Christin Jahns

Vom Hype zum Albtraum Der Absturz des iShares Global Clean Energy ETF und was du daraus lernen kannst

Erneuerbare Energien in Schieflage
Erneuerbare Energien in Schieflage: Der iShares Global Clean Energy ETF hat 2023 massiv an Wert verloren.
© Christin Jahns mit Canva

Die Welt verändern, das Klima retten und ganz nebenbei eine Menge Geld verdienen: Ein Mix, der viele, gerade junge Anleger, überzeugt hat. Während der Corona-Krise gehörte der iShares Global Clean Energy ETF zu den börsengehandelten Indexfonds mit den höchsten Mittelzuflüssen in Europa. Von Anfang 2019 bis Ende 2021 wuchs das verwaltete Vermögen von überschaubaren 100 Millionen auf gigantische 6,1 Milliarden Euro an.

So kometenhaft wie der Aufstieg war, so rasant ging es auch wieder bergab. Von den ehemals 6,1 Milliarden Euro waren zum Ende des dritten Quartals 2023 nur noch knapp vier Milliarden übrig.

Doch wie kam es zu dieser Achterbahnfahrt? Um das zu erklären, fangen wir am besten ganz von vorne an.

Tragödie des iShares Global Clean Energy ETFs

Der iShares Global Clean Energy wurde im Juli 2007 von Barclays Global Investors (BGI) aufgelegt, die 2009 von Blackrock übernommen wurden. Mit seinem stolzen Alter von 14 Jahren ist er der älteste Indexfonds in der Kategorie „Aktien alternative Energien“. Der zugrunde liegende Index ist der S&P Global Clean Energy, der damals 30 Aktien von kleinen und mittelgroßen Unternehmen umfasste.

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Angesichts seiner Auflage direkt vor der Finanzkrise erwischte der ETF leider keinen guten Start. Anleger, die direkt Anfang August 2007 investierten, verloren bis Ende Juli 2010 rund 62 Prozent. Bis Ende 2018 dümpelte der Indexfonds dann überwiegend vor sich hin. 2011 und 2014 verzeichnete er zwar kurzfristig Gewinne, die sich dann jedoch wieder in Verluste verwandelten. Ali Masarwah, Fondsanalyst und Geschäftsführer von Envestor, erklärt das auf seiner Website mit dem Aufschwung und Absturz der europäischen Solarbranche. Diese litt vor allem unter der billigen Konkurrenz aus China und dem Wegfall von Subventionen.

Aufstieg, Hype und Indexchaos

Das Momentum des iShares Global Clean Energy begann 2019. Angetrieben von den Pariser Klimabeschlüssen erlebte der ETF nun einen enormen Aufschwung. Der Fondspreis verteuerte sich von Anfang 2019 bis Ende 2022 um satte 165 Prozent.

Schon bald drohte jedoch neue Unruhe. Fonds zum Thema grüne Energie waren Teil des Meme-Aktien-Hypes, der 2020 und 2021 viele Kurse auf ungeahnte Höhen trieb. Der iShares Global Clean Energy wurde 2020 mit einem Plus von 120 Prozent zum Marktgestalter und zwang den S&P-Index zu zwei Notbremsen. Die beiden iShares ETFs in Europa und den USA hielten zeitweilig jeweils acht Prozent bei sechs von 30 Index-Unternehmen, wie Masarwah erläutert. Die Zahl der Aktien im Index wurde daraufhin von 30 auf 100 erweitert. Hinzu kamen beispielsweise Unternehmen aus den Schwellenländern. Darüber hinaus wurde die thematische Definition erweitert, sodass auch Unternehmen in den Index aufgenommen werden konnten, die nicht ausschließlich im Bereich erneuerbare Energien aktiv sind.

iShares Global Clean Energy Ucits ETF im Überblick

 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024
  • Kategorie: Aktienfonds Umwelt / Klima / Neue Energien Welt
  • ISIN: IE00B1XNHC34
  • Wertentwicklung laufendes Jahr: -34,5 Prozent
  • Wertentwicklung 5 Jahre: 65,8 Prozent (10,6 Prozent p.a.)
  • Wertentwicklung 10 Jahre: 81 Prozent (6,1 Prozent p.a.)
  • Management: Blackrock Asset Management
  • Auflage: 6. Juli 2007
  • Fondsvolumen: 3.973,88 Millionen US-Dollar
  • Laufende Kosten: 0,72 Prozent
  • Volatilität 5 Jahre: 32,1 Prozent
  • Max. Wertverlust: 88,8 Prozent
 

