Windanlagen in Deutschland: Nachhaltigkeit ist längst in der Finanzbranche angekommen. Foto: imago images / Jochen Tack

Investmentchef der Bethmann Bank

Schub für grüne Wertpapiere

Früher hieß es fast einhellig: Nachhaltiges Investieren geht zu Lasten der Performance. Denn teils lukrative Branchen scheiden aus dem Anlageuniversum aus - zum Beispiel dividendenstarke Titel aus den Bereichen Tabak, Alkohol oder Mineralöl. Die Meinung der Marktteilnehmer hat sich jedoch über die Jahre geändert. Immer häufiger heißt es, sozial und ökologisch verträgliche Anlagen vermindern bestimmte Risiken - zum Beispiel Image-Verluste durch einen negativen Umgang mit der Belegschaft oder durch Umweltskandale - und liefern dadurch eine Zusatzrendite.

Ein Blick auf den Euro Stoxx 40 Sustainability zeigt, dass der europäische Nachhaltigkeitsindex auf Sicht der zurückliegenden zwölf Monate immerhin rund vier Prozentpunkte besser gelaufen ist als sein herkömmliches Pendant, der Euro Stoxx 50. Diese Outperformance lässt sich noch mit der unterschiedlichen Auswahl der Branchen und der Titelzusammensetzung erklären.

Es gibt jedoch auch eine Reihe ESG-Fonds, die besser als ihre klassischen Peers abschneiden. Klar ist, dass sich nachhaltiges Investieren in den vergangenen Jahren als eigenständiger Anlagestil durchgesetzt und etabliert hat, auch wenn weiter Uneinigkeit darüber herrscht, was eigentlich konkret unter ESG-konformem Investieren zu verstehen ist. Aber gibt es auch einen eigenen Nachhaltigkeitsfaktor, ähnlich wie Growth oder Momentum, der als Performancetreiber wirkt? Die Antwort heißt: Das ist eben nicht klar.

Nennenswerte Risikoprämie Laut Wirtschafts-Theorie verfügen nicht nachhaltige Aktien über ein höheres Risiko. Daher müssen sie eine bessere Rendite liefern, um das höhere Risiko zu kompensieren. Als praktische Beispiele ließen sich die bereits genannten Unternehmen aus Bereichen wie Tabak, Alkohol oder Öl nennen, die ihre Anleger durch überdurchschnittlich hohe Dividendenrenditen angelockt haben. Verschiedene Studien wie die zu sogenannten Sin Stocks von David Blitz und Frank Fabozzi untermauern diese These.

Die Überrendite sogenannter Sünden-Aktien lässt sich erklären: Da verschiedene - vor allem institutionelle - Anleger unethische Aktien aus ihrem Anlageuniversum ausschließen, kommt es zu einer Unterbewertung. Vereinfacht ausgedrückt fehlt die Nachfrage, was die entsprechenden Kurse nach unten drückt. Daraus resultiert eine gewissermaßen eine Entschädigung für die Anleger, die Reputations-Risikoprämie. Es gibt allerdings auch eine gegenteilige Argumentation. Nachhaltiges Investieren liefert eine Prämie, die sogar risikofrei ist.

Unternehmen, die sozial und ökologisch positiv wirtschaften verfügen über ein Geschäftsmodell, bei dem weniger oder geringere Risiken herrschen als bei den Geschäftsmodellen herkömmlicher Unternehmen. Hier sind beispielhaft wieder die bereits genannten Reputationsrisiken zu nennen. Dazu kommt noch die steigende Nachfrage der Investoren nach nachhaltigen Geldanlagen. Diese hat in Deutschland allein im vergangenen Jahr um 37 Prozent zugenommen. Der gesellschaftliche Wandel - Stichwort: Fridays for Future - ist gewissermaßen auch an den Finanzmärkten angekommen.

Verstärkt wird dies durch den zunehmenden politischen Druck vor allem der EU. Allein schon diese steigende Nachfrage sorgte zumindest in der jüngsten Vergangenheit für eine Outperformance entsprechender Kapitalanlagen. Schließlich sorgen immer strengere Klimaziele für hohe Umsätze bei Firmen, die Lösungen anbieten, die die Umweltbelastungen reduzieren. Unter dem Strich dürften sich die beiden gegenläufigen Effekte weitgehend neutralisieren: Ein finanzieller systematischer Mehr-Return ist auf Dauer nicht zu erwarten, einen eigenen Nachhaltigkeitsfaktor gibt es wohl eher nicht.

Man kann das jedoch auch positiv sehen: Nachhaltiges Investieren kostet auch keine Performance. Darüber hinaus kann der Anleger aber eine nicht-finanzielle Rendite hinsichtlich sauberer Unternehmensführung, hinsichtlich Ökologie und hinsichtlich sozialer Kriterien erwarten beziehungsweise diese generieren. Die Aufgabe von Vermögensverwaltern besteht dann darin, diese ethische Dividende oder nicht-finanzielle Rendite transparent machen.

Beispielsweise lässt sich aufzeigen, wieviel CO2-Ausstoß ein Portfolio ausstößt beziehungsweise im Vergleich zu einem nicht nachhaltigen Index einspart. Oder es ist möglich zu zeigen, auf welche Nachhaltigkeitsziele der UNO das Portfolio einzahlt. Nur so wird nachhaltiges Investieren beim Anleger für einen spürbaren Mehrwert sorgen.

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