Investoren fürchten Blasen bei Internet und Immobilien

Die an der Umfrage teilnehmenden Investoren, Analysten und Händler sind zu 82 Prozent der Auffassung, dass Aktien von Internet- und Social-Media-Unternehmen entweder auf oder nahe einem nicht haltbaren Niveau gehandelt werden. Chinesische Wohnimmobilienpreise sind laut 73 Prozent der Teilnehmer auf einem vergleichbaren Niveau, 69 Prozent sehen Londoner Eigenheime auf oder kurz vor Blasen-Niveau.

“Die Liquidität ist immer noch reichlich und die Zentralbanken wollen die Konjunktur ankurbeln”, sagt Kenneth Broux, Stratege bei Société Générale SA in London, der an der Umfrage teilnahm. “Immobilien sind der offensichtliche Kandidat für eine Blase.”

Die Umfrage ist ein Alarmsignal, dass fünf Jahre nach der kreditgetriebenen Finanzkrise die Anleger spekulative Übertreibungen wahrnehmen. In anderen Bereichen ist der Überschwang geringer; so haben die Investoren ihren Optimismus hinsichtlich des Ausblicks für die Weltwirtschaft, Aktien und US-Anlagen gegenüber der vorherigen Umfrage im September zurückgenommen.

Rund ein Drittel der Befragten sehen US-Staatsanleihen in einer Blase, 27 Prozent konstatieren nicht haltbare Niveaus an den Anleihemärkten. Die rekordniedrigen Leitzinsen und die Anleihekäufe der Federal Reserve haben dazu beigetragen, die Rendite der zehnjährigen Treasuries zu dämpfen, die in diesem Jahr unter der Marke von drei Prozent geblieben ist und am Donnerstag bei 2,79 Prozent lag.

An den weltweiten Aktienmärkten konstatieren nur 20 Prozent der Umfrageteilnehmer ein Blasenniveau, allerdings sehen weitere 45 Prozent die Kursniveaus in der Nähe eines solchen. Der MSCI World Index hat in den vergangenen zwölf Monaten 26 Prozent zugelegt und erreichte in dieser Woche den höchsten Stand seit 2007.

Schwellenmärkte machen den Investoren weniger Sorgen. Hier sehen lediglich elf Prozent hohe Bewertungen, während 58 Prozent keine Blasenbildung erkennen.

Neben den Sorgen wegen möglicher Blasen lassen die Umfrageteilnehmer ein geringeres Vertrauen in die Entwicklung der großen Volkswirtschaften und Aktienmärkte im nächsten Jahr erkennen. 17 Prozent sehen eine Verschlechterung der weltweiten Konjunktur - das ist der höchste Anteil seit Mai. Immerhin die Hälfte erwartet eine stabile Entwicklung. Am pessimistischsten zeigten sich dabei die US-Investoren: mehr als jeder fünfte geht von einer Abwärtsbewegung der weltweiten Konjunktur aus, während dies in Europa nur 15 Prozent und in Asien 13 Prozent annehmen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat in dieser Woche ihre Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum gesenkt, da die Konjunktur in den Schwellenmärkten abkühlt. Für dieses Jahr erwartet die OECD ein weltweites Wachstum von 2,7 Prozent und für 2014 von 3,6 Prozent, während sie im Mai noch von 3,1 Prozent und vier Prozent ausging.

In der Bloomberg-Umfrage konstatieren 27 Prozent einen langsameren Konjunkturgang in der Eurozone, verglichen mit 61 Prozent in der Mai-Umfrage. Dagegen ist der Anteil derer, die in Japan eine Konjunkturverbesserung sehen, von 59 Prozent vor zwei Monaten auf 44 Prozent gesunken. In den USA sehen 54 Prozent der Umfrageteilnehmer eine bessere Konjunktur, rund ein Drittel konstatiert eine stabile Entwicklung und 13 Prozent eine Verschlechterung.

Regional erwarten die Befragten zu 40 Prozent im nächsten Jahr in den USA die besten Erträge, während im September noch 51 Prozent dies annahmen. Die schlechtesten Erträge erwarten 19 Prozent in den USA, verglichen mit neun Prozent in der vorhergehenden Umfrage. Rund ein Drittel sehen Chancen auf gute Gewinne in der Eurozone. Dagegen betrachten 27 Prozent Brasilien als einen Markt, den man nächstes Jahr meiden sollte.

Was einzelne Anlageklassen betrifft, erwartet die Hälfte der von Bloomberg Befragten bei Aktien die größten Erträge im nächsten Jahr, während 17 Prozent dies bei Immobilien sieht. Bonds werden nach Einschätzung von 41 Prozent der Umfrageteilnehmer am schlechtesten abschneiden.

Allerdings ist der Anteil derer, die ihr Geld in den nächsten Monaten verstärkt in Aktien anlegen wollen, von 52 Prozent im September auf 41 Prozent gesunken. 35 Prozent bevorzugen den US-Dollar und 30 Prozent Immobilien. Gleichzeitig senken 56 Prozent ihre Positionen bei Treasuries und 40 Prozent fahren ihr Engagement beim japanischen Yen und Staatsanleihen aus Japan zurück. Etwa ein Drittel zieht sich aus europäischen Staatspapieren zurück - das ist der niedrigste Anteil seit Dezember 2011, als dies erstmals in der Umfrage erhoben wurde.

Die hohe Beliebtheit von Bargeld ist ein Anzeichen für die Zurückhaltung der Investoren. Mehr als ein Viertel der Befragten erhöht seine Bargeld-Bestände, das sind so viele wie zuletzt im September 2012.

Die Umfrage unter 750 Bloomberg-Kunden wurde am 19. November von dem Marktforscher Selzer & Co. aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa durchgeführt. Sie hat eine Fehlermarge von plus/minus 3,6 Prozentpunkten.

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