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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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5G-gesteuertes Zustellfahrzeug in Peking: Anleger sollten über Technologie-Aktien aus Schwellenländern als Beimischung nachdenken. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Investments in Schwellenländern

China – Technologie als Wachstumstreiber

Schwellenländer werden nicht zwangsläufig Entwicklungsmustern folgen, die den Industrienationen ähneln. Ausschlaggebend dafür: In Schwellenländern gibt es keine althergebrachte technologische Infrastruktur, die modernisiert werden müsste. Stattdessen ist der sofortige Schritt in Technologien der nächsten Generation möglich – dies dürfte weitere Innovationen und neue Geschäftsmodelle fördern. Tatsächlich sind mehrere Schwellenländer in Bereichen wie E-Commerce, digitaler Zahlungsverkehr und Mobile Banking bei Innovationen führend – dieser Trend dürfte sich fortsetzen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Patentanmeldungen. So hat China die USA und Japan in den vergangenen Jahren sehr deutlich überholt (Grafik). Das dürfte nicht zuletzt mit dem Wachstum der chinesischen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) zusammenhängen. Die niedrigeren Kosten für die Entwicklung und Wartung von Technologie-Software wirken ebenfalls unterstützend.

China baut seine Marktposition weiter aus

China verfügt außerdem bereits über vier Millionen Sendemasten der vierten Generation (4G) – mehr als die Hälfte aller 4G-Basisstationen weltweit und 15 Mal mehr als in den USA. Es ist daher nicht verwunderlich, dass China bei der Netzabdeckung unter den großen Volkswirtschaften eine Führungsposition einnimmt. Die Kosten für Datenübertragung in China betragen nur einen Bruchteil der Kosten im Westen – daher ist die Technologie in der chinesischen Bevölkerung weit verbreitet. Bei der Entwicklung der 5G-Technologie dürfte China ebenfalls Vorreiter werden.

Angesichts der Pandemie ist die Internetnutzung unverzichtbar geworden: Immer mehr Menschen müssen von zu Hause arbeiten und, um im Wettbewerb mitzuhalten, sich außerhalb der gewohnten Muster weiterbilden. Aufgrund der daraus resultierenden steigenden Nachfrage nach IT-Kapazitäten dürften Südkorea und Taiwan profitieren – immerhin sind die beiden Länder die größten Halbleiterhersteller der Welt.

Beispiel Samsung Electronics: Der südkoreanische Konzern hat sich seit den 1970er Jahren vom Fernsehgerätehersteller zu einem Marktführer von Speicherchips entwickelt. Derweil stammen einige der leistungsfähigsten Chips, die in einer Vielzahl von Geräten – vom Smartphone bis zum Server – zum Einsatz kommen, von der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC).

Bildung und E-Commerce als Krisenprofiteure

In Krisenzeiten sind Unternehmen gezwungen, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Im Zuge des Corona-Virus-Ausbruchs in China war der Bildungsdienstleister „New Oriental“ imstande, sämtliche Unterrichtseinheiten ins Internet zu verlagern. Auf mittlere bis lange Sicht ist zu erwarten, dass in China eine weitere Beschleunigung im Bereich Online-Nachhilfe stattfindet.

Auch der E-Commerce-Riese Alibaba hat sich breiter aufgestellt und expandiert in neue Sektoren. Während des Lockdowns gewährte Alibaba freien Zugang zu seiner Kommunikations-App, sodass 600.000 Lehrer Fernunterricht erteilen konnten. Zusätzlich erhöhte das Unternehmen die Anzahl von Livestreaming-Sitzungen auf seiner E-Commerce-Plattform.

Für chinesische Verbraucher sind Livestreaming-Dienste bei der Suche nach neuen Produkten und Rabatten zu einer wichtigen Alternative zu bisherigen Shopping-Mustern geworden. Händler müssen sich daher rasch anpassen, nicht nur, um die Verluste im Offline-Geschäft auszugleichen, sondern auch um die Kundenbeziehungen zu fördern.

Die Pandemie hat die Digitalisierung rund um den Globus beschleunigt und verändert die Gesellschaften vemutlich dauerhaft. Insbesondere das Konsumverhalten wird in Zukunft in Teilen wohl nicht mehr wiederzuerkennen sein – wie wir einkaufen, uns weiterbilden und Gesundheitsdienstleistungen nutzen.

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