Trani in der süditalienischen Region Apulien, wo das Ermittlungsverfahren stattfindet. Quelle: Jelly / Wikipedia.de

Trani in der süditalienischen Region Apulien, wo das Ermittlungsverfahren stattfindet. Quelle: Jelly / Wikipedia.de

Italien verklagt Ratingagenturen

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Das Prognostizieren scheint in Italien eine gefährliche Tätigkeit zu sein. Nach dem harten Urteil gegen mehrere Seismologen, die ein Erdbeben falsch eingeschätzt hatten und nun für sechs Jahre ins Gefängnis müssen, nimmt sich das Mittelmeerland nun der Ratingagentur-Manager an.

Die italienische Staatsanwaltschaft hat Klage gegen die beiden großen Analysehäuser Standard & Poor’s (S&P) und Fitch erhoben. Laut Strafverfolger Michele Ruggiero müssen sich fünf Manager von S&P – darunter auch der Unternehmenschef Deven Sharma – sowie zwei Mitarbeiter von Fitch wegen Marktmanipulation verantworten. Das Verfahren findet in der süditalienischen Region Apulien, in der 50.000-Einwohner-Stadt Trani statt.

Die Ermittlungsbehörde wirft den Agenturen vor, die Herabstufung Italiens in einer irreführenden Art und Weise kommuniziert zu haben. S&P soll am 20. Mai 2011 zunächst den Ausblick für das Land heruntergenommen und erst drei Tage später die Begründung dafür geliefert haben. Diese Zeitverzögerung habe an den Kapitalmärkten zu Kursschwankungen und Unsicherheit geführt.

Fitch habe ähnlich gehandelt und die bevorstehende Abstufung bereits im Vorfeld angekündigt. Das Vorgehen beider Agenturen stelle einen schweren Angriff auf den Staat Italien dar und habe dem Land wegen der gestiegenen Zinsen hohe Kosten verursacht, so die Ermittler.

Die beiden Analysehäuser weisen die Anschuldigungen zurück. Nun muss das Gericht alle Klagen einzeln prüfen und entscheiden, ob es sie annimmt und ein Verfahren eröffnet.

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