Tim Gardener, Global Head der Institutional Client Group von AXA Investment Managers

Tim Gardener, Global Head der Institutional Client Group von AXA Investment Managers

Investmentkommentar

Smart-Beta-Produkte: Deutlich fortschrittlicher als zuvor

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Smart Beta hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Dennoch gibt es nach wie vor Kritiker der unter diesem Begriff vermarkteten regelbasierten Investmentstrategien. Unter anderem werfen sie den Anbietern vor, dass die Konzentration auf spezifische Faktoren wie Value oder Small Caps eine Vorgehensweise sei, derer man sich schon seit Jahrzehnten bediene, und dass diese darum gar nicht neu sei. „Eine der Beanstandungen, die am häufigsten zu hören ist, erinnert an einen Ausspruch des biblischen Königs Salomon: ‚Es gibt nichts Neues unter der Sonne’“, sagt Tim Gardener, Global Head der Institutional Client Group von AXA Investment Managers.

Und in gewisser Hinsicht stimme das auch, räumt der Investmentstratege ein. Viele der Quant-Strategien, die zu Anfang des Jahrtausends aufkamen, und bei denen die Renditen vorwiegend durch Faktorprämien bestimmt wurden, seien tatsächlich eigentlich Smart-Beta-Strategien gewesen, erklärt der Experte. Da die Fondsmanager ihre Modelle nicht hätten preisgeben wollen, sei ihnen jedoch häufig und zu Recht mangelnde Transparenz vorgeworfen worden. „Die Fondsmanager konnten so Honorare für eine aktive Fondsverwaltung verlangen für etwas, was aus heutiger Sicht im Grunde Beta-Harvesting-Strategien waren.“

„Allerdings“, so entgegnet der Experte den Kritikern, „werben die meisten Anbieter von Beta-Produkten gar nicht damit, faktorbestimmte Strategien erfunden zu haben“. Vielmehr seien sie stolz darauf, dass Investoren erstmals kostengünstig auf diese Strategien zugreifen könnten und transparent darüber informiert würden, welche Faktoren Rendite und Volatilität beeinflussen. „Echte Smart-Beta-Strategien stehen Anlegern nun für 15 bis 25 Prozent der Kosten zur Verfügung, die früher bei faktorbestimmten aktiven Quant-Strategien anfielen. Hinzu kommt, dass ihnen heute ein transparentes regelbasiertes System zugrunde liegt“, macht Gardener deutlich.

Smart-Beta-Produkte wurden im Laufe der Jahre stetig weiterentwickelt

Darüber hinaus werde von den Kritikern nicht berücksichtigt, dass Smart-Beta-Produkte im Laufe der Jahre stetig weiterentwickelt worden seien. „Immer, wenn eine revolutionäre Technologie eingeführt wird, basiert sie normalerweise auf einem Produkt, das durch sie verdrängt wird. Die ersten Kraftwagen stammten auch von den gleichen Herstellern wie heute, aber sahen aus wie selbstfahrende Kutschen.“

So sei es auch mit den Smart-Beta-Produkten, zieht der Experte die Parallele. Die frühen Entwicklungen stammten von denjenigen Anbietern, die über faktorenbasierte, alternative Indizes verfügten. Statt des einen Index bildeten die neuen Produkte einfach einen anderen nach. Diese Vorgehensweise habe, obwohl sie zum damaligen Zeitpunkt sicherlich angemessen war, in gewisser Weise wiederum eigene Probleme geschaffen, wie etwa eine kurzfristige zyklische Performance, unerwünschte Faktorkonzentrationen und Kosten für Umschichtungen.

Die zweite Generation an Produkten werde oft von Grund auf neu entwickelt. Meist von neuen Anbietern, die sich keine Gedanken darüber zu machen bräuchten, ob sie damit der ersten Generation den Garaus machten. Gardener erklärt: „Der Unterschied besteht in etwa darin, statt einer motorisierten selbstfahrenden Kutsche ein Kraftfahrzeug zu entwerfen. Niemand ist mehr daran gebunden, wie es früher gemacht wurde, sondern kann sich voll und ganz darauf konzentrieren, wie es gemacht werden sollte.“ So spiele es für Investmentlösungen keine Rolle, ob ein Produkt Indizes nachbilde oder nicht. Ausschlaggebend sei, dass die vier grundlegenden Elemente von Beta-Harvesting-Strategien beherzigt würden: Transparenz, Regelbasiertheit, eine ausreichende Diversifizierung und geringe Kosten im Vergleich zu aktiven Alpha-Strategien.

Gardeners Resümee: „Mit den heute verfügbaren Smart-Beta-Produkten haben Investoren zum ersten Mal die Möglichkeit, diese Strategien auf kostengünstige und transparente Weise zu nutzen. Immer mehr Anleger erkennen, dass die Fondsbranche es zumindest in einem Bereich geschafft hat, Beta-Harvesting-Strategien zu angemessenen Preisen anzubieten.“