Interview zu Chancen in Schwellenmärkten „Ineffizienter Markt mit exzellenten Schnäppchen“

Warteschlange vor einem Mobilfunkgeschäft in Hanoi: Bereits 33 Millionen Vietnamesen sind Smartphone-User, bis 2022 sollen es 43 Millionen User sein | © Getty Images

Warteschlange vor einem Mobilfunkgeschäft in Hanoi: Bereits 33 Millionen Vietnamesen sind Smartphone-User, bis 2022 sollen es 43 Millionen User sein Foto: Getty Images

Claus Born, Senior Vice President und Institutional Portfolio Manager in der Templeton Emerging Markets Group

Herr Born, warum sollten sich Anleger für die Anlageklasse Small Caps aus den Schwellenmärkten interessieren?

Born: Es gibt mehrere Gründe dafür, warum Small Caps interessant sind. Zum einen haben kleine börsennotierte Unternehmen in den Emerging Markets hohe Wachstumsraten. Zum anderen können Anleger mit Small Caps sehr gut in Konsumwerte in den Schwellenländern investieren. Und aufgrund der Korrekturen an den Aktienmärkten, die wir jüngst erlebt haben, sind jetzt günstige Einstiegsmöglichkeiten in den Schwellenmärkten gegeben.

Welche Renditen sind möglich?

Born: Im vergangenen Jahr ist der „MSCI Emerging Markets Small Cap Index“ um 34 Prozent gestiegen. Blicken wir noch weiter zurück: 2015 war ein schwaches Jahr in den Emerging Markets. Damals ist der genannte Index um 6,6 Prozent gefallen. Zum Vergleich: Der „MSCI Emerging Markets Large Cap Index“ setzte damals um 14,6 Prozent zurück. Die Kursausschläge fallen bei Investments in Small Caps also nicht so sehr ins Gewicht.

Tatsächlich fürchten Anleger sich oft vor einer vermeintlichen Volatilität von Small Caps. Sind die Sorgen begründet?

Born: Die Statistik zeigt: Die Volatilität des Small-Cap-Index ist sogar noch ein bisschen geringer als die Volatilität des Large-Cap-Index. Einzelwerte haben natürlich häufig eine höhere Volatilität als im Large-Cap-Index, aber das hängt wie immer vom jeweiligen Einzelfall ab.

Woran liegt es, dass die Volatilität bei Small Caps durchschnittlich niedriger ist?

Born: Der Small-Cap-Index ist relativ groß und hat sehr viele Titel im Portfolio, die sich weitgehend unkorreliert zu externen Risiken entwickeln.

Es ergeben sich folglich viele Chancen für Anleger. Aber es hakt offenbar am Research, sodass die wenigsten Anleger am Small-Cap-Aufschwung teilhaben können. Warum ist das so?

Born: Viele Research-Häuser versuchen natürlich erst einmal die liquiden Titel abzudecken – weil die Börsenumsätze höher sind, lässt sich damit mehr Geld verdienen. Kleinere Titel werden damit eher vernachlässigt. Für das Research der Templeton Emerging Markets Group ist das toll, weil wir gezielt nach Opportunitäten Ausschau halten können. Durch das lediglich punktuelle Research anderer Marktteilnehmer bewegen wir uns in einem ineffizienten Markt, in dem sich exzellente Schnäppchen finden lassen.

Warum dürfte sich in Zukunft das entsprechende Research noch mehr lohnen?

Born: Grundsätzlich sollte man Schwellenländer nicht außer Acht lassen – und vor allem nicht die Small Caps. Sie wachsen oft zu den großen Unternehmen der Zukunft heran.

Beim Konsum haben die Emerging Markets ein außerordentlich großes Aufholpotenzial. Die Regierungen vieler Schwellenländer leiten Reformen ein, die Wachstum ermöglichen und beschleunigen. Außerdem sollte man auf jeden Fall im Blick behalten, dass das Internet einen sehr starken Entwicklungsschub in vielen Schwellenländern bewirkt. Preiswerte Smartphones sind mittlerweile für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich; im E-Commerce wird dadurch sehr viel Potenzial freigesetzt. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft stark ausweiten. Anleger sollten keinesfalls unterschätzen, welche weitreichenden Auswirkungen der Zugang zum Internet für breite Bevölkerungsschichten hat.

Vom Konsum einmal abgesehen: Welche weiteren Sektoren erscheinen Ihnen interessant?

Born: Der Gesundheitssektor bietet Chancen. Wir haben schon seit Jahren ein Unternehmen mit sehr hohen Wachstumsraten im Portfolio, Medytox, Hersteller von Botox, eines von sieben Unternehmen weltweit, die den Wirkstoff herstellen. Wenn man hier früh genug einsteigt, kann man sehr gute Renditen vereinnahmen.

Freude macht uns auch der frühzeitige Einstieg bei Biocon in Indien: Das sehr innovative Unternehmen stellt Biopharmaka her und betreibt Krebsforschung im Auftrag anderer Unternehmen. Gegründet hat das Unternehmen Kiran Mazumdar-Shaw, mittlerweile die reichste Frau Indiens.

Auch der Software-Bereich ist hochinteressant. So haben wir ein in Hongkong gelistetes chinesisches Unternehmen im Portfolio, TravelSky, ein Buchungssystem für Flugreisen in China. Wir meinen: Ein gutes Investment, um am rasant zunehmenden Tourismus zu partizipieren.