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Deutsches Kontrollzentrum für Stromübertragungsnetze: Der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor steigerte sich von 36,0 Prozent (2017) auf 37,8 Prozent (2018) des Bruttostromverbrauchs. | © Getty Images

Investition in erneuerbare Energien Stromnetze neu denken

Christian Rössing, Pictet AM

Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch. Ihre Erzeugungskosten sind in den vergangenen Jahren in vielen Ländern stark gesunken. Solar- und Windenergie könnten daher nicht nur aus Klimaschutzgründen den fossilen Brennstoffen bald den Rang ablaufen, sondern auch ganz simpel aus Kostengründen. Das zeigt ein Beispiel aus den USA: Indiana ist von den US-Bundesstaaten der zweitgrößte Kohlekonsument und zählt zu den zehn größten Kohleproduzenten in den USA. Jetzt wendet er fossilen Brennstoffen den Rücken zu und stellt auf Solar- und Windenergie um.

Allerdings reicht es nicht, nur saubere Energie zu erzeugen, sie muss auch dort hingelangen, wo sie benötigt wird, und das rund um die Uhr. Hierfür sorgen Stromnetze. Sie stimmen die erzeugte Strommenge auf die Stromlast beziehungsweise die entnommene Menge ab. Das Problem: Die heutige Netzinfrastruktur ist angeschlagen und kann die Flut an erneuerbarer Energie gar nicht bewältigen. Die Welt steht vor der Herausforderung, eine moderne Übertragungsinfrastruktur zu entwickeln, um die sauberen Energien effizient nutzen zu können und die angestrebten Ziele der Reduktion der CO2-Emissionen zu erreichen.

Aus dieser Aufgabe können sich neue Investmentchancen für Anleger ergeben. Mitglieder des Pictet Clean-Energy Advisory Boards und das Investment-Team der Anlagestrategie sind daher in die USA gereist und haben das National Renewable Energy Labatory in Denver und das Electric Power Research Institute in Palo Alto besucht. Beide Einrichtungen sind für ihre wegweisende Forschung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien bekannt. Neben ganz neuen Einblicken in den Infrastrukturbedarf, der aus der Verbreitung von Elektrofahrzeugen resultiert, haben die Anlageexperten auch viel über die Herausforderungen und Chancen bei der Integration von erneuerbaren Energien in das Stromnetz gelernt.

Energieverlust über lange Strecken reduzieren

Aktuell fließt die Elektrizität über ein Ein-Wege-System in Form von Wechselstrom von den Kraftwerken zu den privaten Haushalten und Unternehmen. Wechselstrom hat sich zum Standard für Stromnetze in aller Welt etabliert. Seine größte Schwäche ist, dass er auf seinem Weg Energie verliert, und zwar deutlich mehr als Gleichstromsysteme. Mit diesen lässt sich daher gerade über lange Strecken Energie günstiger und effizienter transportieren. Das ist nicht unwichtig für Energie aus Wind-, Solar- und Wasserkraft, die häufig weit entfernt vom Nutzungsort produziert wird.

Besonders effizient ist Gleichstrom, wenn er in seiner modernen Form, der Ultra-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (UHGÜ), genutzt wird. Ein UHGÜ-basiertes Makronetz ermöglicht es den Betreibern, verschiedene Quellen sauberer Energie hunderte oder tausende Kilometer entfernt anzuzapfen und dann je nach Bedarf und Wetter zwischen den Quellen zu wechseln.

Vor fast zehn Jahren führte China als erstes Land der Welt UHGÜ ein und nahm in diesem Jahr die längste und leistungsstärkste UHGÜ-Leitung in Betrieb. Sie kann Strom über 3000 Kilometer weit transportieren, vom entlegenen Nordwesten des Landes, wo ausreichend Solar- und Windkraft vorhanden ist, zum dicht besiedelten Osten, wo sie 50 Millionen Haushalte mit Energie versorgt. Auch andere Länder finden Gefallen an UHGÜ. In den USA etwa soll eine solche Leitung Windkraft aus Wyoming über 1.000 Kilometer nach Kalifornien übertragen. In Deutschland ist unter dem Namen Südlink eine UHGÜ-Trasse für den Stromtransport aus dem windreichen Norden zu verbrauchsintensiven Regionen im Süden geplant.

Trotz hoher Investitionskosten können sich die langfristigen Vorteile solcher Projekte auszahlen. Nach Einschätzung unseres Wissenschaftlichen Beirats amortisieren sich Infrastrukturprojekte in Europa in der Regel nach drei bis fünf Jahren dank Einsparungen durch höhere Effizienz.

Stark wachsender Markt mit vielfältigen Anlagechancen

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Branche bietet laut Pictet Experten eine Fülle an Investmentmöglichkeiten, da der Markt enorm wächst. Dem Marktresearch-Unternehmen Stratistics MRC zufolge soll er bis 2026 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von fast 9 Prozent auf 16,3 Milliarden US-Dollar anwachsen. Technologien, die für das UHGÜ-System genutzt werden, dürften ebenfalls profitieren: zum Beispiel industrielle Halbleiter, die unverzichtbar für den Betrieb von Stromnetzen sind. Für das Pictet-Clean Energy Portfolio können sich hieraus spannende Anlageideen entwickeln. Der Fonds setzt grundsätzlich auf Unternehmen, die eine wichtige Rolle beim Umstieg auf saubere Energie spielen. Innovative Netztechnologien sind hier ein wichtiger Baustein.

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