Es ist ein leiser Abgang. Zum 29. Juni schließt Janus Henderson den ursprünglich von Tabula gestarteten ersten europäischen ETF auf Staatsanleihen der Golfstaaten, wie das Unternehmen mitteilt. Der Janus Henderson GCC Sovereign USD Bond Core Ucits ETF, an der Börse unter dem Kürzel TGGD geführt, verwaltete zuletzt nur 3,9 Millionen US-Dollar. Und damit deutlich zu wenig, um sich zu tragen. Als Gründe nennt der britisch-amerikanische Vermögensverwalter die Fondsgröße und die schwache Nachfrage.

Der Rückzug fällt in eine Phase, in der die Golfregion bei Anlegern eher gefragter wird als weniger. Andere Anbieter starten neue Produkte und bekommen dafür Startkapital vom saudischen Staatsfonds, das Janus Henderson fehlte.

Ein Produkt ohne kritische Masse

TGGD bildet den Ice Gulf Cooperation Council Government Bond ex-144a Index ab, der auf US-Dollar lautende Staatsanleihen der sechs Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrats erfasst: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Oman und Kuwait. Seit der Auflage am 6. Januar 2023 erzielte der Fonds eine Rendite von 3,75 Prozent im Jahr.

TGGD ist bereits der vierte ETF, den Janus Henderson seit der Übernahme von Tabula Investment Management im Jahr 2024 einstellt. Zuvor verschwanden ein ETF auf inflationsgeschützte US-Anleihen, ein Produkt auf kurzlaufende indische Staatspapiere und ein klimaorientierter Hochzins-ETF, jeweils mangels Volumen. Dahinter dürfte auch Portfoliobereinigung stecken: Nach der Tabula-Übernahme sortiert Janus Henderson das geerbte Sortiment aus und trennt sich von allem, was zu klein bleibt. Das ist im Geschäft mit ETFs ein normaler, gesunder Schritt.

Andere bekommen, was TGGD fehlte

Dass es auch anders geht, zeigt State Street. Anfang 2025 legte der Konzern den SPDR J.P. Morgan Saudi Arabia Aggregate Bond Ucits ETF (ISIN: IE000QRDCYW2) auf, das erste europäische Produkt auf saudische Staats- und staatsnahe Anleihen samt islamischer Anleihen, sogenannter Sukuk. Den Start finanzierte der saudische Staatsfonds Public Investment Fund mit 200 Millionen US-Dollar als Ankerkapital. Im April 2026 folgte ein zweiter ETF, der State Street Saudi Arabia Enhanced Active Equity Ucits ETF (ISIN: IE0002LI4M98) diesmal auf saudische Aktien und aktiv gemanagt über ein quantitatives Modell. Auch hier stellte der PIF 100 Millionen US-Dollar als Ankerkapital bereit.

Genau dieses Startvolumen fehlte Janus Henderson. Ein Ankerinvestor sichert einem ETF von Tag eins an Größe, Handelbarkeit, Glaubwürdigkeit und damit das Überleben im europäischen Preiskampf.

Riad öffnet die Tür

Der Hintergrund ist eine gezielte Marktöffnung. Zum 1. Februar 2026 ließ Saudi-Arabien alle ausländischen Anleger direkt an seinen Kapitalmarkt zu und schaffte das alte System der qualifizierten Auslandsinvestoren ab. Der Staatsfonds wiederum nutzt internationale Asset Manager als Vehikel: An neun Märkten weltweit, darunter Hongkong, Shanghai und Singapur, sind inzwischen saudische ETFs notiert. In Hongkong startete 2025 zudem ein Produkt auf saudische Staats-Sukuk, in Abu Dhabi baut der Anbieter Lunate eine eigene ETF-Plattform auf. Blackrock ist mit seinem iShares MSCI Saudi Arabia Capped Ucits ETF (ISIN: IE00BYYR0489) unter den europäischen Saudi-Arabien-Aktien-ETFs einer der etablierten Platzhirsche.

Was für Golf-Anleger zählt

Die Region bietet ein eigenwilliges Rendite-Risiko-Profil. Saudische Aktien-ETFs sind stark auf Banken und Rohstoffe konzentriert; der Finanzsektor macht in wichtigen Saudi-Arabien-ETFs teils deutlich mehr als 40 Prozent aus. Im Kern ist es damit eine Wette auf die Kreditvergabe für die Großprojekte der „Vision 2030“. Die Bindung des saudischen Riyal an den US-Dollar reduziert für Dollar-Anleger das klassische Wechselkursrisiko vieler Schwellenländer erheblich, importiert aber im Gegenzug die amerikanische Zinspolitik. Und so rasant der Nicht-Öl-Sektor wächst, finanziert wird der Umbau weiter aus Öleinnahmen.

Das Aus für Janus Hendersons TGGD ist also kein Misstrauensvotum gegen die Region. Es zeigt nur, dass eine gute Anlagegeschichte noch kein gutes Produkt macht. Breite Golf-ETFs finden zu wenige Käufer und bleiben zu klein. Gefragt ist Saudi-Arabien, und am liebsten mit einem zahlungskräftigen Investor im Rücken. Was als Golf-Thema begann, läuft mittlerweile zunehmend unter saudischer Flagge.