James Swanson

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James Swanson: "US-Aktien sind weder teuer noch billig"

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Obwohl sich das Geschäftsklima verbessert, macht Investoren der starke Anstieg der Aktienkurse Sorgen. Immer wieder werde ich gefragt, ob die Kurse nicht zu schnell und zu stark gestiegen sind und der Höchststand schon hinter uns liegt. Betrachten wir die Fakten: Per 19. Juni ist der S&P 500 in diesem Jahr um 14,2 Prozent gestiegen.

Damit notierte der Index 20 Prozent höher als vor 12 Monaten. Dennoch halte ich die Kurse nach wie vor für fundamental gerechtfertigt. Investoren auf der Suche nach Renditen sind nun einmal zu höheren Risiken bereit. Zwar könnten amerikanische Aktien deshalb irgendwann überkauft sein, doch bislang ist das noch nicht der Fall. Die Fundamentaldaten sind zurzeit recht stabil, insbesondere in den USA. In den übrigen Ländern verbessern sie sich leicht.

Unterstützung durch die US-Konjunktur,...

Zweifellos sind amerikanische Aktien etwas unter Druck geraten. Das Wirtschaftswachstum in den USA hat wieder einmal leicht nachgelassen, was für längere Aufschwungphasen keineswegs untypisch ist. Dennoch halte ich die US-Konjunktur weiterhin für stabil. Die Verbraucher und Investoren haben Nachholbedarf und können sich wieder mehr leisten.

Der Wohnimmobiliensektor hat sich erholt und dürfte in der zweiten Jahreshälfte noch stärker zulegen. Es werden wieder neue Häuser gebaut, und das ist arbeitsintensiv. In der letzten Rezession sind vor allem im Bausektor Stellen abgebaut worden, doch jetzt erholt er sich wieder.

… die private Nachfrage,...


Auch das Wachstum des privaten Sektors stützt die Aktienkurse. Insgesamt wächst die US-Wirtschaft zurzeit um annualisierte 2 Prozent, doch die Privatwirtschaft legt um fast 3,3 Prozent zu.

Der jüngste Anstieg der amerikanischen Aktienkurse spiegelt dies wider. Die Aktienmärkte haben sich von den offiziellen BIP-Zahlen entkoppelt. Sie reagieren wesentlich stärker auf internationale Entwicklungen, die weltweite Industriekonjunktur und den Technologiesektor.

… die Unternehmen,...

Die amerikanischen Unternehmen sind in einer guten Verfassung. Sie verfügen über hohe Barmittel, und in Prozent des BIP sind die Gewinne so hoch wie selten zuvor. Die Verschuldung ist niedrig und die Fremdfinanzierungsquoten sind unter Kontrolle.

Aktien sind heute weder besonders teuer noch besonders billig. Der S&P 500 wird zurzeit zum 15-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, die KGVs von Technologiewerten betragen etwa 14.

… und die Fed.


Nicht zuletzt stützt die Fed zurzeit die Aktienmärkte. Sie sorgt zwar nicht direkt für steigende Kurse. Den Investoren ist jedoch bewusst, dass sie die Konjunktur bei Bedarf anstoßen wird. Folglich kommt es bei schwachen Konjunkturdaten nicht mehr zu starken Ausverkäufen wie früher.

Ben Bernanke ist im Zweifel nicht abgeneigt, die Notenpresse anzuwerfen. Im Februar läuft seine derzeitige Amtsperiode zwar aus und noch wissen wir nicht, ob er weitermacht. Seine voraussichtliche Nachfolgerin, Janet Yellen, scheint aber ähnlich zu denken wie er.

Aktien können von steigender Inflation profitieren

Aktienkurse und Zinsen stehen in keinem direkten Zusammenhang. Meist sorgt eine Kombination aus Wirtschaftswachstum und Inflation für steigende Zinsen. Zurzeit ist das Wachstum in den USA moderat und die Inflation ist sehr niedrig. Selbst eine steigende Teuerung ist für Aktien nicht unbedingt schlecht.

Wenn die Verbraucherpreisinflation von 2 Prozent auf 3 Prozent, von 3 Prozent auf 4 Prozent und von 4 Prozent auf 4,5 Prozent gestiegen ist, ging dies in der Vergangenheit meist mit steigenden Aktienbewertungen einher. Erst ab einer Inflation von 4,5 Prozent gehen die Bewertungen zurück.

Dann gehen die Investoren davon aus, dass die Unternehmen ihre Preise nicht mehr stark genug anheben können, um mit den Kostensteigerungen Schritt zu halten. Aber so weit sind wir noch nicht. Im Gegenteil: Wenn die Inflation aufgrund eines höheren Wirtschaftswachstums zunimmt, kann dies für die Aktienmärkte nur gut sein.

Selbsttragender Aufschwung in den USA


Alles in allem glauben wir, dass die USA zurzeit einen selbsttragenden Aufschwung erleben. Die Eigenkapitalrenditen amerikanischer Aktien sind heute nicht nur höher als die Eigenkapitalrenditen japanischer Titel (was nichts Besonderes ist), sondern auch höher als die Eigenkapitalrenditen in den meisten Ländern Europas. Dies und die niedrigeren Energiepreise in den USA locken Kapital ins Land. Das wiederum lässt den Dollar steigen.

Hinzu kommt die negative Korrelation zwischen dem Dollar und den Rohstoffpreisen. Mit anderen Worten: Wenn der Dollar steigt, gehen die Rohstoffpreise tendenziell zurück. In den USA mit ihrem großen Anteil des privaten Verbrauchs am BIP ist dies nicht zu unterschätzen, da niedrigere Rohstoffpreise die Kaufkraft steigen lassen. Diese hatte zuletzt unter den geringen Lohnanstiegen gelitten. Das ist nicht nur gut für den privaten Verbrauch in den USA, sondern auch für amerikanische Aktien.

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