Investment-Experte Benjamin Melman Wie das Handeln der Fed den Markt beeinflusst

Edmond-de- Rothschild-Stratege Benjamin Melman begeht eine erste Bestandsaufnahme des Jahres 2018 und 2019 | © Edmond de Rothschild Asset Management

Edmond-de- Rothschild-Stratege Benjamin Melman begeht eine erste Bestandsaufnahme des Jahres 2018 und 2019 Foto: Edmond de Rothschild Asset Management

Dass sich die Marktverläufe von 1994 und 2018 so ähneln, ist laut Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Staatsanleihen bei Edmond de Rothschild Asset Management, kein Zufall. In Zeiten politischer und geopolitischer Spannungen haben sich zudem weder Gold noch Kryptowährungen als Alternativen bewährt. Die massive und unerwartete Straffung der Geldpolitik in den 90er Jahren spiegelte sich in diesem Jahr in progressiven, gut gekennzeichneten Zinserhöhungen wider. Aber rückblickend ins Jahr 1994 kam es dort nicht in Frage, die Bilanz der US-Notenbank Fed zu schrumpfen. Im Jahr 2018 hat sich die globale Liquidität deutlich verlangsamt, da sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of Japan die Expansion ihrer Bilanzen reduziert haben. Und obwohl diese Schritte vom ersten Tag an klar angekündigt wurden, sei es sehr wahrscheinlich, dass diese die Märkte stärker belastet haben als erwartet. So wie die quantitative Lockerung einerseits zur Förderung der Vermögensinflation beigetragen hat, stellt anderseits der Liquiditätsabfall eindeutig ein Hindernis dar. In der Tat von ist das Asset Management von einem halb vollen zu einem halb leeren Glas übergegangen.

Im Hinblick auf die vorherrschenden Unsicherheiten bezüglich der Beziehung zwischen den USA und China, dem Brexit, Italien, der Ölpreise und den geopolitischen Spannungen, wird laut Benjamin Melman das künftige Handeln der Fed eine Schlüsselrolle spielen. Die jüngsten Aussagen des Fed-Präsidenten Jerome Powell, mehr Wahlmöglichkeiten in den derzeitigen Straffungsprozess einzubringen, führten dazu, das Exposure in US-Dollar zu reduzieren. Denn: Wenn Investoren denken, dass die geldpolitische Straffung in den USA fast vorbei ist, könnte dies den US-Dollar treffen und Schwellenländertitel sollten zulegen. Zwar kämpfen die Schwellenländer immer noch mit einer Reihe von Sorgen wie der Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft und dem Handelskrieg zwischen den USA und China. Jedoch wird sich das Wachstum in China und in den Schwellenländern im Jahr 2019 etwas erholen, während die entwickelten Länder langsamer wachsen. Schwellenländeraktien könnten daher eine signifikante Erholung erfahren.

Die jüngsten Marktverwerfungen und die weitere Abflachung der US-Zinskurve haben die Sorge um eine bevorstehende Rezession ausgelöst, was darauf hindeute, dass Portfolios die Risikoexposition verringern sollten. Was die Umkehrung der Zinskurve betrifft, so habe das kurze Ende – das bevorzugte Maß der Fed für die Stärke eines Zyklus – noch keine Umkehrung erfahren. Die heutige Zinsstrukturkurve deutet aber lediglich darauf hin, dass der US-Zyklus reif ist. Sodass keine fortgeschrittenen Indikatoren für eine Rezession wie sinkende Margen, höhere Inflation und härtere Kreditbedingungen der Banken zu sehen sind.

Die heutige Marktvolatilität spiegelt im Wesentlichen die verschärften finanziellen Bedingungen aufgrund des Handelns der Zentralbank wider. Diese Bedingungen könnten sich im nächsten Jahr aufgrund der weiteren Bilanzverknappung durch die Fed und das Ende des Ankaufprogramms der EZB etwas weiter verschlechtern, aber die Verschiebung sollte moderater ausfallen als in diesem Jahr. Neue Wahlmöglichkeiten der Fed bei der Straffung könnten zu einer Verbesserung der monetären Bedingungen führen. Da es möglich ist, dass sich das globale Wachstum im Jahr 2019 nur leicht abschwächt, bleibt man leicht übergewichtet in Aktien.

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