Investoren-Umfrage zu Europa

EZB tut zu wenig

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Mehr als ein Drittel beschrieb die wirtschaftliche Lage in der Region als schlechter werdend - das ist der höchste Anteil seit Mai 2013, als Europa gerade aus der Rezession herauskam. Siebenundsiebzig Prozent der Befragten sehen in Disinflation oder Deflation eine größere Gefahr als in der Inflation für die nächsten zwölf Monate, wie aus der Umfrage vom 15. und 16. Juli hervorgeht.

“Die Wirtschaft der Eurozone verschlechtert sich”, sagt Umfrageteilnehmer Cyril Blaise, Vice President bei Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA in Madrid. “Die europäischen Banken sind mehr daran interessiert, ihre Schulden abzubauen. Sie wandeln das günstige” Geld der Zentralbank nicht in Kredite um.

Die zunehmenden Sorgen über die Lage in Europa drückten weltweit auf die Stimmung der befragten Investoren, Händler und Analysten, die Bloomberg-Kunden sind. Nur etwas mehr als ein Drittel von ihnen sah eine Verbesserung der Weltwirtschaft - so pessimistisch hatten sie die Lage seit November nicht mehr eingeschätzt. Rund 44 Prozent sahen eine stabile Entwicklung und weniger als ein Fünftel beobachtete eine Verschlechterung.

Um die Eurozone zu stärken, hatte EZB-Chef Mario Draghi im vergangenen Monat ein beispielloses Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. So wurden die Leitzinsen auf ein Rekordtief gesenkt, ein negativer Einlagensatz eingeführt und Banken weitere günstige Kredite zur Verfügung gestellt. Trotz all dieser Schritte erklärten 30 Prozent der Befragten, dass die Geldpolitik der EZB nach wie vor zu restriktiv sei. Fast 40 Prozent hielten sie für etwa richtig und weniger als jeder Vierte sah sie als zu locker an.

“Ich bin skeptisch, ob die geldpolitischen Entscheider die Lage wirklich vollständig erfassen, und befürchte, dass die Politik weiterhin den Ereignissen hinterherlaufen wird”, sagt Mike Jensen, Chief Investment Officer des britischen Lancashire County Council Pensionsfonds, der an der Umfrage teilnahm.

Im Juni betrug die Inflation in der Eurozone lediglich 0,5 Prozent und damit ein Viertel des angestrebten Richtwerts der Zentralbank. Die Arbeitslosigkeit lag im Mai bei 11,6 Prozent und hat sich damit seit dem Rekordhoch vom Februar 2013 bei 12 Prozent nur wenig verbessert. In der vergangenen Woche drückten zudem die Nachrichten von der portugiesischen Bank Banco Espirito Santo SA auf die Stimmung, deren Muttergesellschaft eine kurzfristige Anleihe nicht bediente.

Auch wenn die Befragten der EZB-Politik nur eine mittelmäßige Note gaben, tat dies ihrer Einschätzung Draghis keinen Abbruch. Fast drei Viertel beurteilen ihn positiv, womit er die beste Note seit seinem Amtsantritt im November 2011 erhielt. Janet Yellen, die Chefin der Federal Reserve, wurde von 67 Prozent als positiv angesehen.

Der Pessimismus hinsichtlich der Eurozone ist inzwischen milder als in der Vergangenheit, als die Anleger die weitere Existenz der Währungsunion in Frage stellten. Sechsunddreißig Prozent sahen die Wirtschaft der 18 Länder als stabil an. Im Dezember 2011 auf der Höhe der Euro-Krise, waren es lediglich neun Prozent.

Fast ein Viertel der Investoren rechnet damit, dass die europäischen Märkte im Verlauf der nächsten zwölf Monate die besten Renditen bieten. Optimistischer werden nur die USA angesehen, für die 38 Prozent der Befragten die beste Performance voraussagen.

“Die Euro-Aktienmärkten sind den angelsächsischen Aktienmärkten seit fast zwei Jahren hinterhergehinkt”, sagt Peter M. Rup, Gründer und Chief Investment Officer bei Artemis Wealth Advisors, LLC in New York. “Sie bieten bessere Bewertungen und ihnen wird Kapital zufließen, sobald es aufwärts geht.”

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