Max Otte

Max Otte

„Ja, wir haben kräftig eins auf den Deckel bekommen“

Max Otte legt sich mit Fondsanalyst an

Wenn Fondsmanager ihren Anlegern schreiben, greifen sie zu optimistischen Formulierungen. Schlechte Leistungen werden schön geredet, Probleme zu Herausforderungen umdeklariert. Nicht so Max Otte. „Ja, wir haben insbesondere im Oktober kräftig eins auf den Deckel bekommen“, so fängt der Vermögensverwalter und renommierter Wirtschaftsprofessor seinen Brief an Privatanleger an. Und es geht noch weiter. Ja, es sei nicht schön, schreibt Otte und gibt zu, bei Wetten auf Rohstoffe und europäische Titel danebengelegen zu haben.

Ganz freiwillig ist Ottes Offenheit nicht. Denn das Schreiben ist eine Reaktion auf eine Fondsbeurteilung, die Kai Wiecking vom Analysehaus FWW geschrieben hat. Darin bezeichnet Wiecking Otte zwar als begabten Redner und Dozenten, zweifelt aber an dessen Fähigkeit als Fondsmanager. Im Zeitraum über drei Monate zum 28.10.2014 habe der Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM) 12,03 Prozent verloren, während der FWW-Sektordurchschnitt Mischfonds dynamisch Welt nur Verluste von 1,13 Prozent verzeichnete, so der FWW-Analyst. „Volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und allgemeinverständlich zu erklären ist die eine Sache. Einen Fonds erfolgreich zu verwalten die andere".

Nun wehrt sich Otte gegen diese Einschätzung. „Volatilität gehört zu unserem Konzept dazu“, schreibt er seinen Kunden. Er verweist auf seinen anderen Fonds, den PI Global Value (WKN: A0NE9G), der im Oktober einen ähnlichen Rücksetzer hatte und nun bei 90 Prozent Plus steht. Damit liege der Fonds immer noch 40 Prozent über dem MSCI-Index, so Otte.

Außerdem sei der derzeitige Verlust geradezu lächerlich im Vergleich zu den Verlusten, die die PI-Global-Value-Anleger bereits hinnehmen mussten. Die Erstinvestoren verloren laut Otte in der Finanzkrise vom Hochstand aus gesehen 40 Prozent, bevor es steil um 140 Prozent nach oben ging. In der Eurokrise betrug das Minus 20 Prozent, bevor es 70 Prozent nach oben ging. „Und nun haben wir ein Minus von 12 Prozent. Sehr, sehr unschön - aber leider Teil des normalen Geschäfts, wenn man in Aktien investiert“.

„Herr Wiecking, ich werde Ihnen mein Buch "Sehr geehrte Privatanleger" schicken - mit freundlichen Grüßen“, verspricht Otte. „Hoffentlich lesen Sie darin“.

Ob Wiecking Ottes Buch tatsächlich lesen würde - oder es bereits hat - ist derzeit unklar: Der Analyst soll auf ein Gesprächsangebot Otte nicht eingegangen sein.

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