„Was bedeuten die Ergebnisse der Fokusgruppe private Altersvorsorge?“ Unter diesem Titel haben das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) und der Fondsanbieter Franklin Templeton jetzt ein Webinar veranstaltet. Unter Moderation von Martin Stenger, der das Geschäft mit Vorsorgeprodukten bei Franklin Templeton in Deutschland verantwortet, ging es um die typischen Fragen deutscher Vermittler von Versicherungen und Finanzanlagen. Die Zukunft der privaten Altersvorsorge dürfte demnach deutlich flexibler sein als heute. Denn die staatlichen Zulagen soll es laut dem Bericht der Expertenkommission auch für Sparprodukte geben, die nicht den beiden am meisten kritisierten Pflichten für heutige Riester-Produkte unterliegen.
Das heißt, sie müssen den Kunden einerseits nicht zu Rentenbeginn die gezahlten Beiträge und empfangenen Zulagen zu 100 Prozent garantieren. Hiervon haben sich viele Anbieter ungeförderter Lebens- und Rentenversicherungen in den vergangenen Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 massenhaft verabschiedet. „Die Flexibilisierung der Kapitalgarantie ermöglicht es Versicherern, rentablere und dennoch sichere Produkte anzubieten“, kommentiert Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Andererseits müssen die staatlich geförderten Produkte zur privaten Altersvorsorge zukünftig nicht mehr vorsehen, das angesparte Kapital den Kunden größtenteils als lebenslange Rente auszuzahlen. Hier sieht der GDV hingegen noch Nachbesserungsbedarf: „Es wäre aber bei einem Altersvorsorgeprodukt kontraproduktiv, die lebenslange Rente aufzugeben“, sagt Asmussen. Denn nur sie stelle sicher, dass die Ersparnisse nicht vor dem Lebensende aufgebraucht sind und sich die Sparer auch noch im hohen Alter auf planbare Erträge verlassen können.
Sparer unterschätzen Langlebigkeitsrisiko
Ganz ähnlich sieht das auch IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer: „Wenn die Leute das sogenannte Langlebigkeitsrisiko unterschätzen und länger leben als gedacht, dann muss die Staatskasse einspringen“, erklärte er in dem Webinar. Die finanziellen Lasten für die spätere Unterstützung der heutigen Sparer werde also auf die Steuerzahler der Zukunft verschoben. „Wenn in einem demokratischen Prozess beschlossen wird, das Langlebigkeitsrisiko nicht von den Versicherern tragen zu lassen, dann nehme ich das erst einmal so hin", so Hauer weiter.
Der IVFP-Chef vertraue aber darauf, dass sich viele Menschen nach einer Finanzberatung eher für eine lebenslange Rente entscheiden würden, statt sich den Gesamtbetrag sofort auszahlen zu lassen. Daneben solle es auch bei der Steuer einen Anreiz geben, die lebenslange Rente zu beziehen: Die laufenden Zahlungen aus einer neu einzurichtenden Zulagenrente sollten laut IVFP-Konzept steuerfrei sein. Und um kinderreiche Familien zu entlasten, sollte grundsätzlich jeder Sparer bis zu einer Einkommensgrenze Grund- und Kinderzulagen erhalten – so wie bei der aktuellen Riester-Rente.
Die Altersvorsorge nach Einführung des Alterseinkünftegesetzes zum 01.01.2005:
Riester-Produkte mit lebenslanger Rente
Deren Fördersystematik erreiche insbesondere Geringverdiener, lobt auch Cvetelina Todorova. Die Abteilungsdirektorin beim deutschen Fondsverband BVI berichtete in dem Webinar für Fachpublikum von den sechs Sitzungen der Fokusgruppe zwischen Januar und Juni, auf denen kontrovers und ausführlich diskutiert worden sei. Die dabei gefundenen Kompromisse hätten die Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verbraucherschutz und Finanzwirtschaft dann aber mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Sie sieht den Wettbewerb gestärkt, wenn künftig auch Altersvorsorge-Depots gefördert werden.
„Produkte mit lebenslanger Rente werden nicht vom Markt verschwinden“, erwartet sie. „Man muss hier die Kirche im Dorf lassen“, sagt sie mit Blick auf die GDV-Kritik. Es werde im Gespräch zwischen Kunden und Finanzberatern zukünftig stattdessen „stärker thematisiert, wann eine Rente notwendig ist – und wann nicht“. Eine Kapitalauszahlung könne zum Beispiel sinnvoll sein, um eine Immobilie zu renovieren oder Kredite zurückzuzahlen. Und: „Wir reden über die zusätzliche Vorsorge neben der gesetzlichen Rente.“ Die Menschen würden nicht gleich dem Staat auf der Tasche liegen, wenn sie Produkte ohne Rente wählen.
Ebenso wie der GDV hegt sie hingegen den Wunsch, dass bis zum nächsten Sommer ein Gesetzesentwurf für die Reform der privaten Altersvorsorge vorliegt: „Die Politik kann es sich nicht leisten, noch eine Legislaturperiode verstreichen zu lassen.“ Das findet auch Asmussen: „Ein Festhalten am Status quo wäre das Schlechteste, was passieren könnte. Nach über 20 Jahren fast unveränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen bedarf die geförderte private Altersvorsorge dringend einer Reform. Da drei Ministerien, die von drei verschiedenen Parteien besetzt werden, an der Fokusgruppe mitgearbeitet haben, besteht Hoffnung auf Reformwillen.

