Der von Franklin Equity Group vierteljährlich herausgebrachte Marktbericht Innovation Insights Quarterly zeichnet in seiner aktuellen Ausgabe ein Panorama von Technologien, die nicht nur bestehende Probleme lösen, sondern ganze Entwicklungspfade neu definieren könnten – von der Zellbiologie über Logistik bis hin zur KI-Infrastruktur im Orbit. Matthew Moberg erklärt, was langfristige Investoren über diese Innovationen wissen sollten.

DAS INVESTMENT: Herr Moberg, der vor wenigen Tagen erschienene Quartalsbericht stellt eine klare These auf: Innovationen müssen mehr leisten als nur akute Probleme zu lösen. Was steckt dahinter?

Matthew Moberg,
Franklin Equity Group

Matthew Moberg: Der Kern dieser Ausgabe ist die Beobachtung, dass die echten, wirklich wertvollen Innovationen nicht isolierte Effizienzgewinne erzeugen, sondern neue Möglichkeitsräume öffnen. Wenn es heißt, „die nachhaltigsten Innovationen lösen nicht nur akute Probleme – sie eröffnen neue Durchbrüche für die Zukunft“, dann beschreibt das genau diesen Mechanismus: Kurzfristige Lösungen verändern die Rahmenbedingungen so, dass völlig neue Anwendungen und Märkte entstehen können.

Für Investoren ist das entscheidend.

Moberg: Absolut. Deshalb suchen wir nicht nur nach Technologien, die heute funktionieren, sondern nach Plattformen, die in fünf oder zehn Jahren ganze Wertschöpfungsketten tragen können.

Sie und Ihr Team bringen im Bericht das Beispiel des Durchbruchs bei der mitochondrialen Erneuerung von Zellen. Was macht diesen Ansatz so außergewöhnlich?

Moberg: Hier sehen wir ein perfektes Beispiel für eine Innovation, die Grundlagenforschung und potenzielle wirtschaftliche Tragweite verbindet. Die Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der geschwächte Zellen neue Mitochondrien erhalten – ihre Energiezentren. Möglich wird das durch blumenförmige Nanopartikel, die Stammzellen dazu bringen, doppelt so viele Mitochondrien zu produzieren und diese an beschädigte Zellen abzugeben.

Welche Konsequenz hat diese Forschungsleistung?

Moberg: Menschen über 70 Jahre weisen im Schnitt fast 60 Prozent mehr Mutationen in der mitochondrialen DNA auf als Menschen unter 40. Das verbindet diesen Ansatz direkt mit Alterung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Krankheiten. Kurz gesagt: Wenn man die Energieproduktion von Zellen stabilisieren kann, verändert das die gesamte Perspektive auf gesundes Altern.

Sie und Ihr Team zeigen, dass auch der Logistiksektor seit einiger Zeit wie ein Innovationslabor wirkt. Was ist hier aus Anlegersicht besonders relevant? 

Moberg: Logistik ist heute einer der sichtbarsten Hebel für KI- und Robotik-getriebene Produktivitätsgewinne. Bei Amazon unterstützen Automatisierungssysteme inzwischen rund drei Viertel aller Lieferungen.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese industrielle Realität an einem Beispiel aus Shreveport, Louisiana. Dort arbeitet ein Lager mit etwa zehnmal so vielen Robotern wie ein typisches Warehouse und verarbeitet Pakete 25 Prozent schneller. Wenn sich diese Skalierungseffekte global durchsetzen, haben sie das Potenzial, nicht nur Unternehmensgewinne, sondern das gesamtwirtschaftliche Wachstum zu erhöhen.

Ein weitaus radikalerer Ansatz, der aktuell Kreise zieht, ist der Gedanke, KI-Rechenzentren in den Orbit zu verlagern. Ist das Science-Fiction oder ein realistischer Teil zukünftiger Infrastruktur?

