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Ben Bernanke (r.), ehemaliger Fed-Chef, im Gespräch mit dem amtierenden Fed-Chef Jerome Powell: Der Zinsschwund hält bereits zehn Jahre an.

Jahr der Rekorde bei Anleihen

Die gewohnte Welt ist lange perdu

Dieses Jahr könnte in die Geschichtsbücher eingehen. Zumindest in solche, die sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigen. Denn 2019 dürfte es selbst dem optimistischen Sparer klar geworden sein, dass die alte Welt, also die Zeiten, in denen es auf Zinskonten und bei „mündelsicheren“ Anleihen noch Renditen gab, schon lange perdu sind – und vielleicht so schnell nicht mehr wiederkommen.

Das dritte Quartal 2019 brachte einige bemerkenswerte Rekorde:

  • Zehnjährige deutsche Bundesanleihen erreichten im August einen historischen Tiefstand von minus 0,7 Prozent.
  • Die Bundesrepublik emittierte erstmals eine 30-jährige Anleihe mit einem Kupon von null Prozent (die Emissionsrendite lag sogar bei minus 0,11 Prozent).
  • Ende September hatten weltweit Anleihen im Gegenwert von 18 Billionen Euro eine negative Rendite.
  • Im August rentierten 30-jährige US-Staatsanleihen erstmals unter zwei Prozent.

Diese spektakuläre Minuswelt bedeutet aber nicht, dass Anleihen als Anlageklasse für Anleger keinen Sinn mehr machen. Es reicht nur längst nicht mehr aus, einfach eine Anleihe mit guter Bonität zu erwerben und dann bis zur Endfälligkeit liegen zu lassen. Mit einer wirklich flexiblen und aktiven Anlagestrategie, die alle Ertragsmöglichkeiten der Anlageklasse nutzt, gibt es unseres Erachtens nach wie vor Chancen.

Beim Rückblick über die vergangenen zehn Jahre, ein Zeitraum, der fast durchweg von sinkenden Zinsen geprägt war, zeigt sich: Der Zinsschwund dauert bereits sehr lange. Und schon immer gab es Herausforderungen für Anleger. Wer erinnert sich etwa noch an das „Taper Tantrum“ im Jahr 2013, als Ben Bernanke über eine Reduzierung der Anleihekäufe spekulierte und die Anleihemärkte daraufhin verrücktspielten? Oder an die „Eurokrise“, als die Renditen der Staatsanleihen vieler südeuropäischer Länder im Umfeld der geordneten Insolvenz Griechenlands in die Höhe schossen und Investoren einen Zerfall der Gemeinschaftswährung in Betracht zogen (zumindest bis EZB-Präsident Mario Draghi seine berühmte Bestandsgarantie „whatever it takes“ gab)?

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