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Wissenschaftlerin der Universität Duisburg-Essen: An der Jagd nach dem Corona-Impfstoff sind eine ganze Reihe von Pharmaunternehmen beteiligt.  | © imago images / Olaf Döring Foto: imago images / Olaf Döring

Investments in Zukunftstechnologien

Biotech-Spritze für das Depot

Lydia Haueter, Senior Investment Manager bei Pictet AM

Ein Corona-Impfstoff wäre der schnellste Weg zum Sieg über das Virus. Derzeit besteht durchaus Hoffnung – da einige Unternehmen gerade erste Tests an Probanden durchführen. Der vielleicht aussichtsreichste Weg für die Forschung ist dabei die Boten-RNA (mRNA) – hier wird der Körper im Wesentlichen als „Bioreaktor“ genutzt, um selbst einen Impfstoff zu produzieren. Bei diesem Verfahren erhalten die Zellen eine molekulare Vorlage, die nötig ist, um Virusproteine zu bilden. Diese Proteine dienen dann als auslösender Impuls für die Produktion von Antikörpern.

Rückkehr zur Normalität bald möglich?

Das derzeitige Problem: Das mRNA-Verfahren wurde noch nie getestet. Die erste Hürde besteht insbesondere darin, dass eine Antikörper-Reaktion hervorgerufen werden muss, die stark genug ist. Ob dies möglich ist, wird gerade in einer Phase 1-Studie untersucht – die voraussichtlich ein Jahr dauern wird. Traditionellere Impfstoffe könnten vielleicht schneller entwickelt werden, aber auch hier dauert es mindestens zwölf Monate bis zur Zulassung.

Quelle: Pictet Asset Management, Biocentury

Eine rasche Lösung, wenn auch in kleinerem Maßstab, könnte aus der Therapeutik kommen. Einige Biotech-Unternehmen arbeiten gerade daran, Antikörper gegen das Corona-Virus künstlich im Labor zu züchten. Diese Antikörper sollen neutralisierend wirken – dabei heften sie sich wie eine Klette an die Virusoberfläche. Damit wird verhindert, dass sich das Virus an eine Zelle bindet und sich dann im ganzen Körper ausbreitet. Die Antikörper könnten prophylaktisch der gefährdetsten Personengruppe injiziert werden.

Eine Alternative zur Produktion von Antikörpern ist deren Gewinnung aus Blutplasma von bereits geheilt Personen – diese Vorgehensweise erwies sich schon bei der SARS-Epidemie im Jahr 2002/03 als erfolgreich.

Unter den Biotech-Unternehmen gibt es einzelne Hoffnungsträger

Aktuell arbeiten Wissenschaftler an der Entwicklung beziehungsweise an Anpassungen verschiedener Arzneimittel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Höchste Priorität haben dabei insbesondere antivirale Mittel, die die Vermehrung des Virus im Körper stoppen oder verlangsamen können. 

Als eines der fortschrittlichsten Mittel gilt bislang Remdesivir von Gilead Science. Das Arzneimittel wurde ursprünglich gegen Ebola eingesetzt, wird jetzt aber für die Behandlung des Corona-Virus getestet. Doch eine neue Studie aus China dämpft die Hoffnungen. Das Mittel habe den Zustand der Patienten nicht verbessert, die Studie sei abgebrochen worden, hieß es jüngst.

Ein weiterer Forschungsbereich umfasst die schwerwiegenden Komplikationen, die in den späteren Phasen der Virusinfektion auftreten können. In diesen Fällen greift das menschliche Immunsystem den eigenen Körper an. Auf die Unterdrückung dieser Überreaktion zielen vor allem Arzneimittel ab, die für die Behandlung der Krankheit in späteren Stadien bestimmt sind, wie Kevzara von Regeneron Pharmaceuticals.

Lockdowns hemmen die Impfstoffentwicklung

Derzeit können zahlreiche Biotech-Unternehmen nicht auf Hochtouren forschen und entwickeln – auch sie werden durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausgebremst. Vor allem die Durchführung klinischer Studien am Menschen gestaltet sich aufgrund der Beschränkungen viel schwieriger – was dementsprechend Ergebnisse von Studien verzögert. Auch der Vertrieb neuer Arzneimittel gerät ins Stocken.

Darüber hinaus ist die Herstellung von Arzneimitteln durch vorübergehende Werksschließungen und fehlende Rohstoffe zum Erliegen gekommen – einige der großen Produktionsanlagen beispielsweise für Ibuprofen sind aufgrund ihrer geografischen Lage stark beeinträchtigt. Son sind in der chinesischen Provinz Hubei und in der Lombardei in Italien wichtige Hersteller angesiedelt. Auch der Druck, der auf den Finanzmärkten lastet, erschwert besonders jüngeren, weniger etablierten Biotech-Unternehmen die Beschaffung von frischem Kapital.

Anleger sollten wissen: Auch wenn mögliche Behandlungsstrategien gegen das Corona-Virus die Schlagzeilen beherrschen, werden die beteiligten Unternehmen den Preis möglichst niedrig halten müssen.

Pictet erhöht Allokation in rentablen Large-Caps

Investments in die Biotech-Branche sind mit Unsicherheiten verknüpft – Arzneimittel können erfolgreich sein oder scheitern, Patente können gewährt oder entzogen werden. Der Sektor hat sich jedoch in der Vergangenheit, besonders in Zeiten von Marktturbulenzen und Rezession, gut behauptet. Die zyklische Branche erweist sich in der gegenwärtigen Corona-Pandemie widerstandsfähiger als während der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und in der Finanzkrise im Jahr 2008. Die Biopharma-Industrie ist Teil der Lösung, wodurch sich aussichtsreiche Anlagechancen eröffnen.

Die Biotech-Strategie von Pictet konzentriert sich auf wichtige Therapien mit hoher Wirkung und wendet ein hauseigenes Scoring-System an, das jedes Arzneimittel hinsichtlich der Schwere der zu behandelnden Krankheit, seiner Wirkung, seiner Erschwinglichkeit und Zugänglichkeit – einschließlich der Kostenübernahme durch Krankenkassen – sowie der Wettbewerbsposition im Vergleich zu ähnlichen Arzneimitteln, die bereits auf dem Markt sind oder gerade entwickelt werden, bewertet.

Das Portfolio enthält Unternehmen, die sich unter anderem auf die Behandlung seltener Krankheiten, Onkologie und Probleme des zentralen Nervensystems konzentrieren. In den vergangenen Wochen haben die Portfoliomanager die Allokationen in einigen rentablen Large-Caps mit üppigem Liquiditätspuffer erhöht, da sie diese für sehr aussichtsreich erachten. Wie das 12-Monats-KGV zeigt, ist die Branche so günstig wie seit Jahren nicht mehr, sowohl nominal als auch im Verhältnis zum breiten Markt. 

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