Moberg: Das Konzept ist ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Der Engpass für KI ist heute weniger die Rechenleistung als die Energie. Im All können Solarpaneele bis zu achtmal produktiver sein als auf der Erde und nahezu kontinuierlich Strom liefern. Das reduziert die Abhängigkeit von Batterien und Stromnetzen.

Hinzu kommt, dass bereits heute ein dichtes Netz aus Tausenden Satelliten die Erde umspannt. Diese mehr als 9.000 Satelliten bilden keine losen Einzelobjekte, sondern ein koordiniertes System im Orbit. Künftig könnten sie über Laser- und Lichtverbindungen direkt miteinander kommunizieren und so gemeinsam wie ein riesiges, verteiltes Rechenzentrum für künstliche Intelligenz arbeiten. Das würde die digitale Infrastruktur grundlegend verändern.

In jüngst veröffentlichten Innovation Insights Quarterly weisen Sie auf eine neue Methode zur Identifikation von Zellen mittels sogenannter elektromagnetischer Levitation hin. Damit sollen sich gesunde Zellen von kranken oder beschädigten Zellen sauber unterscheiden lassen, was Diagnostik und Forschung präziser und schonender macht. Was hat es damit auf sich? Könnten Sie den Ansatz näher erläutern?

Moberg: Das innovative Vorgehen löst ein altes Problem: Viele biomedizinische Verfahren brauchen reine, lebende Zellproben – doch herkömmliche Trennmethoden beschädigen die Zellen oft. Das neue System erzeugt ein Magnetfeld, in dem Zellen je nach physikalischen Eigenschaften – etwa Dichte oder magnetische Reaktion – auf unterschiedlichen Höhen „schweben“.

In den Tests stieg der Anteil lebender Zellen von 50 auf über 90 Prozent. Für Diagnostik, Wirkstofftests und personalisierte Medizin ist das ein enormer Qualitätssprung. Kurz gesagt: Levitation bedeutet hier kontrolliertes Schweben zur physikalischen Sortierung von Zellen – ein minimalinvasiver, sehr effizienter Ansatz für die Biotechnologie. Er führt zu besseren Eingangsdaten, die zu besseren therapeutischen Entscheidungen führen – und genau hier entsteht langfristiger medizinischer und wirtschaftlicher Wert.

Ein weiteres Beispiel verbindet Hightech mit Umweltfragen: der Einsatz von Viren zur Gewinnung seltener Erden. Was macht diese Innovation so strategisch?

Moberg: Seltene Erden sind in modernen Technologien unabdingbar– von E-Motoren bis zu Windturbinen. Doch die herkömmliche Gewinnung ist extrem umweltschädigend: Bis zu 2.000 Tonnen Abfall pro Tonne Produkt fallen an. Das verseucht Böden, Wasser und Luft.

Der Einsatz gentechnisch modifizierter Bakteriophagen, die gezielt seltene Erden aus Grubenabwässern binden, ist deshalb ein Paradigmenwechsel. Die Methode ist kostengünstig, umweltfreundlich und skalierbar. Das eröffnet Ländern mit eigenen Vorkommen die Möglichkeit, unabhängiger von wenigen globalen Lieferanten zu werden – ein geopolitisch hoch relevantes Thema.

Alle diese Beispiele zusammengenommen: Was sagen die Entwicklungen über die Tragweite moderner Innovationen aus?

Moberg: Was wir derzeit sehen, ist eine Verschiebung von schrittweisen Verbesserungen hin zu systemischen Durchbrüchen. Ob in der Biologie, der Logistik oder der KI-Infrastruktur – überall werden heute Engpässe adressiert, die bisher als naturgegeben galten: Energie, Zellalterung, Materialknappheit.

Genau darin liegt die Investitionschance. Innovationen, die diese Grenzen verschieben, können nicht nur neue Produkte erschaffen, sondern neue Industrien. Für langfristig orientierte Anleger liegt hier die Essenz nachhaltigen Wachstums.

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