Gutes Essen, unstete Regierungen, ausufernde Verschuldung: Während bella Italia bei vielen Deutschen als Urlaubsziel ganz oben auf der Agenda steht, sorgte die italienische Wirtschaft in den vergangenen Jahren nicht gerade für Begeisterung. Im Zuge der Eurokrise machte neben Griechenland auch Italien wegen seiner enormen Staatsverschuldung Schlagzeilen. Der italienische Leitindex FTSE MIB, der die 40 führenden italienischen Aktiengesellschaften, die an der Borsa Italiana in Mailand gehandelt werden, umfasst, stürzte von mehr als 43.000 Punkten im April 2007 auf nur noch 15.000 Punkte im Februar 2009 ab (Onvista, Stand: 8. November 2023).

Zwar steht Italien mit einer Verschuldung von aktuell 143 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach wie vor so hoch in den Miesen wie kein anderes europäisches Land, mit Ausnahme von Griechenland, doch die Situation am Aktienmarkt hat sich gedreht. Der FTSE MIB stieg im Laufe eines Jahres von 23.694 Punkte am 8. November 2022 um knapp 5.000 Punkte auf 28.560 Punkte am 8. November 2023 an.

Die Situation der Börsen ist, zumindest kurzfristig gesehen, großartig. Italien ist 2023 bislang der beste europäische Aktienmarkt. Abgesehen von Dänemark, dessen Aktienindex inzwischen zu 60 Prozent aus Novo Nordisk besteht“, sagt Investor und Publizist Christian W. Röhl bei Echtgeld.tv.

Doch woran liegt es, dass italienische Aktien 2023 so gut laufen?

Siegeszug italienischer Aktien 2023

Einige Experten sehen den Sieg von Giorgia Meloni bei der Parlamentswahl im September 2022 als Initialzündung für den Aufwärtstrend. Während die Rechtspopulistin in den Medien oft kritisch beäugt wurde, stieß ihre Wirtschaftspolitik, zu der eine umfassende Reform des italienischen Steuersystems gehört, bei vielen Investoren offenbar auf Zuspruch.

Röhl erklärt das Plus im laufenden Jahr zudem mit den günstigen Bewertungen. Insbesondere italienische Banken, die Investoren jahrelang nur mit der Kneifzange angefasst haben, verfügen über enormes Aufholpotenzial. „Jetzt sieht man bei den Banken wieder eine Zinsmarge, die die Aktienkurse antreibt.“ Die Zinsmarge sei darauf zurückzuführen, dass die Banken selbst zu üppigen Zinsen Geld bei der EZB parkten, von diesen Einnahmen jedoch nur einen Bruchteil an die Kunden weitergeben und zusätzlich noch Bankgebühren kassieren würden.

 

Zu den Treibern des Index gehören neben den Banken auch Energiekonzerne und Versorger, die von den gestiegenen Preisen profitieren, sowie der Bereich zyklischer Konsum. Auf diesen entfallen im Index lediglich drei Aktien, die jedoch ein umso höheres Gewicht haben: das Luxus-Modeunternehmen Moncler, der High-End-Sportwagenhersteller Ferrari und der Autobauer Stellantis.

ETF für den italienischen Aktienmarkt

ETF-Anleger können beispielsweise mit dem iShares FTSE MIB an der starken Performance des italienischen Aktienmarktes teilhaben. Der ETF bildet die Wertentwicklung des Index, der die Aktien der 40 größten italienischen Unternehmen umfasst, physisch nach. Die größten Branchen im Fonds sind Finanzen (33,9 Prozent), zyklische Konsumgüter (19,3 Prozent), Versorger (18 Prozent) und Energie (9,1 Prozent).

iShares FTSE MIB Ucits ETF im Überblick

 

  • Kategorie: Aktienfonds All Cap Italien
  • ISIN: IE00B53L4X51
  • Performance laufendes Jahr: 25,1 Prozent
  • Performance 5 Jahre: 74 Prozent (11,7 Prozent p.a.)
  • Performance 10 Jahre: 96,9 Prozent (7 Prozent p.a.)
  • Management: Blackrock
  • Auflage: 26. Januar 2010
  • Fondsvolumen: 181,95 Millionen Euro
  • Laufende Kosten: 0,34 Prozent
  • Volatilität 10 Jahre: 20,1 Prozent
  • Sharpe Ratio 10 Jahre: 0,4
  • Maximum Drawdown: 43,4 Prozent

