Jean-Charles Mériaux, CIO und Teilhaber bei der Pariser Investmentboutique DNCA

Jean-Charles Mériaux, CIO und Teilhaber bei der Pariser Investmentboutique DNCA

Investmentchef von DNCA Finance

Herr Mériaux, soll man jetzt noch Aktienfonds kaufen?

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DAS INVESTMENT.com: Die Rally am europäischen Aktienmarkt hat die Bewertungen auf hohe Niveaus getrieben. Soll man jetzt noch Aktienfonds kaufen?

Jean-Charles Mériaux:
Es gibt für Investoren keine vernünftige Alternative zu Aktien. Hinzu kommt: Die Unternehmensergebnisse im Euroraum liegen gemessen am Eurostoxx noch zirka 40 Prozent unter den Vorkrisenjahren 2008 und 2009. In Frankreich befinden sie sich gemessen am Aktienindex CAC40 sogar 53 Prozent unter den historischen Höchstständen.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung in den südeuropäischen Ländern ein?


Wir sind der Meinung, dass Aktien von Unternehmen aus diesen Ländern teilweise zu Unrecht abgestraft wurden – etwa Amadeus, ein Unternehmen mit weltweiten Aktivitäten, das mehr oder weniger zufällig in Spanien notiert ist. Daher empfiehlt es sich, immer genau hinzugucken.

Insgesamt sind wir vergleichsweise zuversichtlich für Südeuropa: Das Wirtschaftswachstum in Spanien hat schon wieder eingesetzt – zugegebenermaßen ausgehend von einem niedrigen Niveau. Und in Italien erscheint die neue Regierung pragmatisch und effizient vorzugehen. Auch das lässt auf Besserung hoffen.

Und Ihr Heimatmarkt Frankreich?


Frankreich ist in zweierlei Hinsicht interessant. Große, an der französischen Börse notierte Unternehmen wie Sanofi oder Cap Gemini generieren weniger als 20 Prozent ihres Umsatzes in Frankreich und sind somit relativ unabhängig von der dortigen Situation. Die französische Börse wurde während der Krise ähnlich abgestraft wie die der südeuropäischen Nachbarn, weshalb die Aktien dort jetzt attraktiv bewertet sind.

Wie gehen Sie bei der Titelauswahl vor?


Wir betreiben Stock-picking, das einem Bottom up-Ansatz folgt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Value-Titeln. Hierzu treffen wir etwa 800 Unternehmen im Jahr und analysieren sie nach Dividende, Cash Flow, KGV, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Dividendenrendite. Von besonderer Bedeutung ist zudem der Eindruck, den wir vom Management gewinnen. Und wir unsere Investmententscheidungen unabhängig von Indizes oder quantitativen Kriterien.

Nennen Sie weitere Beispiele für Titel, die Sie zurzeit interessieren?


Etwa Alcatel. Nach einer Umstrukturierung ist aus unserer Sicht die Bilanzsituation gesund, das Unternehmen generiert 2015 voraussichtlich 500 Millionen Euro Cash und kapitalisiert 8 Milliarden Euro. Der Markt hat noch nicht erkannt, dass Telekom-Zulieferer von der Konzentration in dem Sektor profitieren werden.

Auch die Aktie des Unternehmens Daimler in Deutschland erscheint uns noch nicht zu teuer: die neue Produktpalette erscheint uns erfolgreich, und Daimler ist vor allem in den entwickelten Ländern präsent. Wir sind zurzeit etwas vorsichtig bei der Schwellenländerexposition speziell in China.

Wie aber begrenzen Sie bei den Aktienfonds das Risiko?


Den besten Schutz bietet eine sorgfältige Auswahl der Einzelaktien, die Volatilität unserer Aktienfonds liegt häufig 20 Prozent unter derjenigen der Märkte.

Die Suche nach einer risikoarmen Geldanlage, die eine Chance auf positive Renditen bietet, scheint in diesen Tagen wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Was raten Sie risikoscheuen Anlegern, die nicht nur in Aktien investieren wollen?


Es ist tatsächlich schwierig, im aktuellen Umfeld noch Performance mit Zinsinstrumenten zu generieren. Daher raten wir, die Aktienquoten zu erhöhen, und setzen das in unseren Mischfonds entsprechend um. Eine weitere Lösung stellen Absolute-Return-Fonds dar: Im Falle des DNCA Invest Miura setzen wir auf unsere besten Aktienkäufe und „shorten“ dagegen solche Aktien oder ganze Indizes, die uns teuer erscheinen. Hierbei generieren wir eine Rendite, die etwa 4 Prozent über der des Geldmarkts liegt und unabhängig von der Marktentwicklung ist.


Quelle: DNCA Finance - Stand 30. Juni 2014



Quelle: DNCA Finance


Jean-Charles Mériaux

Der 59-Jährige ist CIO und Teilhaber bei der Pariser Investmentboutique DNCA. Der Diplomand der französischen Hochschule HEC verwaltete europäische Aktien zunächst bei Oddo & Cie und LCF Rothschild AM. Seit Oktober 2002 verantwortet Mériaux die Investmentstrategie bei DNCA Finance mit seinem 20-köpfigen Team. Beim DNCA Invest Eurose ist er direkt verantwortlich für die Aktienauswahl, bei den anderen Fonds ist er am Investmentprozess beteiligt.

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