IT-Trend Big Data und seine Gewinner Wie aus Daten Geld gemacht wird

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Anlagestrategien auf Datenbasis

In der Finanzwelt wird Big Data derzeit ebenfalls heiß diskutiert. Ausgefeilte Algorithmen sollen die Fähigkeit bei der Verarbeitung großer Mengen von Finanzinformationen erhöhen und damit bessere Prognosen für Aktienkurse und ganze Kapitalmärkte liefern. Bislang steckt diese Disziplin eher noch in den Kinderschuhen, da häufig zwar die „Verarbeitungsleistung“ erhöht, die Analysemethoden aber unverändert bleiben. Es sind mittlerweile eine Reihe von Anlagestrategien am Markt erhältlich, die Big Data-Analysen einsetzen. Sie werden in den kommenden Jahren – so sie einen Mehrwert in Form einer guten Wertentwicklung erbringen – ihren Platz in der Investmentlandschaft einnehmen.

Auch in der Konsumwelt werden Daten systematisch ausgewertet. Jeder Verbraucher hinterlässt durch die Nutzung von Kommunikationsgeräten eine reichhaltige Datenspur. Einkaufsverhalten, die Nutzung von Apps oder Suchmaschinen, alle diese Datenpunkte liefern Unternehmen eine Information über unser Verhalten, unsere Vorlieben – und unser wahrscheinliches zukünftiges Verhalten. Dies lässt sich dahingehend ausnutzen, zielgerichtete Angebote auf dem Smartphone eines einzelnen Nutzers zu platzieren. Dabei haben diejenigen Unternehmen (und auch Staaten) einen wertvollen Schatz angelegt, den sie – zumindest auf der Unternehmensseite – zunächst zur technologischen Weiterentwicklung nutzen, aber zu gegebener Zeit auch monetisieren wollen.

USA und China sind Marktführer

Eine besondere Rolle bei dem Ausbau von Künstlicher Intelligenz spielt neben den USA auch China. Denn China spielt genau diese Größenvorteile aus: Durch eine Bevölkerung von knapp 1,4 Milliarden Menschen, die sehr affin für die Nutzung von internetbasierten Anwendungen ist, entsteht eine immense Datenbasis. Zudem besitzen sowohl die chinesische Regierung (in einem repressiven politischen System) als auch die Bevölkerung selbst eine freimütigere Einstellung hinsichtlich Sammlung und Verwertung von Daten. So gaben bei einer Konsumentenumfrage von PwC im Jahr 2018 59 Prozent aller Chinesen ihr Einverständnis, dass Einzelhändler ihnen individuelle Angebote zukommen lässt, wenn sie wissen, dass sie in der Nähe sind. In den USA liegt der Wert lediglich bei 29 Prozent.

Ähnliche Größenordnungen lassen sich auch bei der Zustimmung dafür ablesen, dass Einzelhändler Einkaufsgewohnheiten auswerten. In Europa sind Verbraucher hingegen skeptischer bei der Preisgabe von Daten. Daher verwundert es nicht, dass die Marktführer bei der Monetisierung von Big Data auch in den USA und in China anzutreffen sind. Der Marktforscher IDC schätzt, dass der Big Data-Markt im Jahr 2020 bereits 220 Milliarden  US-Dollar umsetzen wird, wovon mit rund 65 Milliarden US-Dollar ein substantieller Teil in der Asien-Pazifik-Region erwirtschaftet wird.

Doch welche Unternehmen bzw. welche Branchen werden zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählen? Dies werden die großen Internetgiganten sein, die einerseits durch ihre breite Kundenbasis viele vernetzte Datenpunkte generieren, aber auch die Fähigkeit besitzen, die Daten für zusätzliche Dienstleistungen zu nutzen. Beispiele hierfür sind Amazon, Facebook, Apple und Alphabet (Google). Aber auch Telekom-Dienstleister verfügen über das Bereitstellen von Internetzugängen über Big Data-Bestände, die an der Börse bisher unterschätzt werden.