten staatlicher Unterstützung grüner Technologien laufen definitiv aus. Und es gibt auch keinen Grund, diese Förderungen zu erneuern. Denn das Rennen um die Suche nach energieeffizienten Lösungen muss in Zukunft offen sein. Man hat hierzulande zum Beispiel einseitig Windenergie- Anlagen und Fotovoltaik gefördert und damit die Energiegewinnung aus Sonnenthermie vernachlässigt. Es gibt darüber hinaus neue intelligente Erdwärme-Konzepte, präventive Maßnahmen des Energiesparens, energieeffiziente Antriebe und vieles mehr. Zur Entwicklung guter Ideen brauchen wir den Staat nicht. Denn eins ist klar: Die Gefahr, dass man mit politischer Förderung falsche Anreize setzt, ist weitaus größer als die Möglichkeit, dass man eine Entwicklung unterstützen würde, die sonst nicht zustande käme. | 

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