Die Tage, an denen Banker im Homeoffice ihre Deals abschließen konnten, neigen sich dem Ende zu. Jedenfalls bei J.P. Morgan. Mit deutlichen Worten macht Jamie Dimon, Chef der US-Bank, klar, dass er von der Arbeit im heimischen Büro wenig hält – und löst mit der kürzlich bekannt gewordenen Audioaufnahme eines internen Meetings eine Grundsatzdebatte in der Finanzbranche aus.

Der Chef der größten US-Bank ließ in einer Townhall-Veranstaltung in Columbus, Ohio seinem Unmut über die aktuelle Arbeitskultur freien Lauf. Besonders störten ihn die mangelnde Erreichbarkeit von Mitarbeitern an Freitagen und fehlendes Engagement in virtuellen Meetings, berichten die „Financial Times“ und „Bloomberg“. Die Bank plant den Berichten zufolge, die verbleibenden Homeoffice-Regelungen im März komplett zu beenden.

Die Aussagen verdeutlichen auch einen Wandel in der Unternehmenskommunikation. Während in der Corona-Pandemie noch empathische Führung und Verständnis für die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Vordergrund standen, setzt sich in Unternehmen nun zunehmend wieder ein härterer Führungsstil durch.

„Es interessiert mich nicht“ 

Dabei kann J.P. Morgan durchaus Erfolge vorweisen: Der Aktienkurs erreichte zuletzt neue Höchststände, auch Umsatz und Gewinn entwickeln sich positiv. Kritiker sehen daher keinen zwingenden Grund für die strikte Rückkehr ins Büro. Eine von Mitarbeitern gestartete Petition gegen die neue Politik wurde von Dimon scharf zurückgewiesen. Wörtlich sagte er: „Es interessiert mich nicht, wie viele Menschen diese ver**** Peition unterschreiben.“ („I don't care how many people sign that f**king petition.“)

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Die Bank argumentiert, dass persönliche Anwesenheit für Unternehmenskultur, Ideengenerierung und Mitarbeiterentwicklung unverzichtbar sei. Besonders junge Mitarbeiter könnten vom direkten Austausch profitieren. Zugeständnisse will das Institut nur in Ausnahmefällen machen, etwa für Betreuungspflichten.

Der Fall zeigt exemplarisch die Risse, die sich in der Arbeitswelt auftun. Während viele Unternehmen in den vergangenen Jahren flexible Arbeitsmodelle etabliert haben, drängen andere zurück zur Präsenzkultur. Für die Mitarbeiter von J.P. Morgan bedeutet das zunächst: Die Zeit der Kompromisse beim Homeoffice neigt sich dem Ende zu.