Lange war die Raumfahrt ein Monopol staatlicher Agenturen. Doch das Bild hat sich grundlegend gewandelt. Gut kapitalisierte private Unternehmen drängen in den Markt, treiben die Kommerzialisierung voran und erschließen eine neue Ära der industriellen Skalierung.
Gleichzeitig wird das Weltall zur Assetklasse: BlackRock hat den Trend aufgegriffen und Ende Mai 2026 den iShares Space Technologies UCITS ETF (Ticker: ST4R, ISIN: IE000A9G9R73) an die Börse gebracht. Der Fonds bildet den STOXX Space Satellites and Drones Index ab und bietet damit Zugang zu Unternehmen entlang der gesamten Raumfahrt-Wertschöpfungskette: von Raketenstart-Dienstleistern und wiederverwendbaren Technologien über Satellitenbetreiber bis hin zu nachgelagerten Anwendungen, die auf weltraumgestützter Infrastruktur basieren.
Artemis-Ära als struktureller Treiber
Als zentrales Wachstumsnarrativ dient das sogenannte „Raumfahrt-Ökosystem des Artemis-Zeitalters“ – ein Verbund aus kommerziellen, staatlichen und internationalen Akteuren, das rund um die nachhaltige Erforschung des Mondes entsteht. Öffentlich-private Partnerschaften treiben dabei den Aufbau dauerhafter Infrastruktur auf und um den Mond voran. Für Anleger bedeutet das: Der adressierbare Markt reicht weit über klassische Raketenunternehmen hinaus.
Drei strukturelle Megatrends beflügeln das Segment:
- Erstens senken Fortschritte bei wiederverwendbaren Raketentechnologien und eine höhere Startfrequenz die Kosten für den Zugang zu Erdumlaufbahnen strukturell – und erhöhen damit die Zahl wirtschaftlich tragfähiger Missionen.
- Zweitens wächst die Satellitenproduktion in Bereichen wie Kommunikation, Erdbeobachtung und spezialisierten Nutzlasten rasant.
- Drittens treibt die Verbreitung autonomer Drohnensysteme die Nachfrage nach satellitengestützter Konnektivität und Navigation weiter an.
Index-Methodik: Klares thematisches Profil
Grundlage für die Titelauswahl ist der STOXX World AC All Cap Index, aus dem Unternehmen nach einem mehrstufigen Verfahren herausgefiltert werden. Ein ESG-Screening schließt zunächst Unternehmen aus, die gegen internationale Standards in den Bereichen Menschenrechte, Arbeit und Umwelt verstoßen, sowie Firmen mit Beteiligungen an kontroversen Waffen.
Im zweiten Schritt werden die verbleibenden Unternehmen zwei Kategorien zugeordnet: Tier-1-Unternehmen („Raumfahrtspezialisten“) müssen mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes in einschlägigen Segmenten wie Raumfahrtausrüstung, Drohnen oder Satelliten erzielen. Tier-2-Zulieferer werden über Lieferkettenbeziehungen zu Raumfahrtagenturen wie NASA, ESA oder SpaceX identifiziert.
Ein IPO-Fast-Track-Mechanismus erlaubt die Aufnahme qualifizierter Neuemissionen bereits zehn Handelstage nach Börsengang – ein Merkmal, das ST4R von klassischen Themenfonds unterscheidet und frühzeitigen Zugang zu aufstrebenden Innovatoren ermöglichen soll.
Top-Positionen: Starke Gewichtung europäischer Verteidigungskonzerne
Rocket Lab ist mit 15,31 Prozent die mit Abstand größte Position im Index – gefolgt von Esco Techs (8,60 Prozent) und Korea Aerospace Industries (8,41 Prozent, Stand: 31. Mai 2026). Bemerkenswert ist die starke Präsenz europäischer Verteidigungskonzerne: Thales (7,58 Prozent), Saab B (6,64 Prozent) und Dassault Aviation (5,53 Prozent) stehen für den wachsenden Überschneidungsbereich von Verteidigung und Raumfahrt. Geographisch dominieren US-Unternehmen den Index mit rund 50 Prozent, gefolgt von Frankreich, Südkorea und Schweden.
Chancen und Risiken
Die Performance-Daten des Vergleichsindex unterstreichen die These: Seit 2020 hat der STOXX Space Satellites and Drones Index den breiten STOXX World AC Universal Index deutlich hinter sich gelassen – wobei erhebliche Schwankungen, insbesondere in den Jahren 2021 bis 2023, die Zyklizität des Sektors verdeutlichen.
Anleger, die den thesaurierenden Fonds mit laufenden Kosten (TER) von 0,50 Prozent pro Jahr zeichnen wollen, sollten die spezifischen Risiken des Fonds berücksichtigen. Das Konzentrationsrisiko ist real: Der Fonds ist auf einen engen Sektor fokussiert und damit anfällig für technologische Rückschläge, regulatorische Eingriffe oder geopolitische Spannungen rund um Raumfahrtprogramme. Hinzu kommt das Kontrahentenrisiko bei der Verwahrung von Vermögenswerten sowie die üblichen Schwankungsrisiken bei Aktienengagements.
Für institutionelle und professionelle Anleger, die eine klare thematische Ausrichtung mit solidem ESG-Screening und einem innovativen IPO-Mechanismus suchen, bietet ST4R eine interessante Möglichkeit, an der Industrialisierung des Weltalls teilzuhaben.
Den iShares Space Technologies UCITS ETF entdecken