Auch der starke Kursanstieg des DAX seit Anfang Oktober (+35  Prozent) ist per se noch kein Grund für fallende Kurse.  Rallys in dieser Größenordnung hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Anders verhält es sich bei deutschen Staatsanleihen:  Die 12-Monatsperformance 10-jähriger deutscher Anleihen war mit +15  Prozent in den letzten 20 Jahren noch nie so hoch wie zuletzt (vgl. Grafik 8). In der Vergangenheit folgte auf eine Performance von 12  Prozent oder mehr ein deutlicher Rückschlag wie in den Jahren 1994, 1999, 2003/4 und 2009. Da anders als im Falle des Aktienmarkts Investoren zurzeit aber kaum mit einem Rückschlag bei deutschen Staatsanleihen rechnen, nimmt die Gefahr eines solchen spätestens im zweiten Halbjahr, wenn die Konjunktur wieder an Fahrt gewinnen wird, zu. Allerdings rechnen wir angesichts der weiterhin ungelösten Probleme in der Eurozone nicht mit einem stärkeren Zinsanstieg, da deutsche Staatsanleihen immer noch als der ultimative „sichere Hafen“ gelten. Da die Risikoprämie deutscher Aktien im Vergleich zu Anleihen nach wie vor sehr hoch ist, wird selbst ein Renditeanstieg den Aktienmarkt kaum belasten. Damit deutsche Aktien ihre Attraktivität gegenüber Staatsanleihen einbüßen (d.h. in Grafik 9 würde die blaue Linie unter ihren Durchschnittswert der letzten 15 Jahre (rote Linie) fallen), müsste die Rendite 10-jähriger deutscher Anleihen in Richtung 4  Prozent steigen (von aktuell etwa 2  Prozent), was schwer vorstellbar ist.

Fazit

Auch wenn die nächsten Monate von einer gewissen konjunkturellen Unsicherheit geprägt sein werden, sind deutsche Aktien bewertungstechnisch nach unten gut abgesichert. Das wahrscheinlichste Szenario ist eine Seitwärtsbewegung, die ab der Jahresmitte von einem erneuten Kursanstieg abgelöst werden wird. Deutsche Staatsanleihen sind anfällig für Kursrückschläge.