Weißes Haus in Washington: In den USA steigt die Staatsverschuldung in diesem Jahr voraussichtlich von knapp 80 auf fast 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. | © imago images / imagebroker Foto: imago images / imagebroker

Investment-Chef der Bethmann Bank

Zu Corona-Schulden gibt es keine Alternative

Weltweit haben die Regierungen zur Bekämpfung der Corona-Krise Konjunktur- und Hilfsprogramme in einem unglaublichen Ausmaß verabschiedet. Gleichzeitig erleben wir eine konjunkturelle Vollbremsung. Im zweiten Quartal schrumpfte die US-Wirtschaft im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 9,5 Prozent (nach der europäischen Berechnungsmethode). In Deutschland fiel das Minus mit 10,1 Prozent sogar noch höher aus.

De Haushaltsdefizite der Staaten schießen aus unterschiedlichen Gründen in die Höhe. Erst einmal gibt es die klassischen Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums. Dazu zählen staatliche Investitionsprogramme, höhere Ausgaben für das Gesundheitswesen und finanzielle Unterstützungen der privaten Haushalte wie das deutsche Kurzarbeitergeld oder die Schecks in den USA.

Zeitgleich erodieren die staatlichen Einnahmen. Kollabierende Unternehmensgewinne, Kurzarbeit oder sogar Arbeitslosigkeit sorgen für ein geringeres Steueraufkommen. Umgekehrt steigen die staatlichen Ausgaben für Soziales. Und drittens gibt es umfangreiche staatliche Garantien und erhöhte Kreditlinien für Unternehmen. Diese belasten allerdings erst im späteren Zeitverlauf die Staatshaushalte.

Zur Finanzierung dieser Maßnahmen werden allein die Staaten der Eurozone in diesem Jahr zusätzliche Schulden von schätzungsweise 1.110 Milliarden Euro aufnehmen. Zum Vergleich: Vor der Corona-Krise belief sich der Bedarf an zusätzlichen Mitteln auf 176 Milliarden Euro. In den USA summieren sich die Extra-Ausgaben sogar auf voraussichtlich 2.111 Milliarden Dollar, also umgerechnet rund 1.790 Milliarden Euro.

Rasant steigende Staatsschulden

Die verschiedenen Stimuluspakete führen zu einem enormen Anstieg der staatlichen Defizite. In den USA steigt die Staatsverschuldung in diesem Jahr voraussichtlich von knapp 80 auf fast 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Selbst beim eigentlich sparsamen Deutschland erhöht sich der Schuldenberg von rund 60 in Richtung von 80 Prozent des BIPs. Italien kommt sogar auf mehr als 160 Prozent.

Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Auch im kommenden Jahr werden die staatlichen Defizite zunehmen, wenn auch deutlich langsamer als 2020. Denn es wird noch Jahre dauern, bis das weltweite Wirtschaftswachstum wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht haben wird - auch wenn es ab Mitte des kommenden Jahres wieder zu einer Erholung kommen dürfte. Und verschiedene staatliche Unterstützungsmaßnahmen werden weit über dieses Jahr hinaus aufrechterhalten werden (müssen). Umgekehrt dürfte es noch lange Zeit dauern, bis es auf staatlicher Seite wieder ernsthafte Sparbemühungen geben sollte.

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