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Chinesische Aktien Investieren in China nur mit einem aktiven Ansatz

Börse Shanghai
Börse Shanghai: Die Öffnung des chinesischen Festland-Aktienmarktes für ausländische Investoren bietet enormes Potenzial. | Foto: IMAGO / VCG
Kiran Nandra, Pictet AM

Anleger werden ständig an die Einzigartigkeit Chinas erinnert. Meistens handelt es sich um positive Überraschungen – wie die außergewöhnliche Erholung der Wirtschaft von der Pandemie. Doch in letzter Zeit haben diverse Schocks deutlich gemacht, dass chinesische Anlagen nicht für einen passiven Buy-and-Forget-Ansatz geeignet sind.

In den vergangenen Monaten hat Peking die Märkte in vielerlei Hinsicht überrascht. Das Land hat gegen den Technologiesektor und im Ausland notierte chinesische Unternehmen durchgegriffen. Erst als die Regierung die Gewinne auf dem privaten Nachhilfemarkt des Landes – dessen Wert auf rund 100 Milliarden US-Dollar geschätzt wird – verbot, bekamen die Investoren die Bedeutung von Pekings Eingriffen wirklich zu spüren. Dann stellte das Land auch noch einen Fünfjahresplan für einen strengen neuen regulatorischen Ansatz vor, der vor allem Technologieunternehmen betrifft.

Dies macht einmal mehr deutlich, mit welchen speziellen Risiken Investments in chinesische Aktien verbunden sind. Selbst der relativ sichere Binnenmarkt für chinesische A-Aktien wurde durch die jüngsten Turbulenzen erschüttert. Das ist für Anleger in Schwellenländeraktien – auch für diejenigen, die keine Direktinvestitionen in chinesischen Aktien halten – nicht unerheblich. Und vor allen Dingen gilt das für Investoren, die in gängigen Indexfonds engagiert sind, weil China in den großen Benchmarks des Marktes stark vertreten ist. 

Erschütterungen im System

Die ersten Anzeichen von Problemen gab es Ende 2020, als die chinesische Regierung den Rekordbörsengang von Ant Financial in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar und die doppelte Notierung an den Börsen in Shanghai und Hongkong nur wenige Tage vor Abschluss der Transaktion platzen ließ. Technologieunternehmen gerieten weiter unter Druck, weil die chinesischen Regulierer deren Monopolmacht einschränken wollten – anscheinend Teil der Bemühungen der Regierung, Gleichheit über Effizienz zu stellen.

Grafik 1 – Der Preis der Unsicherheit

Mit chinesischen Aktien, die im Ausland notiert sind, gehen besondere Herausforderungen einher. Nicht zuletzt, weil viele Branchen für ausländische Investoren offiziell nicht zugänglich sind und die Holdingstrukturen, die geschaffen wurden, um ausländische Notierungen zu ermöglichen, sich in einer legalen Grauzone bewegen. Und obwohl viele Unternehmen doppelt notieren, ist die Art der Notierung immer noch ein schwieriges Thema.

Indexgewichtung Chinas

Investoren, die chinesische Aktien durch Allokationen in gängigen Schwellenländerindizes halten, sind ebenfalls in Schwierigkeiten geraten. 

Die Größe der chinesischen Wirtschaft und die zunehmende Reife ihres Marktes machen China zu einem Giganten im Schwellenländeruniversum. Chinesische Aktien machen mittlerweile 35 Prozent des MSCI Emerging Markets Index aus. Und dank der Entscheidung von MSCI, im Inland notierte chinesische Aktien (A-Aktien) ab 2019 in seine Benchmarks aufzunehmen, dürfte die Gewichtung des Landes im Index steigen. 

Grafik 2: Schwergewicht China

Quelle: MSCI, Bloomberg, Pictet Asset Management. Daten vom 13.09.2021.

Chinas starke Entwicklung – auch ein Beleg für den Erfolg von Stock Connect, einem Programm, das es ausländischen Investoren ermöglicht, mit an der Hong Kong Stock Exchange notierten Wertpapieren aus Shanghai und Shenzhen zu handeln – könnte dazu führen, dass der chinesische Festlandmarkt zur Wall Street in Konkurrenz tritt. Das aber mit erheblichen Vorbehalten.

Auch wenn im Inland notierte chinesische A-Aktien während des Ausverkaufs eine relativ sichere Wette waren, vervielfachen sich auch hier die Risiken, da die Investitionsströme in A-Aktien weiterhin stark bleiben, wie Bloomberg beobachtet.

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