Wer in die sogenannten Minimum-Volatility-ETFs investiert, setzt bewusst auf Aktien innerhalb eines Investmentuniversums, bei denen die Wertschwankungen, die als Volatilität bezeichnet werden, historisch am geringsten ausgefallen sind.
Die Volatilität einer Aktie wird auf Basis ihrer historischen Kursdaten über die Standardabweichung berechnet und gilt als eine der aussagekräftigsten Risikokennzahlen. Aktien, die eine besonders hohe Volatilität aufweisen, werden dabei als eher risikoreich klassifiziert und können höhere Verlustrisiken mit sich bringen. Gleichzeitig bieten stark schwankende Aktien allerdings auch höhere Renditechancen.
Doch um diesen Typus geht es bei Minimum-Volatility-Strategien nicht, denn hier wird um stark schwankende Aktien bewusst ein großer Bogen gemacht. Im Vordergrund stehen stattdessen stabile Aktien mit geringeren Schwankungen, bei denen basierend auf der historischen Kurszeitreihe im Vergleich zum eingegangenen Risiko eine überdurchschnittliche Rendite zu erwarten ist. Minimum-Volatility-ETFs gelten daher auch als die defensiven Strategiebausteine im Portfolio, die ihre Stärken vor allem in unruhigen Zeiten an den Kapitalmärkten ausspielen können.
Minimum-Volatility-ETF: 174 ausgewählte Aktien
Als Investmentuniversum dient der MSCI Europe Index, der die Wertentwicklung von Large- und Mid-Caps aus 15 europäischen Industrieländern abbildet. Der Index setzt sich aus über 400 Aktien zusammen, wobei Finanztitel dominieren, gefolgt von Industriewerten und Gesundheitsaktien.
Der iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF investiert in eine Auswahl von rund 174 Titeln aus dem Universum des MSCI Europe. Auf diese Weise soll die Performance des MSCI Europe Index durch Risikodiversifikation mit der absolut niedrigsten Renditevolatilität erzielt werden. Während Gesundheitsaktien im Minimum-Volatility-ETF deutlich höher gewichtet sind, werden Finanz- und Industrietitel weniger stark berücksichtigt. Stattdessen rücken Unternehmen aus defensiveren Sektoren, wie Hersteller von Basiskonsumgütern und Versorger, bei der Minimum-Volatility-Strategie stärker in den Fokus.
iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF: 9 Prozent pro Jahr
Der iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF (ISIN: IE00B86MWN23) wurde bereits im November 2012 als thesaurierender Aktien-ETF in Irland aufgelegt. Dabei wird der MSCI Europe Minimum Volatility Index physisch optimiert abgebildet. Das Fondsvolumen beträgt mehr als 1,1 Milliarden Euro und spiegelt das Interesse an der Anlagestrategie wider. Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,25 Prozent pro Jahr – akzeptable Konditionen für einen Strategie-ETF. Dennoch ist der iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF deutlich teurer als seine Benchmark, der iShares Core MSCI Europe ETF (ISIN: IE00B4K48X80), bei dem sich die Gesamtkostenquote (TER) lediglich auf 0,12 Prozent pro Jahr beläuft.
Seit seiner Auflage vor mehr als zwölf Jahren konnte der iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF um mehr als 160 Prozent an Wert zulegen. In den vergangenen fünf Jahren ging es um 56 Prozent aufwärts, was einer jährlichen Rendite von gut 9 Prozent entspricht. Auch kurzfristig kann der iShares-ETF überzeugen. Über ein Jahr beträgt die Wertsteigerung gut 14 Prozent, während der iShares Core MSCI Europe ETF seinen Wert im gleichen Zeitraum lediglich um 6 Prozent steigern konnte.
Diversifikation: Top 10 mit einem Anteil von lediglich 15 Prozent
Der iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF weist eine gute Diversifikation ohne Klumpenrisiken auf. Die Top 10 machen lediglich 15 Prozent des Portfolios aus.
Größte Position mit einem Anteil von 1,7 Prozent ist derzeit die spanische Iberdrola, einer der größten Energieversorger der Welt mit Stromversorgungsbetrieben in fast 40 Ländern. Das Unternehmen verfügt über ein 53-Gigawatt-Portfolio aus Wasser-, Wind-, Erdgas-, Kohle- und Kernkraftwerken. Mit einem Drittel seines Portfolios ist es sogar der größte Eigentümer von Windparks weltweit.










Es folgt, ebenfalls mit einem Anteil von rund 1,7 Prozent, die Deutsche Telekom, der etablierte Telekommunikationsdienstleister aus Deutschland. Die Deutsche Telekom bietet Telekommunikationsdienste im Festnetz und Mobilfunk in mehreren Ländern an.
Stabilität fürs Portfolio
Die Volatilität des iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility ETF fällt kurz- und mittelfristig deutlich geringer aus als die des MSCI Europe – und auch bei der Performance muss sich der Minimum-Volatility-ETF nicht verstecken. Insbesondere in unsicheren, schwankungsanfälligen Zeiten können Minimum-Volatility-ETFs ihre Stärken ausspielen und bieten mehr Stabilität. So reduzieren Investoren über ihren aktiven Einsatz im Portfolio ihr Gesamtanlagerisiko.
Möglicherweise reagieren Minimium-Volatility-ETF langsamer und weniger dynamisch auf Marktchancen, doch langfristig bieten sie oftmals stabilere und beständigere Renditen. Eine sinnvolle Ergänzung für alle, die Stabilität für ihr Portfolio suchen, ganz nach dem Motto: „Die nächste Krise kommt bestimmt!“.