Simon Jeong, Manager des Invesco Korean Equity Fund

Simon Jeong, Manager des Invesco Korean Equity Fund

Invesco-Manager Simon Jeong über die Aktienbörse in Seoul „Koreas Wirtschaft ist noch anfällig, aber auf Erholungskurs“

DER FONDS: Der Invesco Korean Equity Fund liegt in diesem Jahr mehr als 25 Prozentpunkte vor dem südkoreanischen Aktienindex Kospi. Anleger konnten sich auf Euro-Basis im ersten Halbjahr über mehr als 40 Prozent Kurszuwachs freuen. Wie haben Sie das geschafft?

Simon Jeong: Sowohl die Titelauswahl als auch die Sektorallokation haben zur Outperformance beigetragen. Die stärksten Einzeltitel kamen aus dem Basiskonsumgüterbereich und dem zyklischen Konsum. In der Sektorallokation hat uns vor allem unsere Übergewichtung in den Konsumsektoren und dem Gesundheitssektor geholfen.

Und welche Sektoren bevorzugen Sie zurzeit?

Wir haben immer noch diese drei Sektoren übergewichtet. Finanzen, Industrie und IT hingegen haben wir untergewichtet. Wir konzentrieren uns auf Unternehmen mit einer starken Verhandlungsmacht, einer dominanten Marktposition, soliden Bilanzen, gut vorhersehbaren und stabilen Gewinnen und einem steten freien Cashflow.

Die südkoreanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal nur noch mit 2,2 Prozent gewachsen, das ist das schlechteste Quartalswachstum seit über zwei Jahren. Belastet die relativ starke Währung die südkoreanische Wirtschaft?


Der starke koreanische Won könnte begrenzte Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. In der Regel haben andere schwache Währungen wie etwa der japanische Yen nur dort Einfluss auf die Wirtschaft, wo ein direkter Wettbewerb besteht. Darüber hinaus werden viele koreanische Produkte im Ausland produziert. Zum Beispiel werden koreanische Autos, die in den USA verkauft werden, auch dort gebaut. Die Währung spielt daher nur eine geringe Rolle.

Und welchen Einfluss hat die schwächelnde chinesische Wirtschaft auf Südkorea?

Die schwächere chinesische Wirtschaft wirkt sich vor allem auf die koreanischen Exporte aus, da China der wichtigste Handelspartner des Landes ist. In den Jahren 2003 bis 2014 trugen die Exporte nach China durchschnittlich 1,3 Prozentpunkte zum koreanischen Wirtschaftswachstum bei. Das langsamere Wachstum der Anlageinvestitionen in China lässt die Nachfrage nach Stahl und Chemieprodukten sinken. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die klassische Brutto-Berechnung. Misst man die Exporte auf Wertschöpfungsbasis, dann ist Korea weniger von der sich verlangsamenden inländischen Wirtschaft in China abhängig. Denn China nutzt den Stahl, die Chemikalien und Grundstoffe, die es aus Korea importiert, als Rohmaterial für die Herstellung anderer Produkte.

Im Mai ist die Viruserkrankung Mers in Südkorea ausgebrochen und hat schnell Todesopfer gefordert. Eine Gefahr für die Wirtschaft, auch wenn die Regierung die Epidemie mittlerweile für beendet erklärt hat?

Der Tourismus aus dem Ausland ist eingebrochen. Im Juni lag die Wachstumsrate chinesischer Touristen bei minus 23 Prozent, davor lag sie bei plus 30 Prozent. Viele Investoren sind besorgt, dass der Absatz betroffen ist, zum Beispiel der von kosmetischen Produkten in Duty-Free-Shops. Allerdings wäre ein solcher Effekt nur kurzfristig. Koreanische Produkte sind für ihre Qualität und ihre herausragenden Marken bekannt. Kunden können die Produkte auch immer über andere Kanäle erwerben, etwa in Online-Shops oder in Outlet-Läden in ihren Heimatländern.

Was trauen Sie dem koreanischen Aktienmarkt in der zweiten Jahreshälfte zu?

Wir machen keine Marktprognosen. Die jüngsten Schwankungen auf ausländischen Aktienmärkten könnten sich jedoch kurzfristig auch auf den koreanischen Markt auswirken. Deshalb bleiben wir vorsichtig, auch wenn sich bei den lange Zeit schwachen Gewinnerwartungen der großen Konzerne derzeit eine Bodenbildung abzeichnet. Andererseits: Die koreanische Wirtschaft ist zwar immer noch sehr verletzlich, dürfte aber auf dem Erholungskurs sein.

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