Wieder reges Treiben im Hauptbahnhof von Wuhan: In China ist ein Wiederanstieg des Bruttoinlandsprodukts auf 6 Prozent zu erwarten | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Investments in Schwellenländer

Was wir jetzt von China lernen können

Geoffrey Wong, Head of Emerging Markets and Asia-Pacific Equities bei UBS Asset Management

China hat sich nach den anfänglichen Schwierigkeiten in Wuhan gut aufgestellt. Zwei Faktoren waren dabei entscheidend. Erstens: Sehr strenge soziale Distanzierungs- und Quarantänemaßnahmen. Zweitens: Weitverbreitete Tests und Kontaktverfolgung von Personen. Insbesondere das rasche und entschlossene Handeln der chinesischen Regierung gab den Ausschlag für eine rasch abflachende Infektionskurve.

Auswirkungen auf das BIP Chinas

Das BIP der chinesischen Wirtschaft dürfte in nächster Zeit wieder auf 5 bis 6 Prozent ansteigen. Insbesondere Chinas Kreditimpuls sollte jetzt in den Blick genommen werden – also die Wachstumsrate der Gesamtkredite in der Wirtschaft als Prozentsatz des gesamten BIP. Vor allem, da der Kreditfluss in enger Korrelation mit den Aussichten für die Wirtschaft in den kommenden sechs bis neun Monaten steht.

Der Kreditimpuls dreht in den positiven Bereich – es wäre wenig überraschend, wenn er in den kommenden Monaten deutlich zunehmen würde. Vor allem die chinesische Regierung hat bei der Versorgung der Realwirtschaft mit Bargeld hervorragende Arbeit geleistet.

Hayden Briscoe, Head of Asia Pacific Fixed Income bei UBS Asset Management

Lohnt sich ein Investment in China?

Die langfristigen Aussichten für bestimmte Unternehmen und Branchen bleiben unverändert gut. Die auf mittlere Sicht zu erwartende Marktlage wird eine komplexe Mischung aus sehr schlechten Wirtschafts- und Ertragsdaten, wirtschaftspolitischen Impulsen und dem Joker des technologischen Fortschritts sein. Für Anleger gilt daher: Sie sollten jetzt die Kurse von für sie interessanten einzelnen Aktien mit überzeugenden Kennzahlen genau im Blick behalten und über Investments nachdenken, solange diese langfristig gehalten werden sollen.

China sollte im Portfolio als eigenständige Allokation angesehen werden. Die globalen Märkte haben etwa 25 Prozent verloren; der chinesische A-Aktienmarkt ist hingegen nur etwa um 3 Prozent zurückgegangen. Der Markt für A-Aktien hat eine sehr unterschiedliche Investorenbasis, die von inländischen Privatanlegern dominiert wird. Obwohl Stock Connect immer mehr an Bedeutung gewinnt, haben inländische Investoren in China wenige Möglichkeiten, ihr Geld im Ausland zu investieren, weshalb der Fokus auf dem Inland liegt. Diese Investoren werden von anderen Faktoren beeinflusst als beispielsweise Anleger in den USA oder Europa – daher ist die Korrelation zwischen den Märkten gering.

Die inländischen chinesischen Bürger sind durch die Entschlossenheit ihrer Regierung in dieser Zeit beruhigt – und so präsentieren sich die chinesischen Märkte relativ stabil. Die fehlende Korrelation zwischen dem, was in China und dem Rest der Welt geschieht, ist also ein sehr starkes Argument dafür, warum globale Investoren chinesische A-Aktien als eine separate Anlageklasse betrachten sollten.

Mit einem moderaten Anteil von chinesischen A-Aktien in einem globalen Portfolio senken Anleger ihr Gesamtportfoliorisiko. Das dürfte derzeit das stärkste Argument für China als separate Anlageklasse sein.

Länder wie Taiwan und Hongkong dürften ihre aktuell geltenden Quarantänebestimmungen ausweiten. Es wird zu einer umfassenderen wirtschaftlichen Verlangsamung kommen – was positiv für chinesische Assets sein dürfte. Denn: Die konjunkturelle Eintrübung in der Weltregion dürfte in China weitere Zinssenkungen und höhere Liquidität auslösen – womit die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Aktienrallye steigen dürfte.

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