"It’s the earnings, Dummkopf!" Barings' Multi-Asset-Experte: Das kommt nach der Zinswende

Marino Valensise

Marino Valensise

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Der amerikanische Verbraucher ist zurück. Ermutigt von einem stabilen Arbeitsmarkt und den ersten Anzeichen von Lohnsteigerungen, geben die Amerikaner endlich das Geld aus, das sie durch den niedrigeren Benzinpreis eingespart haben. Dennoch fallen die Investitionsausgaben in den USA weiterhin enttäuschend aus. Nachdem sich die Anzahl der Bohranlagen in Amerika mittlerweile stabilisiert hat, dürften die Auswirkungen der Energiekrise auf Investitionen nachlassen. Das Problem ist allerdings, dass Vorstandschefs den Großteil des Kapitals nach wie vor für Fusionen und Übernahmen sowie für Aktienrückkäufe einsetzen, anstatt neue Anlagen und Betriebseinrichtungen zu kaufen, wodurch das Wachstum angekurbelt würde.

Wirtschaftswachstum von bis zu 3 Prozent Trotzdem gestaltet sich das Bild für die US-Wirtschaft insgesamt gesund, und das zukünftige Wirtschaftswachstum dürfte sich in einer Bandbreite zwischen 2,5 Prozent und 3,0 Prozent bewegen. Eine Verschlechterung der Lage in Griechenland hätte ein Grund dafür sein können, Veränderungen in der Geldpolitik  zu verschieben. Da die Krise mittlerweile jedoch abgewandt ist, dürfte sich die US-Notenbank Federal Reserve befreiter fühlen und könnte mit einer Anhebung der Zinsen wahrscheinlich bereits im September beginnen. Für viele Anleger käme dies vermutlich überraschend. Die allgemeine Markteinschätzung spricht nach wie vor gegen zeitnahe Maßnahmen. Das Ertragswachstum von Unternehmen stellt ein weiteres Problem dar, denn es ist wahrscheinlich das langsamste, mit dem je ein geldpolitischer Straffungszyklus eingeleitet wurde. Die Bewertungen des Aktienmarktes hängen sowohl von Erträgen als auch vom „Markt-Multiple“ ab - also wie viel Anleger bereit sind, für jeden eingenommenen Dollar zu bezahlen. Die Richtung des US-Marktes vom Ertragswachstum der Unternehmen ab Da es unwahrscheinlich ist, dass dieser Wert im Fall von Zinserhöhungen weiter ansteigen wird, hängt die Richtung des US-Marktes vom Ertragswachstum der Unternehmen ab. Aktuell liegt die Prognose für das durchschnittliche Ertragswachstum in den USA nur knapp im positiven Bereich. Die allgemeine Schätzung für das zukünftige Wachstum liegt bei über 10 Prozent. Vor dem Hintergrund der Stärke des US-Dollars, einem rückläufigen Welthandel, einer leichten Verschlechterung der Gewinnspannen und höherer Finanzierungskosten ist dies ein ziemlich starker Anstieg. Die USA könnten uns überraschen, dies wird sich zeigen. In der Eurozone haben wir, im Hinblick auf Politik und Diplomatie, eine der außergewöhnlichsten Zeiten erlebt. Die Situation in Griechenland wurde erneut auf die lange Bank geschoben und so können wir uns auf die Fundamentaldaten konzentrieren.