Top-Holdings

  • Enel ist ein italienisches Energieunternehmen, das 1962 gegründet wurde und inzwischen zu den größten Energieversorgern der Welt zählt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Rom, Italien, und ist in mehr als 30 Ländern tätig. Enel ist in verschiedenen Bereichen der Energieerzeugung und -versorgung aktiv, darunter Stromerzeugung, Verteilung, fossile Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl, aber auch erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Wasserkraft. Das Unternehmen plant, bis 2050 kohlenstoffneutral zu sein: 11,1 Prozent
  • Unicredit ist ein führendes europäisches Finanzinstitut mit Hauptsitz in Mailand, Italien. Das Unternehmen bietet eine breite Palette von Finanzdienstleistungen an, darunter Bankgeschäfte, Vermögensverwaltung und Versicherungen. Unicredit ist in mehreren europäischen Ländern tätig und zählt zu den größten Banken in der Region: 9,6 Prozent
  • Intesa Sanpaolo ist eine bedeutende italienische Bank mit Sitz in Turin, die zu den größten in Europa zählt. Das Unternehmen hat eine lange Geschichte und durch Fusionen und Übernahmen seine Präsenz und Reichweite erheblich erweitert. Intesa Sanpaolo bietet eine breite Palette von Finanzdienstleistungen an, darunter Privatkunden- und Geschäftsbankgeschäfte, Vermögensverwaltung, Versicherungen und Kapitalmärkte. Die Bank bedient sowohl nationale als auch internationale Kunden und betreibt Niederlassungen in verschiedenen Ländern weltweit: 8,8 Prozent
  • Ferrari ist ein renommiertes italienisches Automobilunternehmen mit Hauptsitz in Maranello, Italien, und einer weltweiten Reputation für die Herstellung von High-Performance-Sportwagen und Supersportwagen. Das Unternehmen wurde 1947 von Enzo Ferrari gegründet und hat sich seitdem zu einer Ikone in der Automobilbranche entwickelt. Das Unternehmen produziert eine begrenzte Anzahl von Fahrzeugen pro Jahr, wodurch die Nachfrage und der Wert der Fahrzeuge hochgehalten werden. Ferrari hat im Laufe der Jahre an zahlreichen Rennveranstaltungen teilgenommen und ist in der Formel 1 besonders bekannt, wo das Team Ferrari eine große Fangemeinde weltweit hat: 8 Prozent
  • Stellantis ist ein globaler Automobilkonzern, der 2021 durch die Fusion der beiden Automobilhersteller PSA Group (Peugeot, Citroën, DS Automobiles) und FCA Group (Fiat, Chrysler, Jeep, Ram, Dodge) entstanden ist. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Amsterdam, Niederlande. Es hat jedoch starke Wurzeln in Frankreich und Italien, da beide Vorläuferunternehmen bedeutende Akteure in diesen Ländern waren. Die Fusion von PSA und FCA hat es Stellantis ermöglicht, von den Stärken beider Unternehmen zu profitieren, darunter die Technologie, die Markenreputation und die weltweite Präsenz. Das Unternehmen ist auch bestrebt, Elektromobilität und nachhaltige Transportlösungen voranzutreiben und hat ehrgeizige Pläne für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen in den kommenden Jahren: 7,8 Prozent

Risiken für italienische Aktien

Risiko Nummer eins für italienische Aktien ist und bleibt die hohe Staatsverschuldung. Mit 2,8 Billionen Euro liegt diese aktuell bei rund 143 Prozent des BIP, während der Durchschnitt der Eurozone bei 91 Prozent liegt, wie Christian W. Röhl erläutert.

Problematisch ist die Höhe der Schulden, insbesondere aufgrund der gestiegenen Zinsen. Diese haben zur Folge, dass immer mehr Geld von dem, was der Staat einnimmt, zur Begleichung der Schulden genutzt werden muss. Allein dieses Jahr werden Prognosen zufolge 80 Milliarden Euro für den Schuldendienst draufgehen, im kommenden Jahr werden es bereits 100 Milliarden Euro sein.

 

Hinzu komme laut Röhl, dass die Regierung Meloni inzwischen einen Kurs fahre, der ebenfalls viel Geld koste. So will die Regierung nicht nur Wohltaten an die Bürger verteilen, sondern sich auch noch an Unternehmen beteiligen, was in Summe wahnsinnig viel Geld verschlinge. Doch irgendwann muss das auch jemand bezahlen, was zu neuem Stress in der Eurozone führen könnte.

Ein Signal dafür, wie kritisch die Situation einzustufen ist, könnte es am Freitag geben. Dann steht die nächste Rating-Entscheidung zu Italien an. Nachdem die Agentur Moody's Italien bereits nur noch knapp über dem Non-Investment-Grade-Bereich einstuft, will sich dann auch Fitch äußern. Wird Italien auch hier herabgestuft, würde die Begleichung der Schulden für das Land künftig wohl noch kostspieliger.