Investmentchef von Allianz Leben „Wir legen pro Tag 200 Millionen an“

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Das Thema Eigenkapitalhinterlegung hat die EU-Richtlinie Solvency II für Versicherer neu geregelt. Wie hat das Regelwerk die Kapitalanlage der Allianz Leben verändert?

Lindner: Solvency II hat unsere strategischen Anlageinitiativen nach vorn gebracht. Wenn über das Regelwerk gesprochen wird, dann liegt der Fokus meist auf der Risikokapitalunterlegung oder den Solvenzquoten. Was viele jedoch ausblenden, ist, dass Solvency II den Versicherern viele neue Anlagemöglichkeiten eröffnet hat. Früher gab es in Deutschland den Anlagekatalog. Der schrieb vor, dass man die Anlageklassen A, B und C kaufen durfte.

Samt Quoten.

Lindner: Genau, inklusive Quoten und dem Satz, dass in das, was nicht im Katalog steht, nicht investiert werden darf. Solvency II hat diesen Ansatz komplett umgedreht. Die Richtlinie erlaubt Versicherern nun, fast alles zu kaufen – aber unter der Maßgabe, dass diese verstehen, was sie kaufen und das entsprechende Risiko tragen und managen können. Das war für uns ein Türöffner zu neuen, interessanten Anlageklassen. Themen wie unsere Mittelstands- oder Mezzanine-Finanzierung oder die Afrika-Strategie wären im alten Anlageverordnungsrahmen nicht umsetzbar gewesen. Damit bekommen unsere Altersvorsorgekunden Zugang zu Asset-Klassen, die sie als Privatanleger nicht erhalten.

Was Altersvorsorge-Sparer sicherlich auch umtreibt, ist die Frage, ob sie sich auf das verlassen können, was ihnen der Versicherer mal an Leistung versprochen hat. Wie sieht es bei der Allianz mit der Erfüllung von Garantien aus?

Lindner: Ganz klar müssen die Garantien erst einmal abgesichert sein. Gleichzeitig wollen wir für unsere Kunden eine ordentliche Rendite erwirtschaften. Bei der Allianz ist es so, dass selbst, wenn von heute auf morgen die Zinsen auf 0 Prozent fielen, alle Garantien komplett durchfinanziert sind – und zwar bis der letzte Kunde ausbezahlt ist. Auch wenn unser gesamtes Engagement in Aktien von heute auf morgen wertlos wäre, könnten wir alle Garantien erfüllen.

Wie hoch ist die durchschnittliche Garantienverzinsung, die Sie bedienen müssen?

Lindner: Ende 2017 lagen wir bei einer Garantie von unter 2 Prozent, wenn man die Zinszusatzreserve mit einrechnet.

Das ist recht niedrig.

Lindner: Das liegt daran, dass wir vor gut elf Jahren damit begonnen haben, Produkte zu entwickeln, die auch in einer lange anhaltenden Niedrigzinsphase funktionieren. Die Einführung unseres Produkts Perspektive zum Beispiel war da ein großer Treiber. Bei Perspektive haben wir uns auf wesentliche Garantie-Elemente konzentriert und so deutlich mehr finanziellen Spielraum gewonnen, um die Kundengelder lukrativer anzulegen. Das verstehen die Kunden und haben seit Start des Produkts bis zum 30. September 2018 rund 800.000 Verträge geschlossen.

Sie sprachen eben von der Zinszusatzreserve – ein Puffer, welchen die Versicherer für ihre Garantie-Altlasten jedes Jahr aufbauen müssen. Den Mechanismus hat der Gesetzgeber gerade gelockert, weil viele Versicherer damit ordentlich zu kämpfen hatten. Interessiert Sie das vor dem Hintergrund, dass Sie Ihre Garantien schon ausfinanziert haben, überhaupt noch?

Lindner: Klar, wir begrüßen das. Als man die Zinszusatzreserve 2011 als durchaus sinnvolles Instrument eingeführt hat, war nicht absehbar, dass wir in eine so starke und so lang anhaltende Niedrigzinsphase laufen. Den Unternehmen jetzt zu erlauben, die Reserven etwas langsamer aufzubauen und ihnen dadurch auch bei der Kapitalanlage mehr Luft zu geben, ist angemessen. Daher hat die Branche den Vorstoß der Bundesregierung auch unterstützt.

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