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Jenseits von China
Neue Investment-Chancen in Asien
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Jenseits von China Neue Investment-Chancen in Asien

Einkaufszentrum ION Orchard in Singapur
Einkaufszentrum ION Orchard in Singapur | Foto: Imago Images / blickwinkel

Für Anleger scheint es an der Zeit, den Blick über China hinaus nach Asien zu richten. Die Größe Asiens ist nur schwer zu erfassen. Auf dem Kontinent leben rund 60 Prozent der Weltbevölkerung. Im Jahr 2050 wird die Bevölkerung Asiens so groß sein wie die der Welt im Jahr 1990. Zwei Länder – China und Indien – machen 60 Prozent dieser Bevölkerung aus, sie befinden sich aber auf unterschiedlichen demografischen Pfaden. China hat eine alternde und schrumpfende Bevölkerung. Indien hingegen ist mit 1,4 Milliarden Menschen mittlerweile das bevölkerungsreichste Land der Welt und weist eine junge und wachsende Bevölkerung auf.

Asien: Ein Kontinent der Megastädte und des wachsenden Wohlstands

Asien ist zudem ein zunehmend urbaner Kontinent. Zwanzig Städte haben jeweils mehr als zehn Millionen Einwohner. In China gibt es 23 Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, in Indien sind es derzeit sieben, bei denen die Verstädterung jedoch rasch voranschreitet. Aber nicht nur in China, Indien und Japan gibt es Megastädte. Weitere Metropolen sind Seoul, Manila, Taipeh, Bangkok, Jakarta, Singapur, Dhaka, Kuala Lumpur und Ho-Chi-Minh-Stadt.

 

 

 

 

Die Verstädterung geht in der Regel mit steigendem Wohlstand einher. Bereits heute ist Asien der größte Konsummarkt der Welt, sowohl in Bezug auf die Bevölkerung als auch mit Blick auf die Ausgaben. Bis 2030 dürften zwei von drei Konsumenten weltweit Asiaten sein.

Während die ersten beiden Jahrzehnte dieses Jahrhunderts vom Aufstieg der chinesischen Mittelschicht geprägt waren, wird das laufende Jahrzehnt Südasien gehören. Die Mittelschichten Indiens, Pakistans und Bangladeschs dürften bis 2030 eine Milliarde neue Konsumenten hervorbringen. Der wachsende Wohlstand Asiens spiegelt sich auch in seinem Finanzvermögen wider, das sich 2021 auf 180 Billionen US-Dollar belief und damit rund 40 Prozent des weltweiten Vermögens ausmachte.

Dynamische asiatische Volkswirtschaften jenseits von China

Die asiatischen Volkswirtschaften jenseits von China sind zu wichtigen Triebkräften der Weltwirtschaft geworden. 2024 dürfte sie rund ein Drittel des globalen Wachstums ausmachen. Neben der demografischen Dividende ihrer (überwiegend) jungen Bevölkerung und der bereits erwähnten aufstrebenden Konsumentenbasis stützen weitere strukturelle Wachstumsfaktoren die Volkswirtschaften: Reorganisationen globaler Lieferketten, Technologie sowie verstärkte Reformbemühungen.

Indien ist das Aushängeschild dieses neuen Asiens. Seine junge und dynamische Bevölkerung profitiert von einem MINT-orientierten Bildungssystem. Indische Informatiker und IT-Spezialisten sind über die Landesgrenzen hinaus gefragt und leiten globale Tech-Konzerne. Darüber hinaus hat die indische Regierung ein ehrgeiziges Reformprogramm auf den Weg gebracht, das nicht nur darauf abzielt, den Geschäftsverkehr durch die Abschaffung des berüchtigten „Licence Raj“ zu erleichtern, sondern auch eine Infrastruktur von Weltklasse aufzubauen, um den Handel sowohl innerhalb des Landes als auch zwischen Indien und seinen Exportmärkten zu fördern.

Indiens Anstrengungen werden zunehmend anerkannt: Ausländische Direktinvestitionen haben zugenommen, da globale Unternehmen eine „China + 1“-Lieferketten-Strategie verfolgen und Indien als Produktionsstandort in Betracht ziehen.

Neue Lieferketten in Südostasien

Die geopolitischen Spannungen in den Beziehungen zwischen China und den USA sowie die Störungen infolge der Covid-Pandemie haben Unternehmen dazu veranlasst, Teile ihrer Lieferketten nach Südostasien zu verlagern. Von dieser Neuausrichtung haben insbesondere Vietnam, Malaysia und Indonesien profitiert. Dies ist ein säkularer Trend, von dem nicht zu erwarten ist, dass er sich bald abschwächen wird.

