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ETF- und Indexstrategien Warum Asset Manager jetzt Investment-Grade-Anleihen kaufen

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Wegen des anhaltenden Preisdrucks halten wir inflationsbereinigten Renditen von Investment-Grade-Anleihen höherer Qualität für attraktiv. US-Unternehmensanleihen mit Rating AAA bieten derzeit eine Realrendite von rund 2,3 Prozent verglichen mit einer Nominalrendite von 3,9 Prozent für zwanzigjährige US-Staatsanleihen, wie Bloomberg (Stand: 27. September 2022) vergleicht. Anleger müssen also auf der Suche nach höheren Realrenditen kein zusätzliches
Kreditrisiko eingehen. Hinzu kommen die aus unserer Sicht soliden Fundamentaldaten der Unternehmen.

Eurozone-Unternehmensanleihen sind trotz Rezessionsrisiken attraktiv

Europäische Investment-Grade-Anleihen erscheinen uns attraktiv, obwohl wir mit einer langen Rezession in der Eurozone rechnen. Die Euro-Investment-Grade-Spreads liegen nun mehr als eine Standardabweichung über ihrem Mittelwert auf Niveaus wie zuletzt zu Beginn der Pandemie (Bloomberg, Stand: 27. September 2022). Ungeachtet dieser attraktiven Bewertungen sind die Fundamentaldaten der Unternehmen unverändert gut, denn in Europa haben bonitätsstarke Firmen nach der Pandemie ihre Bilanzen wieder auf Vordermann gebracht.

Auch die Qualität des Marktes ist besser als in früheren Abschwungphasen: Der von 2014 bis 2019 gestiegene Verschuldungsgrad ist nach Bloomberg-Angaben bereits wieder auf Vor-Corona-Niveaus gesunken. Dies könnte bedeuten, dass sich die Spreads nicht so stark weiten wie in früheren Konjunkturabschwüngen, da sich die Ausfälle in Grenzen halten könnten. Die Absicherungskosten gegen Zahlungsausfälle europäischer Unternehmen sind im Vergleich zum Jahresbeginn zwar unverändert hoch, dürften aber kaum weiter steigen. Wegen der schlechteren Stimmung gegenüber auf Euro lautende Investment-Grade-Anleihen in diesem Jahr werden diese mit einem Abschlag von rund 70 Basispunkten gegenüber ihren US-Pendants gehandelt (Bloomberg, Stand: 27. September 2022). Das ist mehr als während der Euro-Schuldenkrise und impliziert bereits höhere Zahlungsausfälle.

Stärkere Fiskalimpulse und das Eingeständnis der Zentralbanken, dass sie die Zinszügel möglicherweise zu stark angezogen haben, könnten der dringend benötigte Stimmungsaufheller für auf Euro lautende Investment-Grade-Papiere sein.

Auch das Hochzins-Segment bietet jetzt Chancen

Anfang des Jahres zogen die Zinsen wegen der unerwartet restriktiven Geldpolitik an und verstärkten die Kapitalabflüsse aus Hochzinswerten. Aus High-Yield-ETPs zogen Anleger in diesem Jahr weltweit 20,7 Milliarden US-Dollar ab, allen voran aus US-Titeln (-18,1 Milliarden US-Dollar, BlackRock und Markit, Stand: 27. September 2022). Da die Renditekurven von Staatsanleihen in den USA und Europa offenbar die Geldpolitik voll eingepreist haben, ergeben sich bei High-Yield-Papieren folglich attraktive Anlagechancen verglichen mit Aktien.

Eine zusätzliche Spread-Weitung bleibt bei einem langen Abschwung ein Risiko. Anleihen könnten jedoch besser positioniert sein als Aktien, falls die Wirtschaft infolge der restriktiven Geldpolitik in eine Rezession fällt.

 

Die asymmetrischen Risiken bei Hochzinsanleihen und ihre attraktiven Renditen könnten von Vorteil sein, aber Selektivität bleibt zentral. Bonitätsstärkere High-Yield-Papiere mit ihren tendenziell niedrigeren Ausfallraten erscheinen attraktiv. Das US-Junk-Segment mit dem höchsten Rating (BB) rentiert bei über 7 Prozent – 300 Basispunkte mehr als 5-jährige US-Staatsanleihen – bei einer gewichteten durchschnittlichen Laufzeit von rund sechs Jahren (Bloomberg, Stand: 27. September 2022). Die Spreads sind trotz des sich verschlechternden Makroumfelds weiter eng, gestützt vom hohen Anteil an Papieren aus dem Energiesektor, in dem die Stimmung im laufenden Jahr gut war.

Auch bei Euro-High-Yield-Anleihen ergeben sich Anlagechancen. Ihr kürzeres Durationsprofil und der höhere Anteil an Bankanleihen (verglichen mit auf US-Dollar lautende High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen) können Anlegern helfen, sich auf ein verändertes Zinsumfeld und mögliche weitere Zinsstraffungen einzustellen. Zur besseren Stimmung verglichen mit ihren Investment-Grade-Pendants trugen auch das mangelnde Angebot und die im Sommer gestiegenen Renditen bei. Mit Renditen von rund 7,5 Prozent – abgesichert in US-Dollar sogar von rund 9 Prozent (Bloomberg, Stand: 27. September 2022) – halten wir High-Yield-Papiere aus der Eurozone angesichts relativ geringer Ausfälle weiterhin für attraktiv.

Gute Aussichten – aber Risiken einkalkulieren

Auch wenn die Aussichten für Unternehmensanleihen insgesamt gut sind, bleiben Risiken. So könnten die Risikoaufschläge weiter steigen, zumal wenn die Rezessionsangst zunimmt. Da die Zentralbanken weltweit an ihrem Inflationsfokus festhalten und damit die Rezessionssorgen anfachen dürften, werden Anleger wohl weiterhin Qualitätstitel bevorzugen. Die Renditen von Investment-Grade-Anleihen entschädigen unseres Erachtens angemessen für dieses Risiko. Bei Hochzinswerten sehen wir kaum Spielraum für eine weitere Spread-Verengung. Das aktuelle Spread-Niveau legt nahe, dass ein Großteil der negativen Nachrichten eingepreist ist. Zudem bieten sie unserer Ansicht nach attraktive Kuponerträge bei voraussichtlich begrenztem Ausfallrisiko.

Anleihen: Mit einem frischen Ansatz jetzt wieder einsteigen.

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