iShares Investment-Konferenz 2018 „Robo-Advice löst klassische Finanzberatung nicht ab“

Teilnehmer des Panels „Man and Machine“ auf der iShares Investment-Konferenz in Frankfurt | © BlackRock

Teilnehmer des Panels „Man and Machine“ auf der iShares Investment-Konferenz in Frankfurt Foto: BlackRock

Robo-Advisors, denen Experten nach anfänglich zögerlichem Volumenwachstum immer mehr disruptive Kraft zutrauen, sind seit Jahren im Gespräch. In der Panel-Diskussion „Man and Machine“ auf der diesjährigen iShares Investment-Konferenz in Frankfurt stand die Frage im Mittelpunkt, wie technologische Fortschritte die Anlageberatung und den Vertrieb von Investment-Produkten verändern. Die Experten förderten unter Moderation von David Wenicker, Head of Wealth and Retail Sales bei BlackRock in Deutschland, folgende Einsicht zu Tage: Eigentlich liefern Robo-Advisors gar keine Beratungshilfen. Denn ihre Stärke liegt eben nicht in der Beratung von Anlegern bei Investment-Entscheidungen, sondern in der standardisierten, transparenten und kostengünstigen Vermögensverwaltung auf Basis von ETFs.

Aber der Reihe nach: Sven Schumann, Head of Section Community Relations & Initiatives bei der Deutschen Börse, setzte folgenden Rahmen für die Überlegungen: Die Aktienkultur – wie überhaupt die Kultur des Investierens – ist in Deutschland zu schwach ausgeprägt. Langfristig kann nur mehr Finanzbildung der Bevölkerung Fortschritte bringen. Zu wenig Deutsche sind davon überzeugt, dass sie investieren und sich dabei beraten lassen sollten. Zu groß ist die auf Unwissenheit beruhende Unsicherheit, womöglich falsche Entscheidungen zu treffen. Langfristig können nur Bildungsangebote Fortschritte bringen.

In Sachen Finanzen brauchen die Deutschen Nachhilfe

Das Wissen der Deutschen im Bereich Finanzanlagen zu vertiefen, ist eine Aufgabe für Generationen. Bildungsangebote, die etwa mittels „Gamification“ ein spielerisches Einüben der richtigen Kapitalanlage fördern, können zwar Jugendliche ansprechen. Bis sie die breite Bevölkerung erreichen, vergeht jedoch viel Zeit.

Wie man schnell Kundengruppen erreicht, die kaum Wissen über die Finanzwelt haben, erklärte Erik Podzuweit, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital. Sein Robo-Start-up sammelte innerhalb kürzester Zeit über eine Milliarde Euro an Anlegerkapital ein. Podzuweit zufolge liegt der entscheidende Vorzug von Robo-Lösungen darin, dass Anleger nicht zu Entscheidungen gezwungen werden. Die Abfrage individueller Investitionsbedingungen nach dem Wertpapierhandelsgesetz mündet bei Robos nämlich in einem einzigen Produkt – der passenden Geldanlage. Die typische Entscheidungsunsicherheit, die Menschen vom Investieren abhält, entfällt dadurch.

Anleger wollen Vertrauen zu Beratern aufbauen

Anleger, die sich bei Investment-Entscheidungen beraten lassen, wollen in erster Linie Vertrauen aufbauen. Ist die Unsicherheit zu groß, treffen viele keine Entscheidung und tätigen folglich keine Investition. Wird ein Robo-Advisor im Beratungsprozess hinzugezogen, kann es nicht soweit kommen. Denn Robo-Advisors beraten nicht, sie eliminieren vielmehr die Auswahl der Anlagemöglichkeiten und damit die Notwendigkeit, beraten zu werden und sich entscheiden zu müssen. Das genau ist ihr psychologischer Vorteil. Zahlen aus Erhebungen der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, die Jürgen von der Lehr, Partner Financial Services auf der iShares Investment-Konferenz, auf der iShares Investment-Konferenz vorstellte, belegen diese Beobachtung: Als Hauptgrund für die Verwendung von Robo-Lösungen nennen die Teilnehmer hier Bequemlichkeit und Einfachheit.

Nicht nur Start-ups, sondern auch etablierte Unternehmen aus dem Bankensektor investieren massiv in technologische Fortschritte. Michael Kohl aus dem Produktmanagement/Vermögensverwaltung der Commerzbank zufolge setzen viele Geldinstitute die Hürden für den Einstieg in die Kapitalmärkte mit Robo-Advisors niedriger. Kunden mit wachsendem Reifegrad und Anspruch können anschließend mit „klassischen“ Beratungsangeboten abgeholt werden, betonte Kohl.

Fazit: Robo-Advisors bieten keine Anlageberatung im traditionellen Sinn. Die wesentliche Stärke der Lösungen liegt in der automatisierten Vermögensverwaltung auf Basis von ETFs. Die Anlageprodukte sind nicht nur kostengünstig, sondern bieten auch eine neue Art von Dienstleistungsqualität in Form von Vertrauen. Denn Anleger können sich bei standardisierten ETF-Portfolios einer bisher nicht möglichen Transparenz in Echtzeit erfreuen.

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