Vietnam etwa spielt aufgrund seiner strategischen Nähe zu China eine immer wichtigere Rolle in den globalen Lieferketten: als kostengünstige, zuverlässige und qualitativ hochwertige Quelle für Materialien und Komponenten. Das Land entwickelt sich rapide zu einer Drehscheibe für Elektronik- und Textilprodukte. Malaysia, Indonesien oder die Philippinen locken Investoren mit politischer Stabilität und reformorientierten Regierungen.

Diese Länder können insofern von anhaltenden Handelsspannungen zwischen China und den USA profitieren, als dass sie für den Handel mit beiden Blöcken offen sind und somit die Kluft überbrücken können, die zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt entstanden ist.

Diese südostasiatischen Volkswirtschaften, aber auch Taiwan und Korea, profitieren zudem von einem günstigen Konjunkturzyklus, der von der Wiederauffüllung der Lagerbestände angetrieben wird. So ist etwa die taiwanesische Halbleiterindustrie in einen Erholungszyklus eingetreten. Der weltweite Boom der künstlichen Intelligenz begünstigt taiwanesische und koreanische Zulieferer von Hardwarekomponenten sowie Chipdesigner.

Ein weiterer Trend, den Investoren begrüßen werden, ist die stärkere Fokussierung auf Corporate Governance. So ist die politische Führung in Seoul bestrebt, den „Korea-Abschlag“ zu beseitigen, der infolge undurchsichtiger Governance-Praktiken den Aktienmarkt belastet hat. Eine konsequente Umsetzung ihrer „Aufwertungs-Agenda“ dürfte die Attraktivität des Aktienmarktes erhöhen.

Und schließlich wird das Thema Nachhaltigkeit in ganz Asien immer ernster genommen. In Bangladesch etwa stellen Bauern von der Hühner- auf die Entenzucht um, weil die Gefahr immer größerer Überschwemmungen zunimmt, die der Klimawandel dem Land unweigerlich bescheren wird. In ganz Asien konzentrieren sich die Länder auf die Energiewende.

Taiwan widmet sich dem Ausbau erneuerbarer Energien (Solarenergie, Offshore-Windenergie) und schafft damit Wachstumschancen für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette (etwa für Hersteller von Schlüsselmaterialien und Komponenten). Traditionelle kohlenstoffintensive Industrien wie die Schiff- und Luftfahrt werden durch die Einführung neuer Technologien und die Verwendung nachhaltigen Flugtreibstoffs dekarbonisiert, was den damit verbundenen Industrien zugutekommt.

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Investoren erkennen zunehmend die attraktiven Perspektiven der neuen asiatischen Wirtschaftsmächte. Das in Schwellenländer- oder „Asien-ex-China“-Strategien verwaltete Vermögen ist mittlerweile auf über 12,5 Mrd. US-Dollar gestiegen (Stand: Januar 2024).

In dem Maße, in dem sich Chinas und seine asiatischen Nachbarn wirtschaftlich auseinanderentwickelt haben, haben sich auch ihre Aktienmärkte verändert. Indizes ohne China haben in den letzten drei Jahren besser abgeschnitten, was die Abkopplung der asiatischen Länder von China verdeutlicht.

Anleger sollten diese Abkoppelung jedoch nicht im Sinne einer Ablehnung der chinesischen Aktienmärkte verstehen. Vielmehr zeigt dies, dass sich China zu einer eigenständigen Anlageklasse entwickelt hat, die ihren eigenen wirtschaftlichen Trends folgt. Das Hinzufügen von Investments in „Asien ohne China“ dürfte daher die Diversifikation erhöhen und sich stabilisierend auf Portfolien auswirken.

 

 

 

 

Wie alle Anlagen in Schwellenländern sind auch Investments in Asien aber auch mit gewissen Risiken verbunden. Die asiatischen Volkswirtschaften profitieren zwar von den geopolitischen Spannungen, sind aber auch anfällig für die Volatilität der chinesischen Wirtschaft und Veränderungen im US-Zinszyklus. Der Binnenkonsum wird eine wichtige Stütze für diese Volkswirtschaften sein, temporär könnte die Nachfrage in einigen Fällen aber hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass die asiatischen Länder jenseits von China Investoren vielfältige Chancen bieten. Starke strukturelle Trends – eine günstige demografische Entwicklung, eine aufstrebende Mittelschicht, die Verlagerung globaler Lieferketten und ein stärkerer Fokus auf Corporate Governance – unterstützen deren Wachstum und zunehmende Reife. Zudem werden Nachhaltigkeitsaspekte ernster genommen. Die Anlageregion Asien ex China wird daher für Investoren immer attraktiver, auch für solche, die bereits in China investiert sind.

 


Über die Autoren:

Raymond Chan
                  Raymond Chan
                     © Allianz GI

Raymond Chan ist Investmentchef (CIO) Equity Asia Pacific bei Allianz GI.

 

 

 

 

 

Yu Zhang
                       Yu Zhang
                       © Allianz GI

Yu Zhang ist Senior Portfoliomanager bei Allianz GI. 

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