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Andreas Lindner ist Chefanleger der Allianz Lebensversicherung und damit Herr über mehr als 250 Milliarden Euro. Mit seinem Team muss er rechnerisch jeden Tag 200 Millionen Euro anlegen. | © Thomas Bernhardt

Investmentchef von Allianz Leben „Wir legen pro Tag 200 Millionen an“

DAS INVESTMENT: Das Niedrigzinsumfeld begleitet uns jetzt schon gut zehn Jahre. In den vergangenen Monaten kamen noch aufgeregt schwankende Aktienmärkte hinzu. Wie schwierig ist es gerade, Geld vernünftig anzulegen?

Andreas Lindner: An dem Zinsniveau wird sich in den kommenden Jahren meines Erachtens nicht viel ändern. Die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik vielleicht etwas straffen, aber wir sehen keine strukturelle Zinswende mit deutlich höheren Zinsen. Und dieses Umfeld treibt etliche Investoren in Anlagen, die etwas riskanter sind, und die sie vielleicht früher nicht gekauft hätten. Was die Volatilität angeht, waren wir die vergangenen Jahre verwöhnt vom relativ glatten und stabilen Aufwärtstrend an den Aktienmärkten. Wegen der jetzigen konjunkturellen und politischen Entwicklungen ist eine gewisse Verunsicherung der Marktteilnehmer und damit die Rückkehr der Volatilität die logische Konsequenz. Für uns als Allianz Leben ist die Schwankungsintensität der Märkte, wie auch immer ausgelöst, aber kein wirkliches Thema. Dafür denken wir als Lebensversicherer zu langfristig.

Wie langfristig?

Lindner: Wenn Sie heute einem Kunden eine Altersvorsorge verkaufen, Alter 30 Jahre, dann haben Sie mit diesem Kunden eine Geschäftsbeziehung für die nächsten 40 bis 50 Jahre. Daraus ergeben sich sehr stabile Einzahlungs- und Auszahlungsmuster, die sich über das gesamte Kollektiv, sprich alle Kunden, enorm gut planen lassen. Das ist für uns ein zentraler Hebel, um das Zinstiefdilemma abzufedern: Wir nutzen diese Stärke und gehen zudem in Anlageklassen, in denen wir strukturell höhere Renditen sehen, weil wir langfristig anlegen können.

Nennen Sie mal bitte ein Beispiel?

Lindner: Unsere Parkuhrlizenzen, die wir für Chicago erworben haben, laufen beispielsweise 75 Jahre. In England haben wir eine Garnisonsstadt in Betrieb: 40 Jahre. In den USA haben wir eine Maut-Autobahn refinanziert: 45 Jahre.

Besteht da nicht die Gefahr, dass sich über die Jahre die Geschäftsmodelle ändern oder sogar wegbrechen? Gibt es in 75 Jahren zum Beispiel noch Autos, die man parken kann?

Lindner: Das ist natürlich etwas, das wir uns sehr genau anschauen müssen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber wenn Sie auf etablierte und defensive Geschäftsmodelle, idealerweise mit einer stabilen staatlichen Regulierung, setzen, können Sie das Risiko deutlich reduzieren. Bei den Parkuhren sind wir uns ziemlich sicher, dass es in der Kernstadt Chicago über sehr viele Jahre eine hohe Nachfrage geben wird, auch wenn Trends am Ende bekannte Mobilitätskonzepte komplett veralten lassen. Ein anderes Beispiel sind unsere Gas-Pipelines, bei denen wir Lieferverträge über 30 Jahre haben. Angenommen, es wird in 15 Jahren keine Gastransporte mehr geben: Unsere Verträge sind so gestaltet, dass die Gasförderunternehmen bezahlen müssen, egal ob sie durchleiten oder nicht. Damit nehmen wir auch noch mal gewisse Geschäftsrisiken raus.

Solche Investments kann man sich aber nur leisten, wenn man wie die Allianz eine entsprechende Größe hat.

Lindner: So ist es. Zum einen müssen Sie sich solche Anlagen von der Kapitalunterlegung her erlauben können, was wir dank unserer Finanzstärke können. Zum anderen muss man auch mal große Summen auf den Tisch legen können. Aber viel wichtiger als alles andere: Sie benötigen Expertise, weil die Investments sehr komplex sind. Das gilt für die Anlagen bis hin zu den Vertragswerken, die meistens länderübergreifend sind.

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