„It´s the economy, stupid“
Ölpreisentwicklung stellt keine nachhaltige Bedrohung dar
Im Gegensatz zu den vielzitierten Risiken wie der Verschärfung der Eurokrise, einem Hard Landing in China oder der Zuspitzung der Verschuldungssituation in den USA ist der jüngste Ölpreisanstieg bislang weniger thematisiert worden. Brent ist seit dem Jahreswechsel um knapp 20 Prozent gestiegen und liegt mit aktuell $125 bereits wieder über dem Höchststand von 2011. Dabei hat der Ölpreis nicht nur von der expansiven Geldpolitik profitiert, sondern auch von dem angekündigten Importstop für iranisches Öl, der viele Spekulanten auf steigende Ölpreise wetten ließ. Gleichzeitig gibt es aber bisher auf dem globalen Ölmarkt keine Engpässe, woran die OPEC auch gar kein Interesse hätte. Vielmehr geht die Ölnachfrage in den westlichen Industrieländern zurück und auch das Nachfragewachstum in China liegt deutlich unter dem des Vorjahres. Solange also physische Engpässe ausbleiben (außerdem gibt es noch die strategischen Ölreserven als Puffer), werden die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum begrenzt sein.
Unangenehmer ist, dass die Inflationserwartungen typischerweise parallel zur Ölpreisentwicklung verlaufen (vgl. Grafik 6). Sollte es zu einer Verschärfung der Spannungen mit dem Iran kommen und beispielsweise die Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent aller Ölexporte laufen, blockiert werden, kann nach Expertenmeinung der Ölpreis schnell in Richtung $200 ansteigen. Sähen sich in einer derartigen Situation die Notenbanken gezwungen, ihre Geldpolitik wieder zu verschärfen, um die Inflationserwartungen zu bremsen, würde die Weltwirtschaft unweigerlich in eine Rezession zurückfallen. Diese Furcht halten wir allerdings für unbegründet. Anders als während der Ölkrisen 1973/74 und 1979/80 würden die Zentralbanken diesmal die dann zu erwartenden negativen Wachstumseffekte auf die Preisentwicklung berücksichtigen und ihre expansive Politik weiterverfolgen. Außerdem würde die Wahrscheinlichkeit für weitere Anleihekäufe durch die FED, d.h. QE3, zunehmen.
Die Aktienmarktrally hat weiteres Potential, deutsche Anleihen sind anfällig für eine Korrektur
Selbst wenn die Gewinnschätzungen in den nächsten Monaten noch stagnieren oder sogar leicht rückläufig sein werden, heißt dies nicht zwangsläufig, dass die Aktienmarktrally zu Ende sein muss, da deutsche Aktien selbst nach dem jüngsten Kursanstieg noch nicht teuer sind. Denn die aktuelle KGV-Bewertung liegt deutlich unter der durchschnittlichen Bewertung im Zuge der letzten 10 Aufwärtsbewegungen (vgl. Grafik 7).

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