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Invesco-Manager Richard Batty

Invesco-Manager Richard Batty

Invesco-Manager Richard Batty über Aktien-Irrtümer und neue Ideen

„Wir lagen mit Schwellenländeraktien falsch“

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DER FONDS: Ein Wort zu Ihrer Gefühlslage. Sind Sie eher stolz auf den guten Start Ihres Fonds oder enttäuscht über den aktuellen Jahresverlauf?

Richard Batty: Beides. Wenn man die bisherigen zwei Jahre nimmt, haben wir unser langfristiges Ziel einer aktienähnlichen fortlaufenden Rendite von Euribor plus 5 Prozent pro Jahr erreicht und die Volatilität auf deutlich weniger als die Hälfte der Aktienmarktvolatilität – unsere Obergrenze – begrenzt. Andererseits haben wir einige der zu Beginn des Jahres erzielten Gewinne im Verlauf des ersten Halbjahrs 2015 wieder abgegeben.

Hat Sie irgendwas unvorbereitet erwischt?

Nein, das nicht. Viele unserer Anlageideen haben sich Anfang 2015 sehr gut entwickelt, da sie die Aktien-, Anleihen- und Dollar-Rally mitgenommen haben, die bis dahin lief. Zu dieser Zeit preiste der europäische Markt, in dem wir mit einigen Ideen engagiert sind, das geldpolitische Lockerungsprogramm der Europäischen Zentralbank ein. Alle rechneten damit, dass es die europäische Wirtschaft stimuliert. Die Zentralbank hat dann auch geliefert. Trotzdem gab der Markt einen Teil dieser Gewinne wieder ab, als die Anleger begannen, die Reflation einzupreisen. Die Anleiherenditen begannen zu steigen, nachdem sie zuvor zum Teil im negativen Bereich gelegen hatten.

Da hätte man aber angesichts solcher Übertreibungen schon vorher reagieren können.

Das haben wir zum Teil. Es war klar, dass die Zinsen zu tief gesunken waren. Wir hatten die Duration im Portfolio von rund 2,5 Jahre auf effektiv null Jahre verkürzt, da viele Zins-Ideen auf Sicht von zwei bis drei Jahren nicht mehr gerechtfertigt waren.

Was haben Sie stattdessen getan?

Das Dilemma, vor dem viele Anleger in diesem Jahr stehen, lautet: Wie soll man im Portfolio für Diversifikation sorgen, wenn man keine Zinsen mag? Weil wir eine uneingeschränkte Research-Agenda haben, können wir in viele Anlageklassen und Regionen investieren, um unsere auf zwei bis drei Jahre ausgelegten Makro-Ideen abzubilden. Für die ausgewogene Aufstellung unseres Portfolios haben unter anderem unsere Volatilitäts-Ideen gesorgt. Wir sind seit einigen Jahren der Meinung, dass die Volatilität – und damit das Risiko – in verschiedenen Märkten zu niedrig bepreist ist. Mehrere unserer Ideen bringen diese Einschätzung in unserem Portfolio zum Ausdruck.

Das dürfte geholfen haben.

Absolut. Während des Sommers ist die Volatilität an den Aktien- und Devisenmärkten deutlich gestiegen, da Risikoanlagen insgesamt Kursverluste verbucht haben. Das war besonders positiv für das Portfolio, da sich mehrere Ideen sehr gut entwickelt haben und der Anteilspreis in einem sehr schwierigen Marktumfeld gestiegen ist. Wir sind der Meinung, dass man auch in gängigen Indizes vertretene Aktien vor einem plötzlichen Absturz schützen sollte. Aus gutem Grund: In dieser Zyklusphase erscheinen einige Aktienmärkte wie die USA zunehmend teuer, und wenn die Federal Reserve die Zinsen anhebt, könnte das für die Märkte schwer zu verdauen sein.

Wenn Sie alle Aktienpositionen geschützt haben, brauchen Sie sie ja gar nicht zu verringern.

Wir haben unsere Aktienpositionen überall dort zurückgeführt, wo wir meinen, dass sich die Ideen über unseren zwei- bis dreijährigen Anlagehorizont nicht auszahlen. So lagen wir zum Beispiel falsch, als wir dachten, dass Schwellenländeraktien sich besser entwickeln würden als US-Titel. Als sich dort der gesamte Ausblick geändert hat, haben wir entsprechend gehandelt. Wir kommen in den Schwellenländern wohl in eine Periode mit langsamerem Wachstum, wo die Ertragsaussichten der Unternehmen einen Teil unseres Aktienengagements selbst auf dem aktuellen Bewertungsniveau nicht mehr rechtfertigen.

Wo sieht es denn noch am besten aus?

Bei europäischen Aktien werden Gewinnerwartungen aktuell nach oben korrigiert. Wir sehen einigen hilfreichen Rückenwind, zum Beispiel vom niedrigen Euro und dem tiefen Ölpreis, der die Margen der Unternehmen stützt. All das macht Europa wettbewerbsfähiger. Und die Bewertungen sehen auf dem aktuellen Niveau relativ unterstützend aus.

Meinen Sie mit Bewertungen irgendein hochkompliziertes Zeug oder eher so einfache Dinge wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis?

Unsere Analysen zu den potenziell im Portfolio abzubildenden Ideen betrachten eine Reihe von Bewertungskennzahlen. Wir sehen uns also in der Tat so einfache Dinge wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder das Kurs-Umsatz-Verhältnis an. Aber wir schauen uns auch andere, komplexere eigene Kennzahlen an.

Welche Positionen sind Sie neu eingegangen?

Eine vor kurzem neu aufgenommene Idee betrifft Indien. Wir kaufen die indische Rupie und verkaufen den chinesischen Renminbi. Indien ist die Volkswirtschaft mit den besten Aussichten von allen Schwellenländern. Und da der Renminbi weiter gegenüber dem Dollar abwerten dürfte, warum nicht auch gegenüber der Rupie? Ich war kürzlich auf einer Research-Reise in Indien und habe mir die Situation angesehen. Das hat meine Meinung zu dieser Idee noch bestärkt.

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