Top-Holdings

  • First Solar ist ein führendes Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien mit Hauptsitz in den USA. Gegründet im Jahr 1999, hat sich First Solar auf die Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen spezialisiert, die auf Cadmiumtellurid-Technologie basieren. Das Unternehmen ist ein bedeutender Akteur in der Photovoltaik-Branche und bietet nachhaltige Energielösungen für verschiedene Märkte weltweit an. Die Produkte von First Solar werden in großen Solarprojekten für die Stromerzeugung eingesetzt, sowohl für netzgekoppelte als auch für netzferne Anwendungen. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von umweltfreundlichen Technologien und nachhaltigen Energielösungen konzentriert: 8,4 Prozent
  • Consolidated Edison, auch bekannt als Con Edison, ist ein führendes Energieunternehmen mit Sitz in den USA. Gegründet im Jahr 1824, ist Con Edison einer der größten Energieversorger im Nordosten der Vereinigten Staaten. Das Unternehmen ist in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig, darunter Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung sowie Gasversorgung. Die Finanzperformance von Con Edison wird von Faktoren wie Energiepreisen, regulatorischen Rahmenbedingungen und Investitionen in die Infrastruktur beeinflusst. Das Unternehmen ist an der New York Stock Exchange gelistet, unter dem Ticker-Symbol „ED“: 7 Prozent
  • Enphase Energy, mit Sitz in den USA, ist ein führendes Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien und spezialisiert sich auf die Entwicklung und Herstellung von Mikroinvertern für Solaranlagen. Gegründet im Jahr 2006, hat sich Enphase Energy darauf konzentriert, innovative Lösungen für die Photovoltaik-Industrie anzubieten. Die Mikroinverter von Enphase ermöglichen eine dezentrale Energieerzeugung, was zu einer verbesserten Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit von Solaranlagen führt. Die Finanzperformance von Enphase Energy wird durch die Nachfrage nach Solarlösungen, technologische Innovationen im erneuerbaren Energiesektor und den Ausbau der Solarenergieinfrastruktur beeinflusst: 6,7 Prozent

Der Absturz des Clean-Energy-ETF

2023 kam es dann zum dramatischen Absturz des iShares Global Clean Energy ETF. Hohe Inflation, Zinserhöhungen und Lieferkettenprobleme erschwerten das Wachstum der alternativen Energien. Besonders die Installation von Windkraftanlagen hat sich wegen der stark gestiegenen Rohstoffpreise deutlich verteuert. Zudem fehlt es an der nötigen Infrastruktur wie Leitungen oder Speicher.

„Weil die Konditionen der Windkraftbetreiber im Vorhinein fixiert werden, bringen die gestiegenen Kosten viele Betreiber in Schwierigkeiten“, schreibt Masarwah. „Siemens Energy gab Ende Oktober bereits die zweite Gewinnwarnung in nur vier Monaten heraus und macht den Weiterbetrieb von Langfristprojekten offenbar von Staatsgarantien abhängig.“

Der ETF verlor rund ein Drittel seines Werts. Unternehmen wie Enphase Energy und Orsted, die im Index hoch gewichtet waren, erlebten erhebliche Kurseinbrüche.

„Während der AI-Boom noch anhält, gehen in Sachen Cleantech und Energiewende langsam aber sicher die Lichter aus“, schreibt auch Quantex-Fondsmanager Peter Frech in seinem monatlichen Anlegerbrief. „Der MSCI Global Alternative Energy Index, voll mit schlingernden Windaktien, lag Ende Oktober mit 42 Prozent im Minus. Der Solactiv Global Hydrogen Index verbuchte dieses Jahr einen Rückgang von 44 Prozent. Seit dem Höhepunkt des Hypes im November 2021, als besonders viele solche Themen-Produkte abgesetzt wurden, belaufen sich die Rückgänge sogar auf satte 54 und 78 Prozent. Unter dem ,Weg zu Netto-Null‘ hatten sich die Anleger wohl was anderes vorgestellt.“

Das hatten sie sich ganz sicher. Gerade, wenn man berücksichtigt, wie viele Anleger zur Zeit der enormen Kurssteigerungen in den ETF eingestiegen waren und sein Vermögen in die Höhe trieben.

Wo lag also der Fehler?

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