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Erdnussverkäuferin am 24. März 2019 im vom Zyklon verheerten Beira, Mosambik: Anleger können ihr Kapital so lenken, dass Unternehmen zu verantwortlicherer Produktion gezwungen werden. | © Getty Images

Investments in eine nachhaltige Zukunft Wie Unternehmen den Klimawandel angehen

Maarten Bloemen, Templeton Global Equity Group

Vor dem Hintergrund weltweit steigender Temperaturen und extremer Wetterereignisse gibt es inzwischen mehr Akzeptanz für die Herausforderungen, vor denen unser Planet steht. Staaten, Unternehmen, Anleger und Bürger rund um den Globus beginnen allmählich zu handeln.

Das vergangene Jahr war das viertwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Erderwärmung legt zu und die Folgen des Temperaturanstiegs, der Überflutungen, Hitzewellen, Waldbrände, Trockenheit und Dürre verlangen immer aufwendigere Gegenmaßnahmen.

Nach unserer Überzeugung halten die Anleger einen der Schlüssel für die Bewältigung des Klimawandels in den Händen – und jede Lösung dürfte mehr als bloß die Reduzierung der CO2-Emissionen erfordern. Als Asset-Manager können wir mitwirken, Kapital so zu lenken, dass Unternehmen zu verantwortlicherem Handeln veranlasst werden. Wir möchten in Unternehmen investieren, die ihren Geschäftserfolg über mehrere Jahrzehnte im Blick haben, und nicht nur im nächsten Quartal.

Wir führen hier einige Aspekte an, die diesen Ansatz unterstützen könnten:

Nachhaltigkeit

Aus unserer Sicht geht es bei Nachhaltigkeit nicht bloß um die Reduzierung von CO2-Emissionen. Wir arbeiten mit Unternehmen zusammen und prüfen, ob die Unternehmensleitung über eine glaubhafte Strategie für das Management der Risiken und Chancen des Klimawandels verfügt. Nach unserer Erfahrung denken mittlerweile auch größere Unternehmen über die Auswirkungen ihrer Geschäfte auf die Biodiversität nach.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Maßnahmen eines großen schwedischen Unternehmens für Verpackungslösungen. Es stellte auf die Nutzung nachhaltiger Frischfaser-Verpackungen um, für deren Herstellung Energie aus der Abfallholzverbrennung genutzt wird. Nach Ansicht des Unternehmens war dies nachhaltiger als die Nutzung von Recycling-Material, das in der Produktion mehr Strom und Energie aus fossilen Brennstoffen benötigt. Es gibt eine zunehmende Anzahl von Unternehmen, die innovative Lösungen für einen wachsenden Markt mit Umweltbewusstsein entwickeln.

Ein weiteres Beispiel ist ein Unternehmen aus der Wasser- und Abfallbewirtschaftung, das aktive Maßnahmen ergriffen hat, um die Sauberkeit der Einleitungen aus seinen Industrieprojekten zu erhöhen. Dieses Unternehmen zeichnet auch für die Biodiversität der seine Anlagen umgebenden Feuchtgebiete verantwortlich und verwandelte die Umgebung in einen bei Vogelbeobachtern beliebten Wildpark.

Aus unserer Sicht dürfte das zunehmende Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels den Fokus der Anleger auf Unternehmen verlagern, die Maßnahmen zur Einhaltung der Branchenstandards ergreifen.

Von alter zu neuer Energie

Bei unserer Suche nach Anlagechancen bevorzugen wir Unternehmen, die in den vergangenen Jahren einen erheblichen Strukturwandel vollzogen haben, um ihr Geschäft für eine nachhaltigere Zukunft in Stellung zu bringen.

Beispielsweise hat ein dänisches Energieunternehmen die Wärmeerzeugung aus Öl und Erdgas nahezu vollständig aufgegeben und ist mittlerweile landesweit einer der führenden Betreiber von Offshore-Windparks.

Heute konzentriert sich das Unternehmen nahezu vollständig auf erneuerbare Energie. Es sucht und erschließt geeignete Standorte, steuert und wartet die Anlagen und speist Energie ins Stromnetz ein. Aus unserer Sicht stellen Unternehmen zunehmend in großem Maßstab auf erneuerbare Energie um, und die Anleger scheinen das riesige Potenzial in dieser Branche zu erkennen.

Kampf gegen Kunststoff

Zwar liegt unser Fokus hauptsächlich auf den Klimafolgen eines Unternehmens, doch betrachten wir auch andere umweltbezogene Aspekte.  Wir führen mit großen Unternehmen direkte Gespräche darüber, wie sie die Nutzung von Kunststoff aus unserer Sicht reduzieren können und sollten.

Wir beobachten, dass sich bei der Nutzung von Kunststoff auch die wirtschaftliche Seite ändert. Die Kunststoffherstellung ist äußerst energieintensiv, doch könnte eine effiziente Kohlenstoff-Bepreisung den Kostendruck erhöhen und die Unternehmen davon abhalten, zu viel Kunststoff herzustellen.

Datenpunkte helfen, Ziele zu erreichen

Eine der größten Herausforderungen für uns besteht darin, die Unternehmen zu erkennen, die wirklich an die Erreichung bedeutender Veränderungen durch ihre Produkte und Geschäfte glauben.

Wir nutzen im Anlageuniversum bei der Suche nach Chancen mit Bezug auf den Klimawandel einen Mix aus externen Daten und firmeneigenen Analysen. Mit dem stärkeren Fokus auf den Umweltdaten der Unternehmen könnten einige von ihnen versucht sein, ihr Engagement für Nachhaltigkeit zu übertreiben. Zu verstehen, ob Nachhaltigkeit wirklich in der DNA eines Unternehmens verankert ist, ist für uns wesentlich.

Ein nach unserer Ansicht hilfreicher Datenpunkt ist die Science-Based Targets Initiative (SBTi). Mithilfe dieser Initiative soll beurteilt werden, ob Unternehmen genug tun, um den globalen Temperaturanstieg auf 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau, dem langfristigen Ziel des Pariser Abkommens, zu begrenzen. Derzeit erfüllen nur 169 Unternehmen weltweit die Kriterien, doch der Fokus des SBTi sowohl auf dem internen Geschäftsbetrieb als auch den Umweltfolgen der Unternehmensprodukte ermöglicht die Beurteilung, ob ein Unternehmen genug für die Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens tut.

Zur Bewältigung dieser Herausforderung verfolgen wir den Ansatz, nicht nur die Unternehmensleitung, sondern auch Personen aller Organisationsebenen zu treffen. Wir machen Besuche vor Ort und sprechen mit Regionalleitern oder Arbeitern in der Werkhalle. Wir als Asset-Eigentümer und Manager können unsere Anstrengungen bündeln und Unternehmen zu mehr Verantwortlichkeit für eine nachhaltige Zukunft ermutigen.

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